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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchcnerziehung.

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an, die dem Wesen der Unschuld widerstreiten. Es war eben eine Verkehrtheit derAufklärungsperiodc, auch das Tiefste und Geheimnißvollste, das Heiligste und Zartesteaus seinem Dunkel hervorzuziehcn und mit den Händen betasten zu wollen. Alle solcheSchriften, wie z. B. dieHöchst nöthigc Belehrung und Warnung für junge Mädchenzur frühen Bewahrung ihrer Unschuld, von einer erfahrenen Freundin", eine Preisschrift,welche Campe ebenfalls herausgab und welche die fünfte Auflage 1828 erlebte, sinddaher als höchst unnöthige zu bezeichnen. Auch kommt Campe zuletzt, wo er nun dieSumme des Ganzen zieht und die Rathschläge zur Bewahrung der Unschuld kurz zu-sammenfaßt, neben solchen Vorschriften, die freilich eben nur die xotitio xrinoipiienthalten, z. B.Sei höchst schamhaft rc.", auf das, was bei einer verständigenErziehung von Anfang an erstrebt werden muß und alle übrigen directen Maßregelnzur Wahrung der Unschuld überflüssig macht, zurück, wie darauf, daß das Mädchenmit vollem Vertrauen und ganzer Offenheit sich den Eltern anschließen und alle Ver-traulichkeit mit andern meiden solle rc. Aber dieser ganzen ungeschickten und unzarten,der Keuschheit, die sie wahren will, geradezu gefährlichen Behandlung der Geschlechts-Verhältnisse bedarf es überhaupt nicht. Hat das junge Mädchen in der Religionsstundeauf die rechte Weise das sechste Gebot behandeln gehört, so weiß es, daß die Eheeine heilige Ordnung Gottes ist, an welche die Fortpflanzung des Menschengeschlechtsgeknüpft ist. Mehr als dort im ganzen Zusammenhänge der religiösen Erörterung undunter dem Eindrücke der religiösen Stimmung über die Ehe und über den Kindersegenderselben gesagt werden kann, braucht dem jungen Mädchen niemals gesagt zuwerden, und auf andere Weise, als mit dieser heiligen Scheu, soll es auchniemals den Gegenstand behandeln hören. Treten die ersten Symptome der sichankündigenden Mannbarkeit hervor, so haben diese Erscheinungen für das Mädchenetwas beängstigendes. Die Mutter beruhige zunächst das Kind durch die Versicherung,daß diese Erscheinungen wohlthätiger Art seien, daß sie auf einer heilsamen Ord-nung Gottes ruhen, daß sie vorübergehen und daß sic allen weiblichen Personen ge-mein seien. Hiermit werden die Mädchen sich zufrieden geben, und wenn mit ver-rückendem Alter das Mädchen weiterer Belehrung fähig wird, so weise die Mutterdasselbe auf die hohe Bestimmung des Weibes, daß durch dasselbe der Mensch zurWelt geboren werde, wenn Gott die Ehe mit Kindern segne, und sage ihm mit wenigenbestimmten Worten, daß die monatliche Reinigung mit jener großen und heiligen Auf-gabe des weiblichen Lebens im Zusammenhänge stehe. Alles übrige überlasse manGott und dem Geiste der Zucht und Ehrbarkeit, der im Hause waltet. Nicht dasmacht keusch, wie viel oder wie wenig jemand von dem Geschlechtsleben wisse, sonderndas, wie heilig ihm diese Dinge sind. Befindet sich das junge Mädchen in einerUmgebung, in welcher diese Verhältnisse mit heiliger Scheu behandelt werden und derUmgang mit allen Menschen von guter Sitte beherrscht ist, hängt es im übrigen indem rechten Vertrauen an Vater und Mutter, ist es sich seiner Pflichten gegen Gottund die Seinigen bewußt und wird es nicht leichtsinniger Weise in die Versuchung ge-stoßen, wie dies durch die Kinderbälle und Tanzstunden nur zu oft geschieht, so istUnkeuschheit das Letzte, was man von ihm zu fürchten hätte. Es ist genug, wenn dasMädchen einen tiefen und bleibenden Eindruck von der Heiligkeit der geschlechtlichenSchranke empfängt. Im übrigen behandle man das junge Mädchen nicht mehr wieein Kind. Kommt im Gespräche, in der Lectüre, im Leben überhaupt etwas vor, wasan die Geschlechtsverhältnisse erinnert, so spreche man es fest und unverhohlen aus,denn cs ist Gottes Ordnung, aber man schreite ernst darüber hin, wie über eineheilige Stätte. (Vergl. d. Art. Entwicklungsperiode. D. Red.)

Eben so wichtig, wie die sittliche Behandlung des jungen Mädchens in dieser Periode,ist die körperliche Erziehung desselben. Beides greift oft tief in einander, z. B. inBetreff der Kleidung, welche bei Mädchen noch wichtiger ist, als bei Knaben. FrühPävag. EncyNopädie. IV. 34