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Mädchcnerzichung.
in der Familie sei, daß es daher nach Kräften dahin streben müße, der Erfüllungdieser letzten und tiefsten Pflicht immer mehr fähig zu werden. Ohne Zweifel stehtdie Mädchenschule dem Hanse näher, als die Knabenschule, denn während diese denKnaben für die Oeffentlichkeit, für die Welt, für das Leben im Staat, in der Ge-meinde rc. vorbereiten will, will jene das Mädchen mit dem vollen und klaren Bewußt-sein seines Berufes in das Haus zurückführen. Darum dürfen die Bestrebungen fürdie intellectuelle Bildung des Mädchens dieses niemals dem centralen Pflichtenkreiseseines Lebens ganz entfremden, und darum muß neben dem Unterrichte für diefortdauernde Beschäftigung in der Häuslichkeit die nöthige Zeit vor-handen sein. Leider wird diese dann auch noch häufig durch Musik- (besondersClavier-) Unterricht beschränkt. Ueber den Werth künstlerischer Bildung der Frauenist oben geredet worden. Eine ordentliche Schule wird durch den Unterricht im Gesängeund im Zeichnen dem Mädchen die elementaren Anschauungen und Fertigkeiten geben,welche dasselbe in das Verständnis ästhetischer Formen einführen können. Ein Weiteresanzustreben kann nur bei hervorragender Anlage für die Ausübung der Künste rathsamerscheinen. Um diese kennen zu lernen und zu wecken, niag der Unterricht einige Zeitfortgesetzt werden, spricht sich aber entschiedenes Talent nicht ans, so sollte man den-selben bald anfgeben und dem Mädchen nicht unverständiger Weise zumuthcn, sich gegendie eigene Neigung und mit so großen Opfern an Zeit Fertigkeiten anzneignen, diemuthmaßlich die Mittelmäßigkeit nicht überschreiten können und später vielleicht ganzvernachläßigt werden müßen. Wo keine Anlage ist, da ist in dem Zögling auch keinGefühl für eine Pflicht, diese Anlage ausznbilden; darum ist der musikalische Unter-richt in so vielen Fällen so unwirksam oder wohl gar in seinen Wirkungen schädlich.Es ist aber gerade für das Mädchen von der höchsten Wichtigkeit, demselben alles wases thne, auch das Kleine, das scheinbar Unbedeutendste, das Geringfügigste, unter demGesichtspnncte der Pflicht zu zeigen, da die Menge der kleinen Pflichten, ausdenen sich der weibliche Berns zusammensetzt, so leicht diesen Gesichtspunct aus denAugen rückt. Treue im Kleinen und im Kleinsten ist daher die allgemeine Regel,welche bei allen häuslichen Geschäften, zu denen das junge Mädchen herangezogen wird,festgehalten werden muß. Das Mädchen macht zuerst einen idealen Kursus der Häus-lichkeit an dem Spiele mit der Puppe durch. Auch in diesem, in welchem sich alleverschiedenen Geschäfte des Hauswesens, das Waschen, Nähen, Kochen rc. wiederholen,sollte die Mutter darauf halten, daß die Grundlage aller häuslichen Thätigkeit, Ord-nung und Sauberkeit, bei allem, was das Kind thne, beachtet werde. Gern gehendie Mädchen, wenn ihnen im eigenen Leben das Vorbild der Ordnung gegeben ist,darauf von selbst ein, auch in ihre spielende Beschäftigung mit der Puppe, mit derPuppenstube, mit der Küche rc. eine feste Zeiteintheilnng zu bringen. Zu dieser oderjener Zeit werde regelmäßig das Zimmer gereinigt, das Bette gemacht, gewaschen rc.Die Mutter weise das Kind oft und immer wieder darauf hin, daß die Freude diesesSpieles eben darin bestehe, das ganze kleine Hauswesen wohlgeordnet und durch Rein-lichkeit und Sorgfalt für jeden erfreulich zu erhalten. Man mag in diesem Stückedem jungen Mädchen, welches oft bis ins 14. und 15. Jahr an diesem Spiele Gefallenfindet, einen gewißen Luxus gestatten, und es reichlich mit allen den kleinen Einrich-tungen ausrüsten, welche das Detail einer solchen Puppenwirthschaft ausmacht. Aberman möge nicht meinen, daß diese Ausstattung mit allem erdenklichen Spielwerk ansich einen Nutzen habe, wenn nicht die Umgebung mit Rath und That auf die An-wendung desselben eingeht. Das Spiel würde überhaupt nicht lange fortgesetzt werden,wenn nicht das reale Leben der Häuslichkeit das junge Mädchen mit immer neuemReize anzöge und ihm einen thätigen Antheil gewährte. Dieser Antheil werde vonder Mutter allmählig gesteigert, überall aber dazu benutzt, das Pflichtgefühl zu kräftigenund die Gewohnheit zu befestigen, alles mit gleicher Liebe und gleicher Treue zu voll-bringen. Die gelegentlichen Aufträge, dies oder jenes zu holen, fortzutragen, auszu-