Mädchencrzichung.
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darf doch nicht übersehen werden, daß das junge Mädchen von früher Jugend an einengewitzen Grad von Zurückhaltung gewöhnt werden mutz. Damit hängt die Noth-wcndigkeit zusammen, die tief im weiblichen Wesen begründete Reizung znm Wider-spruche und zur Rechthaberei nicht aufkommen zu lassen. Die Tochter soll beiZeiten lernen, ihre Meinung, wenigstens das Bestehen auf derselben anfzugeben, auchdann, wenn sie ihres Rechtes ganz gewiß wäre. Man mache ihr fühlbar, daß es hiebeinicht auf die Beschränkung des freien persönlichen Urthcils abgesehen sei, sondern darauf,den leidenschaftlichen Streit abzuwehren, welcher der weiblichen Würde schade, und dieSelbstverläugnung zu üben, durch welche der Frieden bewahrt werde. Nur zu häufigwerden die Untugenden der Unbescheidenheit und des Widerspruches durch die Erziehungselbst hervorgerufen. Frauen machen uns am besten auf die Fehler aufmerksam, welchedie Mütter in diesem Puncte begehen. Nach Mad. Necker de Saussure sind es dielangen Reden, Expositionen und Begründungen, deren die Mütter sich statt des ein-fachen Gebotes bedienen, welche das Kind zum Widerspruche reizen, weil in der Reiheder Gründe auch gelegentlich schwache mit unterlaufen. Ebenso so richtig ist die Be-merkung von Hanna Moore, daß jene Strenge gegen Unbescheidenheit und Rechthabereigewöhnlich nur dann angewendet werde, wenn die üble Laune der Mütter diese ener-gisch macht, und daß dann jene Strenge unwirksam bleibe, weil sie nur als Ausbruchder Empfindlichkeit oder des Eigensinns erscheine. Und wie das junge Mädchen lernenmuß, die eigene Meinung zu unterdrücken, den Widerspruch aufzugcben, so wevde esauch immer ernstlicher darin geübt, mit Heiterkeit und Ruhe den gelegentlichen Freudenzu entsagen, welche sich ihm etwa darbicten. „Es wird nichts aus der Fahrt; dieFreundin hat den Besuch abgeschricben; die gehoffte Einladung ist nicht eingetroffen!"Mit solchen einfachen Worten werde das betreffende Factum mitgctheilt und der Sackenicht die geringste Bedeutung gegeben. Allenfalls möge ein ermuthigender Scherz hin-zutreten, aber niemals sollte ernstes Bedauern den Kampf der Selbstverleugnung imGcmüthe des Mädchens erschweren. Wird so verfahren, sieht das Kind, wie andereüber die leichten Schmerzen des Lebens mit leichtem Schritte hinweggehen, so wird esdies selbst thun. Hat aber der Egoismus und die Vergnügungslnst in dem jungenMädchen bereits tiefere Wurzeln geschlagen, so daß es die Vernichtung seiner gehofftenFreuvcn schon mit leidenschaftlicher Betrübnis aufnimmt, so muß es in diesem Alterliebreich, aber auch schon mit ganzem Ernste darauf hingewiesen werden, daß es Un-dankbarkeit und Ungehorsam gegen Gott sei, den Reichthum des Glückes, den dasjunge Mädchen im Vaterhause besitzt, zu verkennen, und ein solches Gewicht zu legenauf Freuden, die vielleicht nur eingebildete seien und welche Gott uns ans heiliger Liebeversage. Auch die genossenen und nicht zerstörten Freuden der Art können dazu be-nutzt werden, dem Mädchen das Vaterhaus theuer und Werth zu machen. Selten sinddiese Freuden ohne einen Tropfen Bitterkeit gewesen. Es War vielleicht langweilig,es wurde Lieblosigkeit und Zurücksetzung empfunden, es waren eitle, auf schöne Kleider,auf höheren Rang stolze Mädchen da rc. Man hüte sich, das znrückkehrcndc Mädchenauszuhorchen, es zu Klatschereien oder zur Splitterrichterei zu ermuntern; aber manzeige ihm Theilnahme für den erlittenen Schmerz und befestige durch warme Liebe dasKind in der Empfindung, daß die Freuden der Geselligkeit selten ein rechtes Genügegewähren, und daß es doch nirgends in der Welt so schön sei, als daheim, und sohelfe man ihm zur Billigkeit des Urtheils und zur Seelenruhe. Wenn so das jungeMädchen überall zur stillen und freudigen Selbstverleugnung, zur Geduld und Sanft-umth angeleitet werden muß, so darf doch der Charakter nicht zur Passivitätherabgesetzt werden. Das Mädchen soll nicht aufhören, selbst zu handeln, soll lernen,sich zu entschließen und zwar sich kurz zu entschließen, da Unentschlossenheit oft schonder erste Schritt zum Bösen und die erste Ursache schlimmer Erfolge ist. Es mußdem jungen Mädchen gezeigt werden, daß es Dinge giebt, von denen es sich absolutund sofort abwenden müße, daß es Fälle giebt, in denen augenblicklich der Entschluß