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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehmig.

gung der Schnürbrust das Blut nach nuten stürzt und die Gefäße aiu Kopfe gewaltsamentleert werden, so folgen dem Abnehmer: derselben bei jungen Mädchen nicht seltenOhnmächten, ja es giebt solche, die sogar des Nachts mit der Schnürbrnst schlafenmüssen. Bedenkt man, daß diese unheilvoll wirkende Verkehrtheit der weiblichen Kleidungihren letzten Grund in dein eitlen Bestreben, eine schöne Taille zu bekommen, hat, unddaß diese beabsichtigte Verschönerung, wie Schreker (a. a. O. S. 190) richtig bemerkt,dem Ideale weiblicher Schönheit, wie jede antike Statue uns belehren kann, widerspricht,da die Schnürbrnst den Körper gerade da znsammenpreßt, wo derselbe sich sanft wölbensoll; bedenkt man, daß schon der berühmte Sömmcring in seiner Schrift:Wirkungender Schnürbrnst" das Zeugnis abgelegt hat, er habe nie ein Frauenzimmer kennen ge-lernt, welches seine schöne Taille nicht durch irgend eine andere Verkrüppelung des Körperserkauft habe: so muß man in der That die ganze Entrüstung theilcn, mit welchermancher wackere Mann gegen diese auf ganze Generationen verderblich wirkende Thorhcitausgetreten ist. Wenn Julie Bnrow (Das Buch der Erziehung in Haus und SchuleS. 195) die Schnürbrnst in Schutz nimmt, so werden so vollwichtige Zeugnisse gegendieselbe doch dadurch nicht entkräftigt. Von dem jungen Mädchen halte man jedenfalls,solange der sich entwickelnde Busen keiner Unterstützung bedarf, jede Schnürbrust fern,vermeide ebensosehr das allzu beengende Festmachen der Oberkleidcr und behalte, solangeals eS möglich ist, für diese den Blousenschnitt bei. Auch dürfen die Unterkleider ihrenHalt nicht allein im Zusammenbinden über den Hüften finden, und besonders ist dieHäufung mehrerer Unterröcke so viel als möglich zu vermeiden. Aehnlichen Thorheiten,wie bei der Schnürbrust, begegnen wir bei der Fußbekleidung. Das Streben, den Fußklein zu erhalten und die anatomisch (nach der SchriftDie richtige Gestalt der Schuhe"von Mayer in Zürich) gewöhnlich ganz falsche Construction unserer Fnßbekcidung schiebtund drückt die 25 Kuochengebilde des menschlichen Fußes auf eine so gewaltsame Weisezusammen, daß man, wie Schreker bemerkt, bei jedem weiblichen Fuße, den man imSchuhe bewundert, über'seine Häßlichkeit erstaunen würde, wenn man ihn unbekleidetsähe. Die verbissenen Qualen, durch welche die Niedlichkeit des Fußes erkauft wird,haben schon den Philosophen Locke veranlaßt, in seinemBuche der Erziehung" diesemGegenstände seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Schreiber und Camper, der 1783 einetreffliche Abhandlunglieber den besten Schuh" geschrieben, stimmen darin überein,daß ein richtig gefertigter Schuh sogleich bequem sitzen müße und daß man auf dasAnstreten", aus welches die Schuhmacher oft vertrösten, nicht warten dürfe, denn sobaldder Schuh ausgetreten ist, hat gewöhnlich der Fuß schon gelitten. Wichtig für unsere Zeit,die so viele neue Schutzmittel für den Fuß erfunden und dadurch eine gewisse Verweich-lichung in diesem Puncte herbeigeführt hat, ist, daß nicht nur Locke, sondern auch Camperden Rath geben, den Fuß, wie die menschliche Hand, frühzeitig au das Ertragen derNässe und Kälte zu gewöhnen. Man lasse das junge Mädchen lieber im Nothfallesofort Schuhe und Strümpfe wechseln, aber man verwöhne eS nicht so frühzeitig durchUeberschuhe, damit es gegen die ewigen rheumatischen Anfälle erstarke. Das Haar derjungen Mädchen werde einfach geordnet und mit Vermeidung aller auffallenden Modenschlicht gescheitelt. Sv lange das Kind sich das Haar nicht selbst machen kann, solltees, etwa bis zum 10. oder 12. Jahre, dasselbe kurz abgeschnitten tragen. GrößereSorgfalt, als in Deutschland gewöhnlich, sollte den Zähnen gewidmet werden. Einerechtzeitige Pflege derselben, die fortgesetzte Befreiung vom Weinstein, die Ausfeilungder angefressenen Stellen rc. vermag ihrer Erhaltung und dadurch der normalen Er-nährung des ganzen Organismus großen Vorschub zu leisten, und dem HeranwachsendenMädchen manchen Schmerz zu ersparen. Die allgemeine Kräftigung des Körperswerde durch eine richtige Haltung beim Stehen, Sitzen, Liegen und Gehen, durch eineeinfache und gesunde Ernährung, der nichts so sehr widerstrebt, als eine gerade in dieserZeit sich leicht entwickelnde Naschhaftigkeit, durch den nöthigen Luftgcnuß und dieerforderliche Erholung in Ruhe und Bewegung sorgfältig gefördert. Je mehr in