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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehung.

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üchen Eindrücke, die es hier empfängt, nicht bewältigen, oder cs wird sich gewöhnen,solche Zustände mit Gleichgültigkeit anznsehen. Besser gefällt uns das andere Wortder Engländer:(Amrit^ boZins at Imins." Mag man doch, und zwar nicht bloßam Sonntage, sondern jeden beliebigen Tag das Mädchen mit einer warmen Suppeund einem herzlichen Gruße gelegentlich zu dieser oder jener kranken Wittwe rc. schicken,und es die Freude, Freude zu machen und Erbarmen zu üben, auch in dieser Formkennen lehren; aber zu einer eigentlich scelsorgerischen Wohlthätigkeit ist das Mädchenzu unerfahren. Auch einem anderen Vorschläge der Madame Necker de Saussure,deren Werk so viel schönes über die weibliche Erziehung, namentlich in den höhernStänden, enthält, muß hier entgegen getreten werden. Dieselbe erthcilt da, wo sievon der GefühlÄnldung redet, den Rath, man möge dem jungen Mädchen Gegenständegeben, an denen es Liebe üben, die es pflegen, denen es Wohlthun könne, z. B. Blu-men, Thiere, arme Kinder rc. Das ist nicht nur zu künstlich, sondern auch gefährlich.Die Blumen und Thiere und die armen Kinder werden im allgemeinen nicht znmbesten berathen sein, und sollen nicht zu Liebesexperimenten benutzt werden, auch sollein junges Mädchen noch gar nicht die Selbständigkeit haben, sich einen solchen Hof-staat der Liebe zu halten. Hat es eine Neigung der Art, wohlan, so mag es ihrgelegentlich gestattet werden, sein Turteltänbchen zu haben, und darauf gesehen werden,daß eS dasselbe nicht verhungern und verdursten läßt. Aber die wahren Gegenständeseiner Liebe brauchen ihm nicht erst gegeben werden, die sind ihm von Gott gegeben:Vater und Mutter, Bruder und Schwester rc. mit einem Worte, die Familie.Mit allen Banden des Herzens soll sich das Mädchen an diese gebunden erachten, undin ihrer Mitte, zu ihrer Freude zu leben, soll ihr der schönste, der liebste, der höchsteBerns erscheinen. Und so sei auch der gemüthvolle Familienverkehr die Krone allerSonntagsfreuden, und jede weise Mutter strebe dahin, daß eS dem Mädchen nirgendwohler sei, als im Hause. Nicht leicht ist es, den Umgang des Mädchens zn über-wachen, der sich an die Schule und an andere gelegentliche Bekanntschaften leicht an-schließt. Eigentliche Freundschaft entwickelt sich bei Mädchen selten, am seltensten beiden wohlerzogenen. Der tiefste Grund liegt darin, daß das Mädchen, wenn es imrechten Verhältnisse zur Mutter steht, in dieser eine Vertraute und eine Freundin be-sitzt, die alle anderen Freundinnen in Schatten stellt. Bildet sich ein engeres Freund-schaftsverhältnis zwischen jungen Mädchen, so muß dasselbe ein ernster Gegenstand derAufmerksamkeit für die Eltern sein. Oft ist ein solches Verhältnis nur der Schein,unter welchem etwas ganz anderes, als die Befriedigung des liebebedürftigen Herzensgesucht wird. Die eine wird durch Reichthum und Eleganz, welche im Hause derFreundin herrscht, die andere durch den heiteren Lebensgenuß, dem man dort nachgcht,ungezogen. Man suche sich die sorgsamste Kenntnis von dem Geiste, der in der be-treffende» Familie herrscht, zu verschaffen, che man der Tochter den Umgang verstattet,und hebe denselben ans geräuschlose Art bald auf, wenn jener Geist kein guter ist.Man halte sich an die Regel, den Kindern lieber im eigenen Hanse einen frohen Tagzu machen, als die Tochter in fremde Familien zu schicken. Geschieht das letztere, soist in dem Alter des Mädchens von 1215 Jahren noch wichtiger als später, daß esnicht allein gehe. Ist kein Bruder da, der die Schwester begleiten und holen kann,so werde auch mit Opfern dafür gesorgt, daß andere zuverlässige Personen dies thnn.Vor allen Dingen dulde man im Verkehr der jungen Mädchen keine Heimlichkeiten,denn das Geheimnis ist im letzten Grunde immer die Sünde, und wo Mädchenfreund-schaften einen sehr exclusiven Charakter annchmen, da ist es selten ganz richtig. Jeälter das Mädchen wird, desto inniger wird das Verhältnis znm Vater. Treffendesund Schönes hat Dorothee Valentiner (a. a. O. S. 75 f.) darüber gesagt. Ihmkommt es vor allen zu, den edlen Schwung der jugendlichen Seele auf das Schöne,Gute, Wahre zu befördern, und darüber zn wachen, daß des Mädchens Sinn wedervon den Sorgen der Häuslichkeit ganz eingenommen, noch ihnen entfremdet werde.