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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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in allen Mädchenschulen eingeführt sind und getrieben werden, ist noch eine Frage.Niemeyer, Schwarz, Bcncke n. a. fordern in diesen Schulen auch Unterricht in dengewöhnlichsten und nöthigsten weiblichen Handarbeiten, namentlich in Stricken undNähen, aber nicht in Sticken n. dergl. Da jedoch die geistige Bildung hiedurch nichtverkürzt werden soll, zum Thcil auch manche Mädchen zu Hanse oder sonstwo bessereGelegenheit zum Erlernen solcher Handfertigkeiten haben, wird Eisenlvhr das Richtigegetroffen haben, welcher sagt (si unten Literatur):Die Einleitung in die Arbeit selbstmuß, wo die Verhältnisse gesund und nicht außerordentlicher Art sind, der Familieznfallen." Da aber die Familie hierin nicht immer ihre Pflicht erfüllt, wird nachEisenlohr der Arbeit und der Arbeitsschule neben der Volksschule ein Platz geschaffen,d. h. denjenigen Mädchen, bei welchen es nöthig ist, in einigen Stunden der Wocheöffentlicher obligatorischer Unterricht in den genannten Handfertigkeiten ertheilt werdenmäßen (s- d. Art. Industrieschule). Die Volksschule aber bereitet für diesen Unterrichtvor durch angemessenen Unterricht in der Formenlehre und im Zeichnen. Wenn man aberdazu auch noch einen Unterricht in der Haushaltungskenntnis und in der Wartung undPflege der Kinder von der Mädchenschule verlangt, so mnthet man ihr offenbar etwas zu,was nur dem häuslichen Kreise angehört und ohne Gelegenheit und Mittel zu geeigneterUebung gar nicht anszuführen ist. Dabei ist jedoch natürlich nicht ausgeschlossen, daß beidem Unterricht in den Realien, im Rechnen und in der Religion auf diese künftigen Be-rufsgcschäfte der Mädchen gelegcnheitlich und soweit es thnnlich ist, angemessene Rücksichtgenommen werde. Wenn ferner Beneke nochals wesentliche Unterrichtsgegenstände in dieMädchenschulen ausgenommen zu sehen wünscht einen Inbegriff elementarischer Vorschriftenfür die erste Erziehung in Verbindung mit einer Art von pragmatischer Anthropologieund eine moralische Unterweisung zur Begründung eines einfachen, häuslichen, genüg-samen Sinnes": so ist das letztere einfach Aufgabe des Religionsunterrichts unddes sittlichen Geistes der Schule überhaupt; für das erstere aber wird während derSchuljahre die Anffassungsfähigkeit und das Interesse im allgemeinen noch so geringsein, daß ein solcher Unterricht dem größten Theil nach erfolglos wäre. Wenn dieSchule die sittliche Erziehung der Mädchen selbst sich zur angelegentlichsten Aufgabemacht, erfüllt sie eben damit schon die erste und wichtigste Bedingung der Vorbereitungderselben für ihre künftige Erziehungsthätigkeit. Etwas anderes ist es, wie Schwarz,Riecke n. a., auch ein gewisses Maß von Leibesübungen unter die Unterrichtsgegenständcder Mädchenschule anfzunehmen. Sie verlangen damit etwas, was für das weiblicheGeschlecht in vielfacher Hinsicht ebenso wichtig ist, als für das männliche. Es solltendarum diese Leibesübungen billig auch in Mädchenschulen znm obligaten Uuterrichts-fache gemacht werden; aber ein in jeder Beziehung guter Unterricht darin wird vonden wenigsten Lehrern unserer Zeit ertheilt werden können.

In der Lehrform und dem Lehrton unterscheidet sich die Mädchenschule von derKnabenschule hauptsächlich dadurch, daß in ihr weniger auf begriffliches und abStractcsErkennen als auf Ausbildung der Anschauungs- und Einbildungskraft und des Gefühlszn zielen und somit auch der Wille mehr durch das Gefühl als durch das Erkenntnis-vermögen zu bestimmen ist. Wir sagen aber nurweniger" undmehr" und sind weitentfernt davon, die Bildung des Erkenntnisvermögens und insbesondere des Verstandesvon dieser Schule ausschließen zn wollen. Bei den technischen Fächern aber ist esbesonders der Schönheitssinn, dessen Bildung sich die Mädchenschule angelegen seinlassen muß.

Was die Schnldisciplin betrifft, so ist es eine irrige Meinung, daß diese überallrn den Mädchenschulen leichter» zu üben sei als in Knabenschulen. Neben den mancherleiUnarten und Untugenden, welche beiden Geschlechtern gemein sind, hat man zwar inder Knabenschule mehr oder weniger mit einer gewitzen Wildheit, Derbheit, Unordent-lichkeit, Uebcrmuth und Trotz zn kämpfen, was in Mädchenschulen doch nur selten undin geringem Maße vorkommt. Dagegen ist es bei den Mädchen mehr die Zerstreut-