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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Mädcheucrzichuug.

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Allgemeinen, die eben darum, weil sie aus dem Wesen und der Geschichte des Volkesentstanden, eine gewisse Zähigkeit und couservative Tendenz in sich tragen. Wird aberdie Sitte, welche immer auf das Große und Ganze geht und ihre Wurzeln in dunkleund oft nicht verstandene Tiefen senkt, gering geachtet und an die Stelle derselben einepetulante Erregtheit für das gesetzt, was der Tag Neues bringt, für jenen kleinlichenKampf der Leidenschaften, der im engeren und beschränkten Kreise um persönliche In-teressen gekämpft wird, so ist die Mode zur Herrschaft gelangt. Die Geistlosigkeit der-selben offenbart sich in der Verachtung des Alten, bloß weil es alt ist, in der Be-wunderung alles Neuen, bloß weil es das Neue ist. Man schämt sich der von denVätern ererbten Gewohnheit, man will um jeden Preis unter denen sein, welche dieBewegung des Tages leiten. In dieser Verkennung der tieferen, eigentlich nationalenTendenzen des Lebens spricht sich zugleich der abgestumpfte sittliche Geist, die Unfähig-keit, das Große, das Bedeutende zu verstehen, die oberflächliche und äußerliche Auf-fassung des Lebens und der persönliche Egoismus aus, der immer die Herrsckaft derMode charakterisirt. Nun ist zwar, und besonders in Deutschland, die Herrschaft derMode so groß geworden, daßauch bei vielen trefflichen Menschen das ganze HausMode, und nichts mehr Sitte ist." Aber eben darum ist auch das weibliche Geschlechtso vieler Aeußerlichkeit verfallen. Denn gerade dieses ist seiner Natur nach am meistenden Launen der Mode unterworfen. Wenn sich dies vornehmlich in der Kleidungzeigt, so soll zwar der Jungfrau nicht zugemuthet werden, daß sie durch bizarre Ein-fachheit und durch einen auffallenden Gegensatz gegen das, was allgemein getragenwird, ans lächerliche Weise sich hervorthue, aber sie soll vor der kleinlichen Begier be-wahrt werden, das Neue und Neueste der Kleidung mitzumachen und dadurch hervor-zntreten. Es gicbt eine Kunst, das Gefällige und Nützliche einer Mode sich anzueiguenund doch dem Typus des Hergebrachten treu zu bleiben, und gerade die rechte Eleganz,wenn sie von feinem Sinne getragen wird, wird sich niemals sklavisch der Modebeugen. Diese Kunst möge die Jungfrau sich aneignen, wenn die Verhältnisse es er-lauben, im übrigen aber unablässig darauf hingewiesen werden, daß Ordnung undSauberkeit die höchste Schönheit der Kleidung sind. Aber eben so sehr, wie auf diesemGebiete, widerstrebe man überall der Neigung, die Interessen des Tages, der Tages-literatur, der Tagespolitik, der Tagesneuigkeiten aller Art mit Eifer zu verfolgen.Durch alle solche Neigungen für diesen oder jenen ephemeren Helden, der auf derWeltbühne oder Theatcrbühne auf Augenblicke glänzt, für diese oder jene elegante Nei-gung, Kunst und Fertigkeit re. geht die Einfalt und Sicherheit des Gefühles verloren,wird dasselbe abgelenkt von dem Centrum alles weiblichen Lebens und in Aeußerlichkeitund Weltlichkeit, Eitelkeit und Nichtigkeit versenkt. Biete man der Jungfrau statt dessenimmer tiefere Einblicke in das, was die Geschichte und Literatur der Menschheit, be-sonders des eigenen Volkes, Großes und Herrliches enthält und führe man sie in dieSchönheit und in das Verständnis classischer Poesie und Musik ein, damit durch einegroße und reine Flamme echter Begeisterung in dem Herzen der Jungfrau alle dielleincn und elenden Begierden verschlungen werden, welche den Menschen selbstsüchtigmachen und an das Nichtige fesseln. Niemals höre die Jungfrau ganz auf, zu lernen;einzelne Stunden des Tages seien der Lectüre, der Uebung in dieser oder jener Kunst,auch wohl der gelegentlichen Theilnahme an belehrenden Vorträgen gewidmet. Dietiefste Anregung für diese allgemeine geistige Bildung gebe eben das Haus selbst.Namentlich werde die Kunst recht heimisch in der Familie und nicht in das Gebietder sogenannten Geselligkeit verwiesen, wo sie so oft nur zur Lüge gemacht und dazumißbraucht wird, die Geistesleere zu verdecken.Die Kunst gehört," wie E. M. Arndttrefflich bemerkt,für das Haus oder den engeren Kreis weniger Zugethanen und Ge-weihten, die bescheiden und still ohne Ansprüche der Eitelkeit sich ihrer freuen mögen,so weit sie es in dieser Enge können; mehr noch gehört sie für die Versammlung oderGemeinde, die groß genug ist, daß die einzelne Eitelkeit oder Gaukelei darin untergehe,