Mädchcncrziehimg.
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daß es darin hie und da eine Geschmacklosigkeit begehe, als daß es in Eitelkeit undPutzsucht verfalle. Darum lege man auf diese Dinge niemals ein besonderes Gewicht,rede nicht zu viel davon, welches Kleid dem Mädchen gut stehe, bewundere es nicht,sondern hebe in Ansehung der Kleidung mehr den ökonomischen und diätetischen Gesichts-punct hervor, als den ästhetischen. Man leite die jungen Mädchen nicht nur, wovonoben geredet wurde, dazu an, ihre Kleider in guter Ordnung zu erhalten, kein Loch,keinen Riß zu dulden, sondern auch dazu, das Alte und Abgetragene zu Neuem unizu-schaffen. Manche Familie besteht nur durch diese echt mütterliche Kunst, in welcher sichalle guten Eigenschaften des Weibes vereinigen. Von hoher Wichtigkeit ist die Beach-tung des Einflusses, den die Bekleidung auf die gesunde Entwicklung des weiblichenKörpers übt. (Vgl. d. Art. „Körperliche Erziehung." D. Red.) Die Kleider dürfenim allgemeinen weder durch zu große oder zu geringe Dichtheit die nöthige Wärmedes Körpers erhöhen oder herabsetzen, noch die freie Bewegung sowohl der flüssigenals der festen Theile hindern. Zu vermeiden sind zu frühzeitige und unrichtige Ab-härtung sbestre bringen. Schreber (Kallipädie S. 98) stellt den Grundsatz auf,daß eine vernünftige und naturgemäße Abhärtung mehr auf das Ertragen einer vor-übergehenden, als einer dauernden Wärmedifferenz gerichtet sein müße, und daß ein-zelne Theile des Körpers, wie Kopf, Hals, Hände und Füße, unbeschadet der Gesund-heit auch gegen dauernde Einwirkung der Hitze und Kälte abgehärtet, nicht aber die ganzeKörperoberfläche in solchem Umfange diesen Einwirkungen ausgesetzt werden dürfe, daßdadurch die Gesammttcmperatur des Körpers alterirt werde. Da im allgemeinen dasWärmebedürfnis der Erwachsenen größer ist, als das der Kinder, so sind der Jugend alleintensiv wärmenden Kleidungsstoffe, namentlich alle Arten von Pelzwerk, dichten wollenenZeugen rc. überhaupt fern zu halten. Für Unterkleider scheinen die von den Engländerndurchgängig getragenen, leichten, baumwollenen Stoffe geeigneter, als Leinwand, dadiese die Ausdünstung des Körpers nicht hindurchläßt und bei eintretender Abkühlungin Feuchtigkeit umsetzt. Die Zwecke der Sittlichkeit und der Gesundheit fordern aufgleiche Weise, daß die Kleider der Mädchen nicht zu tief ausgeschnitten werden, wiedenn nachweisbar ist (Klemm sun.: Die menschliche Kleidung S. 61), daß die Krank-heiten, welche durch Erkältung und Zurücktretung des Schweißes entstehen, niemalsso häufig gewesen sind, als zu Anfang des 19. Jahrhunderts in der Zeit der grie-chischen Moden. Langsamer, aber um so verderblicher wirken in der Wachslhumsperiovedie mechanischen Einflüsse unzweckmäßiger Bekleidung. Der Druck enger Kleider aufdie Blutgefässe, Nerven, Muskeln und Knochen ist die Ursache vieler Krankbeiten ver-jüngen Mädchen. Schreber (a. a. O. S. 189) bezeichnet als die vornehmsten Fehler derweiblichen Bekleidung, daß sie entweder über der Brust oder in den Armlöchern zueng sind, wodurch die Athmungsorgane beeinträchtigt werden, oder daß die Kleiderzu tief ausgeschnitten sind und leicht über die Schultern herabgleiten. Einen zweihun-dertjährigen Kampf kämpfen Aerzte und Pädagogen gegen die Schnürbrust, die nurbeim erwachsenen weiblichen Körper einen Sinn hat und auch bei diesem nur dannunschädlich ist, wenn sie sanft und lose den Körper umschließt und sämmtlichen Rippenihren vollkommen freien Spielraum bei der Athmungsbewegung läßt. Noch hat dieserKampf nicht zum Siege geführt. Betrachtet man die unseligen Folgen, welche demTragen des Corsets bei jungen Mädchen von den Aerzten zugeschrieben werden, so mußman in der That erschrecken. Klemm (a. a. O. S. 68 ff.) führt diese Folgen weitläufigaus. Das Corset stört die Verdauung, bedroht die Leber und verhindert die Absonderungder Galle, so daß der Nahrungsstoff nicht gehörig in das Blut übergehen kann, erzeugtBlähungen, die, wenn sie aufsteigen, übelriechenden Athem Hervorbringen, drängt dieEingeweide in den untern Theil der Bauchhöhle, ruft dadurch leicht Brüche und Prolapsushervor, und begünstigt durch allgemeine Hemmung der organischen Ausbildung denWeißen Fluß, Scropheln, Drüsenkrankheiten, Auszehrung und Schwindsucht. Namentlichverlieren die Rückenmuskeln ihre Kraft, weil sie nicht geübt werden, und da bei Able-