Mädchencrziehung.
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Vorbereitung auf denselben, Lehre und Uebung in das rechte Verhältnis zu einandergesetzt seien. Und bringen wir neben diesen Voraussetzungen die Frische des Geistesund Körpers und die Freudigkeit des Willens in Anschlag, welche bei einer solchenAnwendung der Zeit von dem jungen Mädchen nothwendig erwartet werden darf, soist es mehr als wahrscheinlich, daß in jener kürzcrn Zeit dasselbe oder mehr als dassich erreichen lasse, was bei unserer Zeiteintheilung, bei 30—32 wöchentlichen Lehr-stunden in der Schule, 2—6 Privatstunden und 12—13 oder Wohl gar noch mehrStunden für die häuslichen Schularbeiten, wirklich erreicht wird. Drei Puncte sindes vornehmlich, welche uns darauf aufmerksam machen tonnen, daß die Zeit, welcheunsere jungen Mädchen ihrer isttellectucllen Entwicklung widmen müßen, eine übermäßiggroße sei: 1) die immer mehr überhand nehmende Kränklichkeit und Schwäch-lichkeit der jungen Mädchen, welche nach der Erfahrung aller Schulen auf den unternStufen immer geringer ist, als auf den obcrn, und welche gerade auf den obern Stufendurch stete Unterbrechungen alle Zwecke des Unterrichts illusorisch macht; 2) der imganzen dürftige Standpunct der intellectuellen Bildung, welchen trotzso vieler auf dieselbe gewendeten Zeit und Mühe das weibliche Geschlecht, selbst inden höheren Ständen, in Deutschland einnimmt und 3) die Störung des häus-lichen Lebens, welche dnrch diese Ueberladung der jungen Mädchen mit Lehrstundenund Arbeiten dieser Art entsteht und welche das gemüthvolle und ruhige Zusammen-leben der Familicnglieder fast ganz aufhebt. Wie tief die geringe Berücksichtigungdieser schwer zu leugnenden Wahrheiten mit den tiefsten Schäden unseres nationalenLebens zusammenhängt, worauf mit gutem Rechte Waitz (a. a. O.) deutet, wird keinementgehen können, der von der Bedeutung des weiblichen und des häuslichen Lebensfür die Entwicklung eines Volkes eine Ahnung hat. Aber das Verständnis für dieseDinge ist ein so seltenes, daß sogar viele Eltern dem ganz verkehrten Grundsätze hul-digen, ein Mädchen müße, so lange sie die Schule besucht, von allen häuslichen Ge-schäften befreit werden. Gerade dies ist das Falsche. Das Mädchen soll vonfrühester Ingend an das Haus und die Sorge für dasselbe als seine Heimat undseine Lebensaufgabe erkennen, es soll niemals aufhören, für dasselbe thätig zu sein unddieser Thätigkeit niemals entwöhnt werden. Es giebt für das Weib keine Lage und keineZeit des Lebens, in welcher es irgend einem höheren Zwecke die Forderungen derHäuslichkeit hintansetzen oder vergessen dürfte, daß es durch jene tausendfältigenKleinigkeiten des persönlichen Dienens eine große, allen heilsame Pflicht erfülle. Isteinmal dem jungen Mädchen bis zum 15. oder 16. Jahre die häusliche Pflichtals solche ganz erlassen oder ganz fremd geblieben, so ist sehr dieFrage, ob sie zu derselben noch einmal die rechte Freudigkeit und für dieErfüllung derselben das rechte Geschick von der Schulbank heimbringenwerde. Nur zu oft sehen wir das Gegentheil und nur zu oft schließt sich an jenebloß geistige Beschäftigung der jungen Mädchen allmählig ein Widerwillen gegen deneigentlich weiblichen Beruf an, den keine Zeit vollkommen überwindet. Es versteht sichvon selbst, daß dem Unterrichte seine volle Beachtung, der geistigen Bildung ihre über-wiegende Wichtigkeit für das menschliche Leben eingeräumt werden muß; aber die Be-deutung der Bildung für das Weib und für das häusliche Leben wird überhaupt nichtdarin offenbar, daß ein großer Theil der Zeit auf die Beschäftigung mit rein geistigenObjecten verwendet wird, sondern darin, daß die gebildete Intelligenz und das geläutertesittliche Gefühl alle häuslichen Thätigkeitcn und Zustände durch drin ge. Auch dasMädchen wird in dem Alter, von Welchem hier die Rede ist, das Bewußtsein habenmüßen, daß es die Schule sei, für welche es jetzt vornehmlich zu leben habe, dennhier tritt ihm ein bestimmter Pflichtenkrcis entgegen, der ganz und gar auf seine Per-sönlichkeit gerichtet ist, während alles, was das Haus von ihm fordert, mehr denCharakter der Zufälligkeit trägt; aber es soll auch in diesem allem schon wissen, daßder eigentliche Pflichtenkreis, für den auch die Schule es nur vorbilden will, das Leben