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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

Mager.

heit und Schwatzhaftigkeit, die Eitelkeit und Empfindlichkeit, die Launenhaftigkeit undder Eigensinn, welche die Zucht und Erziehung erschweren. Es ist darum eine falscheMeinung, daß ein an Willenskraft schwächerer Lehrer besser für Mädchen- als fürKnabenschulen sich eigne. Vielmehr muß der Lehrer an Mädchenschulen, wenn auchSanftmnth, Milde und Freundlichkeit ihm zur besonderen Empfehlung gereichen, dochdurchaus fest und consequent sein; er muß ein Mann sein, wenn er nicht von seinenSchülerinnen in kurzer Zeit bald nicht mehr geachtet, sa vielfältig mißbraucht undznm Gegenstände des Hohnes gemacht werden soll. Daß an diesen Schulen auchLehrerinnen angestcllt sein und den gesammten Unterricht ertheilcn können, ist eine all-gemein zngegebcne Sache, und in Frankreich muß es sogar ausschließlich geschehen. Dochscheint es, die Lehrerin tauge in der Regel besser für die jüngeren Mädchen als fürdie Oberclasse, deren Schülerinnen schon mehr von einem männlichen Willen geleitet zuwerden bedürfen. Hat die Lehrerin diesen und überhaupt die oben be,zeichneten nöthi-gen Eigenschaften, so mag sie immerhin auch an der Oberclasse mit gutem Erfolgewirken. Jedenfalls werden auf diese Weise geschlechtliche Verirrungen verhütet, derensich Lehrer an Mädchenschulen (auch an gemischten Schulen) hie und da schuldigmachen, weshalb wir schließlich einen durchaus keuschen Sinn, eine durch beständigesAufsehen auf Gott gewirkte strenge sittliche Selbstbeherrschung nicht bloß in Handlun-gen, sondern auch in Worten, Gebärden und Blicken als die unerläßliche Anforderungan den Lehrer an Mädchenschulen bezeichnen und ihn auch vor solchen Berührungender Kinder, welche nur Zeichen der Freundlichkeit und Liebe sein sollen, ebenso wie vorsolchen Züchtigungen, durch welche die Schamhaftigkeit irgendwie verletzt wird, angele-gentlich warnen.

Literatur: Niemeyer, A. H., Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts3. Thl. Schwarz, Fr. H. CH., Die Schulen. Bcneke, F. E., Erziehungs- und Un-terrichtslehre. 2. Thl. Hergang, Päd. Neal-Encyklopädie. Ni ecke, G. A., Erziehungs-lehre. Eisenlohr, Th., Die Volksschule und die Handarbeit. Stockmaycr.

Mager, Karl. (Quellen: Magers Schriften, seine Lebensbeschreibung vonW. Langbein und mündliche Mittheilungcn.) Dieser besonders um die Entwicklung derdeutschen höheren Bürgerschule hochverdiente Pädagog, wurde den 1. Januar 1810 inGräfrath bei Solingen geboren. Den ersten Unterricht erhielt er in der dortigen Ele-mentarschule, seine Gymnasialbildung in Düsseldorf. Hier zogen den gelehrigen Kna-ben und Jüngling besonders Griechisch und Lateinisch an, während er dagegen ausGleichgültigkeit im Französischen fast nichts leistete. Im I. 1827 machte er seinen ein-jährigen Militärdienst bei der Artillerie durch und stndirte dann in Bonn. Die beidenersten Universitätsjahre widmete er vorzugsweise der Philosophie und Philologie. Schnell-sassend, die Wissenschaft rasch durcheilend zeigte er sich schon hier, desgleichen regte sichin ihm schon die Lust zu allerlei kleinen Publikationen. So ließ er als Anhänger derRomantik ein Bändchen leichter, scherzhafter Gedichte drucken. Von Bonn reiste er1830 nach Paris, jedoch nicht in der Absicht, um sprach- und literatur-, sondern umnaturwissenschaftliche Studien zu machen. Aber in jener Hauptstadt hatte die bourbo-nische Reaction eben ihr Bestes gethan, um alle kräftigen Geister und frischen Talenteder Nation zu dem heftigsten politischen und literarischen Widerstande aufzurufen. KeinWunder, daß der lebhafte, für jede menschliche Entwicklung schwärmende junge Manndiesen Kämpfen offenen Auges zusah und den darauffolgenden Neugestaltungen in Staatund Kirche und allen Bestrebungen in Wissenschaft und Kunst mit ganzer Seele folgte.So geschah es, daß er zwar die Vorlesungen im Ilnsös cl'Iiistoirs naturolls besuchte,aber auch den großen Professor und Geschichtspragmatiker Guizot in der Sorbonnebewunderte. In dieser Richtung noch weiter gefördert durch einen Kreis strebsamerwissenschaftlicher und publicistischer Talente der Hauptstadt, welche die ungewöhnlicheBegabung des geistreichen und wortgewandten Rheinländers richtig erkannten, machteer sich 1832 mit Eifer an das Studium der französischen Nationalität, wie sich dieselbe