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Mädcheiierzichimg.
gefaßt sein muß, und daß nicht die Entschiedenheit des Willens es ist, welche unweib-lich macht, sondern die heftige, rohe Art, in welcher eS geschieht. Aber wenn dieLiebe allein es ist, Welche das sich immer reicher entfaltende Gemüthsleben desMädchens in rechter Weise zeitigen kann, so kann die Gcmüthsbildnng doch auch nurdadurch vollendet werden, daß das Gemüthsleben des Mädchens selbst ein Leben derLiebe werde. In der Liebe muß alle die Geduld, die Sanftmut!) wurzeln, zu der estäglich und stündlich angeleitet wird, in der Liebe muß die Selbstverleugnung, so wiedie Entschiedenheit des Entschlusses ihre letzte Begründung haben. Das Wesen derLiebe aber stehet darin, daß Gott nns zuerst geliebt hat und daß wir davon einelebendige Erfahrung im Glauben haben. So vollendet sich die Gemüthsbil-dung des jungen Mädchens in dem religiösen Leben, zu welchem die häuslicheAndacht, der Religionsunterricht der Schule und der Kirche auf gleiche Weise Mit-wirken. Von der höchsten Bedeutung ist die gegen das Ende dieser Periode eintretendeKonfirmation. Haben Haus, Schule und Kirche ihre Pflicht gethan, so gewinntdas junge Mädchen eine Lebensanschauung, welche alle Pflichten unter die eine höchstePflicht der Dankbarkeit gegen Gott, der uns in Christo geliebt hat, subsumirt, und csweiß nun nicht bloß durch die Stimme der Natur, daß es berufen ist, Liebe zu üben.Von ganzem Herzen stimmen wir, durch mannigfache Erfahrung darin bekräftigt, mitPalmer (Evangel. Katechetik S. 608) in dem überein, was derselbe über die Zeitder Konfirmation sagt. Wenn die Einsegnung in das 16. und 17. Jahr verschobenwird, so mischt sich in diesen Act so vieles, was den weltlichen, geselligen, äußerlichenLebensbeziehnngen angehört, daß dadurch der segensreichen Wirkung großer Abbruchgethan wird. Die Begeisterung der Mädchen für ihren Prediger hängt, wie die fürden Lehrer, tief mit der weiblichen Natur zusammen, und ist an sich, wo der Lehrerund der Seelsorger der rechte Mann ist, nicht zu fürchten. Das Individuelle gilt demWeibe mehr, als das Allgemeine, das Persönliche liegt ihm näher, als das Sachliche,darum sieht und liebt das Mädchen in dem Prediger die personisicirte Religion, indem Lehrer die Wissenschaft. Man sollte es daher niemals wegen solcher begeistertenVerehrung tadeln oder wohl gar aufziehen. Vorausgesetzt muß werden, daß überhauptdas Haus den religiösen Grundton festhalte und immer wieder ertönen lasse, an wel-chen sich die ersten zarten Regungen des Glaubens anschlossen. Die häusliche Andachtund die strenge Unterscheidung des Sonntages von dem Werkeltage sind Grundbedin-gungen der weiblichen Erziehung, die überall an das Göttliche unmittelbar anknüpfensoll. Das junge Mädchen mag besonders in der Zeit der Vorbereitung für die Konfir-mation von zerstreuenden Eindrücken zurückgehalten und frühzeitig an den regelmäßigenBesuch der Kirche, womöglich immer in Begleitung der Mutter oder des Vaters, ge-wöhnt werden. Auch gebe man ihm alle Sonntage Zeit und Gelegenheit zu stillerSelbstbeschäftigung, die allmählig durch Darbietung ernster, edler, wenn auch nicht so-fort erbaulicher Lectüre zur Selbstbeschanung anleiten kann. Ein hocherleuchteter Theo-loge hat ausgesprochen, daß man am Sonntage Briefe an die Freunde schreiben solle.Darin ist ein reiches Gebiet edler Sabbathsthätigkeit angedeutet, welches besonders demweiblichen Leben angehört: die Pflege der Liebesbande, die uns mit den Menschenverknüpfen und durch deren Vernachlässigung wir unser Leben leer und kalt machen.Das Mädchen hat eine natürliche Neigung, diesen Erinnerungen nachzugehen. Mangestatte ihm, an Sonn- und Feiertagen den kleinen Schatz von Kleinoden der kindlichenLiebe, Geburtstagsgeschenken, Stammbuchblättern, Erinnerungszeichen an diesen oderjenen schönen oder ernsten Tag in der Stille zu beschauen, und die oft gelesenen Briefewieder zu lesen; es wird wärmer und liebevoller aus dieser Einsamkeit zurückkehren. Diein England häufig geübten Wohlthätigkeitsbesuche bei Armen und Kranken, zu denenauch Madame Necker de Saussure die jungen Mädchen am Sonntage anznhalten an-räth, können wir nicht ganz billigen. Das Mädchen ist der Tiefe der Leibes- undSeelennoth, die sich ihm hier aufthut, nicht gewachsen; es wird entweder die schmerz-