Mädchcncrziehnug.
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neuerer Zeit die Mädchen in Schule und HauS auf das Sitzen angewiesen sind,-destoenergischer haben Aerzte und Pädagogen darauf gedrungen, eine Ausgleichung dieserRuhe in stärkerer Bewegung zu suchen, nnd für diese den jungen Mädchen Badenund Schwimmen, Schlittschuhlaufen und namentlich daS Turnen empfohlen.In der That ist die Lage der jungen Mädchen gerade in diesem Punete eine schlimme.Die bloßen Spaziergänge bieten eine viel zu geringe und einseitige Bewegung dar undsind, wie Dorothee Valentiner und Rosa Fischer ganz richtig erwähnen, auch aussittlichen Gründen keineswegs sehr empsehlenswerth, passen eigentlich auch nur fürErwachsene. Wenn aber Rosa Fischer (a. a. O. S. 92) hinznsetzt: „Laßt den Mädchenihre Freiheit, und es wird ihnen weder an Bewegung noch an Grazie fehlen; in derfreien Natur mögen sie sich tummeln, springen, laufen, nicht nach der Uhr und aufKommando, ihrer Gesundheit wegen, sondern ans eigenem Antriebe, aus innerer Lustund Freude," so ist das eben leichter gesagt, als gcthan, da in größeren Städten dazuin den allermeisten Fällen die Gelegenheit fehlt. Solange namentlich die Schulen eineverhältnismäßig so große Zeit in Anspruch nehmen, und die jungen Mädchen nichtmehr und consequenter in. der Häuslichkeit beschäftigt werden, worin vielleicht die natür-lichste Ausgleichung des vielen Sitzens zu finden wäre, so lange wird man immeranerkennen müssen, daß den jungen Mädchen die nöthige Bewegung fehlt. Auch hängtes mit unserer ganzen Culturentwicklung eng zusammen, daß dem weiblichen Geschlechtsin mancher Beziehung eine Entfernung von der Natur zugemuthet werden muß, unterder dasselbe leiden Würde, wenn nicht die Cnltur selbst die nöthige AuShülfe darböte.Als eine solche haben wir das Turnen anznschen, da es in kürzerer Zeit durch Man-nigfaltigkeit der Bewegungen nnd durch systematische Berücksichtigung aller Körpertheilejede andere Art der Bewegung übertrifft. (Vergl. d. Art. Leibesübungen. D. Red.)Die Frauen fürchten größtentheils, daß das Turnen nnd das Schwimmen der Anmuthder weiblichen Natur Eintrag thun werde, und weisen, als aus daS rechte Ausglei-chungsmittel, auf den Tanz hin. Das solb dann zwar nicht unser geselliger Tanzsein, sondern eine besondere Art von ästhetischen Uebungen im Stehen, Gehen und indem Gebrauche des Körpers überhaupt. Aber dieser Tanzunterricht existirt nicht,und was davon existirt, hat eben in der Gymnastik seine Stelle. Wir glauben nicht,daß das Turnen, wenn es nur in der rechten für das Geschlecht angemessenenWeise geschieht, oder das Baden und Schwimmen, wenn es nur, wie freilich sehr seltender Fall, unter der gehörigen, natürlich weiblichen Aufsicht möglich ist, von der weib-lichen Grazie so vieles rauben werde. Kit moclus in rsbus, daS gilt auch hier, nndim schlimmsten Falle wollten wir gern ein Stückchen Grazie missen, wenn wir dafürein Stück Gesundheit eintauschen können. Den Tanz sollte man den Mädchen nurunter einander und innerhalb der Familie gestatten. Eigentlichen Tauzunterricht brauchtein Mädchen gar nicht, das frohe Mädchen tanzt von Natur. Wer aber die' vielge-priesene Grazie von dem Tanzboden holen will, dem möge sie erlassen bleiben. Demganzen Unwesen und der Unnatur der Bälle bleibe das Mädchen womöglich immerfern. (Vergl. d. Art. Tanzen. D. Red.) Dem Schlittschuhlaufen wird beiuns immer entgegenstchen, daß es die Mädchen zu sehr in die Öffentlichkeit weist,und..daß eS das weibliche Zartgefühl in mannigfacher Weise bedroht. Mit den weib-lichen Handarbeiten, namentlich mit den feineren, möge das Mädchen außer dendafür angesetzten Lehrstunden so viel wie möglich verschont bleiben. Wie für die ganzeTagesordnung feste Normen bestehen sollten, so sollte auch für solche Arbeiten einebestimmte Zeit festgcstellt werden. Dasselbe geschehe für das Lesen, und unerbittlichwerde der krankhaften Neigung für dasselbe, wo sie sich zeigt, entgegengetreten. Dieliebste und schönste Erholung muß das junge Mädchen in der Feierstunde finden, dieden häuslichen Kreis zusammenführt und alles Schöne und Gute des Lebens dem em-pfänglichen Herzen zum freudigen Genüsse darbietet.
In die dritte Periode seiner Entwicklung tritt das Mädchen durch einen