Mädchenerziehung.
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richten, zu erfragen rc. möge das junge Mädchen in dem Gefühle ausführen, daß csihm zukomme, dergleichen zu thnu. Frühe schon muß eS auch daran gewöhnt werden,sich in seiner Thätigkeit unterbrechen und stören zu lassen, mit heiterem Sinnden gegebenen Auftrag zu erfüllen und mit Freudigkeit die frühere Thätigkeit wiederanfzunehmen. Für das praktische Leben der Hausfrau, welche oft das Verschiedenartigstezn bedenken hat, ist diese Gewohnheit äußerst wichtig, und sie führt das junge Mädchenfrühe zu einer gewitzen Selbstverläugnung. Aber bald soll dasselbe nicht mehr aufgegebene Aufträge warten, es soll selbst warnehmen, was es Wohl thun könnte. Mauleite eö daher an, mit Aufmerksamkeit die Bedürfnisse aller zu verfolgen und ihnendurch eine stille und bescheidene Dienstfertigkeit zuvorzukommen. Diese Dienstfertig-keit war bisher ein Vorzug der deutschen Mädchenerziehung, sie scheint aber in neuererZeit durch nähere Bekanntschaft mit Französinnen und namentlich mit Engländerinnen,denen sie fast ganz fehlt, mehr und mehr in Abnahme zn kommen und doch ist siegerade ein so echt weiblicher Zug. Aus der gelegentlichen Theilnahme an denGeschäften des Hauswesens soll allmählig eine geregelte und selbständige werden.Die Mutter mache das junge Mädchen mit einzelnen Geschäften näher bekannt undgestatte ihm, dies oder jenes einmal selbst zu versuchen. Worauf es hier zunächstankommt, das ist die Uebcrwiudung aller Weichlichkeit. Das Mädchenmuß etwas kräftig anfassen, mutz auch das Unangenehme berühren lernen und sich voraller Ziererei hüten. Nur der Schmutz muß ihm abscheulich sein, aber alle Unan-nehmlichkeit, die von der Beseitigung desselben oder von der Besorgung des Hauswesensunzertrennlich ist, muß es zu überwinden wissen. Man zeige ihm, daß diese Selbst-überwindung nicht schwer, daß sie nothwendig und heilsam ist, und daß ein verständigerMensch sich in das Nothwendige füge. Damit im Zusammenhänge steht jene weichlicheFurcht vor gewißen Thieren z. B. Spinnen und Mäusen, die sich bei manchen Frauenbis zur Krankhaftigkeit steigert. Alles dies und ähnliches, wie die Scheu vor demAnblicke von Wunden, Geschwüren rc. ist frühe schon dem Mädchen abzngewöhnen,wenn es nicht später in wesentlichen Puncten des weiblichen Berufes ganz untüchtigwerden soll. Das Zweite, worauf Lei der Einführung in das Hauswesen geachtetwerden muß, ist die allmählige Feststellung gewißer kleiner Geschäfte, dieein für alle mal dem jungen Mädchen anvertraut und in die Tagesordnung ein-gereiht werden müßen. Den Tisch zu decken, den Staub von den Möbeln zu wischen,den Kanarienvogel zu füttern rc., das sind Dinge, die schon frühe einem Kinde über-lassen werden können, aber wenn sie einmal überlassen worden sind, auch mit ganzerKonsequenz gefordert werden müßen. Erweitert sich so allmählig der Kreis der häus-lichen Pflichten, die dem jungen Mädchen anvertraut werden, wird ihm nach und nachauch eine gewisse Disposition über die Vorräthe, den Ankauf und das Heransgebenderselben an die Köchin überlassen, wird es gelegentlich auch zum Waschen und Plättenfür kürzere Zeit herangezogcn und mit einzelnen Geschäften der Küche vertraut gemacht,so hat dasselbe am Ende dieser Periode sich in dem ganzen Bereiche des Hauswesens orientirtund mit allen Einzelheiten desselben bekannt gemacht und fühlt sich im Hause zu Hause.Das Gelingen dieser Aufgabe hängt wesentlich von dem Geschicke der Mutter ab, demjungen Mädchen eine angemessene Betheiligung zu gewähren. Viele Mütter versäumenihre Pflicht an diesem Puncte aus bloßer Bequemlichkeit und schieben dann zur Ent-schuldigung die oft gehörte Behauptung vor, es werde doch alles schlecht, was sienicht selbst besorgen. Aber diese Behauptung ist, wenn sie wahr ist, nur eine Anklagefür sie selbst, die sich die Mühe nicht nahmen, ihr Kind in die Häuslichkeit einzuführen,und die Versuche der Tochter zu beaufsichtigen. Solches Versäumnis ist aber, wieaus anderen Gründen, so besonders darum sehr zu beklagen, weil jene häuslichenBeschäftigungen einen tiefen und heilsamen Einfluß auf Geist und Gcmüth der jungenMädchen haben. Ohne Zweifel wird der Verstand derselben durch die mannigfachenWechselfälle und Vorkommnisse des häuslichen Lebens auf eine Weise geweckt, die dem-