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Mädchcncrzichung.
und welche-die Kunst durch das Gefühl des Ganzen und Allgemeinen aus der
niedern Sphäre des Kleinen und Einzelnen herausznhcbcn vermag." In unserer Zeit,die von Sinnlichkeit und Genußsucht so sehr erfüllt ist, besteht unter den Frauen, denTöchtern wie den Müttern vielfach das Vorurtheil, daß das Lebensalter der Jungfrauinsbesondere zum Lebensgenüsse berechtige. Dem muß mit aller Entschiedenheit ent-gegengetreten werden, nicht nur im Principe, denn kein Lebensalter berechtigt zum Ge-nüsse ohne die sittliche Anstrengung zu fordern, sondern auch in der Form, in welcherjene Genüsse gesucht werden. Die ganze sogenannte „Welt," die Bälle, die Theater,die öffentlichen Gärten rc., in welche die Jungfrau nun eingeführt zu werden pflegt,weil „sie ihr Leben doch genießen soll," ist ganz dazu gemacht, ihr die rechte Lebens-lust zu vergällen, die Seele zu veröden, Geist und Körper zu schwächen. Der Kampfgegen diese Verkehrtheiten des Zeitgeistes ist nicht leicht, aber er darf nicht gescheutwerden. Auf der andern Seite hat Brandt (lieber Erziehung und Unterricht derweiblichen Jugend S. 17) Recht, Wenn er sagt, daß an die Stelle ungeregelter undungezügelter Erregtheit, falscher Lebensentwicklung nicht die düstere Stille des Todes,Stumpfheit und farbloses Verbringen der Zeit treten dürfen, daß es mit bloßem Ent-ziehen und Versagen nicht gethan sei, daß dafür bessere Genüsse geboten werdenmüßen. „Wir wollen keine dumpf und freudlos hinbrütcnde, sondern eine frische undfröhliche Jugend, bei der auch Scherz und Kurzweil ihr Recht haben. So dürfendann dem Haus- und Familien-Kalender mancherlei einfache und frohe Fest- und Feier-tage nicht fehlen, es darf viel Roth darin sein, aber alles in gesundem Maße.„„Kleine Freuden"" sagt Jean Paul „„laben wie Hausbrod, immer ohne Ekel; großewie Zuckerbrot), zeitig mit Ekel."" Vorsicht ist geboten auch in der Wahl der jungenLeute, die dem Hause als Hausfreunde zngesellt werden, und der Mädchen, zu denender Tochter ein näheres Verhältnis gestattet wird. „Eine Geselligkeit junger Mädchenunter einander, ohne Zuthun der Eltern ist zu vermeiden. Die Gegenwart der Mütterwird und darf nicht störend sein, wenn der Ton des Umganges rechter Art ist," (Va-lentiner S. 116). Eine besondere Aufmerksamkeit ist auf die sogenannte „Conversation"zu richten. Man sage der Jungfrau, daß das Wesen der Geselligkeit ans demgeistigen Verkehre, auf dem freien Austausche der Meinungen beruhe und ein verstän-diges Gespräch allerdings der edelste Genuß sei, den man in der Gesellschaft suchenkönne; aber man hüte sie, daß sie nicht in jenen witzelnden, spöttelnden Ton verfalle,den junge Mädchen so gern im geselligen Verkehr anschlagen, oder in „das todteMeer des Geschwätzes" versinke, welches viele für Unterhaltung ansehen. Man lehresie, daß Zurückhaltung im Urtheil über Personen und Sachen von jedem verständigenMenschen gefordert werden müße, und daß sie durch ein verständiges und zurückhaltendesWesen am besten ihre eigene Würde bewahre, denn „einer vernünftigen Frau wird nie-mals etwas unvernünftiges gesagt." Aber vor dem ganzen sogenannten geselligen Ver-kehr unserer Zeit, in welchem so viel Lüsternheit, Leichtsinn, Abgeschliffenheit und Lügewohnt, muß im großen und ganzen im Interesse weiblicher Erziehung gewarnt werden.Der Urquell aller rechten Lebensfreuden für die Jungfrau bleibt doch das Haus und inseinem Frieden möge sie so lange wie möglich erhalten werden, bis sie als Frau inein anderes Haus ziehe. „Höchstens" wie E. M. Arndt sagt „wann ein hohes Feststeht, Gott, dem Vaterlande, oder einem Erfinder, Stifter, Helden geheiligt, wo dasganze Volk aus dem kleinen, eitlen Leben zu größerem Jubel und Glanz der Gemein-schaft fortgetragen wird, führe man auch sie hinein, daß sie vor dem Leben zugleicherschrecke und erstaune, und Wunder zu sehen glaube, die nur in der Phantasie sind."Hat die Jungfrau im Vaterhause aus ihrer früheren Erziehung die rechte Stellunggewonnen, dann ist demselben in ihr ein neuer Sonnenschein aufgegangen. Es gehtdann von ihr für alle Theile ein hülfreicher und anmuthiger Beistand aus. Diealternde Mutter, der oft verstimmte Vater, die immer des Beistandes bedürftigen Ge-schwister, die dienenden Personen — sie empfinden alle auf wohlthuende Weise das