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Mädchcnerziehung.
Wichtigkeit, das kleine Mädchen daran zu gewöhnen, daß es für sich allein spiele.Man reiche ihm die nöthigen ungefährlichen Beschäftignngsmittcl, und zwar jeden Tagziemlich dieselben wieder, und überlasse eS an einem sichern Ort, womöglich in dieMitte eines größeren Zimmers gesetzt, sich selbst. Kann man aus der Nähe das Kindbeaufsichtigen, so ist cs schon jetzt rathsam, es öfters im Zimmer allein zu lassen.Ein so gewöhntes Kind wird sehr bald mehrere Stunden hinter einander in ungetrübterHeiterkeit fortspielen, und wird diese Gewohnheit der stillen Selbstbeschäftigung nichtdurch spätere Fehler der Erziehung wieder zerstört, so ist der Grund zu vielem gutengelegt. Das unablässige Schwatzen mit den Kindern, das stete Nmhertragcn derselben,die heftigen Bewegungen, zu denen die Kinder nur zu oft veranlaßt werden, sind nichtnur der körperlichen Entwicklung schädlich, sie versetzen auch das Gcmüth in eine Auf-regung, die nur zu bald eine habituelle wird. So viel ist gewiß, daß Wenn nichtjene wichtige Periode der ersten Kindheit, in welcher die Macht des instinctiven undsympathischen Triebes den Absichten der Erziehung so willig cntgegenkommt, dazubenutzt wird, die Neigung zum Gehorsam und die Gewöhnung an eine feste Lebens-ordnnng zu begründen, der weiteren Entwicklung ein Fundament geraubt wird, dasschwerlich auf andere Weise ganz zu ersetzen ist. Auch die Art, wie wir den Kindernin jenen ersten Jahren unsere Liebe beweisen, sollte, namentlich dem weiblichenGeschlechte gegenüber, eine vorsichtigere sein, als sie es gewöhnlich ist. EigentlicheLiebkosungen sollten weder häufig noch allzu lebhaft geschehen, und sollten nur dennächsten Verwandten gestattet sein. Werden die Kinder mit äußerlichen Liebkosungenabgespeist, so werden sie selbst sehr bald mit dergleichen auch uns abspeisen, beherrschtaber eine übertriebene Zärtlichkeit den Umgang mit ihnen, so wird Weichlichkeit nndSentimentalität in ihr Herz gepflanzt; in beiden Fällen wird ihnen das Wesen derLiebe verflacht und verdunkelt. Diese sollte ihnen durch gleichmäßige Freundlichkeit,durch ein thätigeS Wohlwollen und durch solche Liebkosungen bewiesen werden, welchealle Schwächlichkeit und Gereiztheit ausschließend, dem Kinde für Zeichen der Zufrie-denheit nnd Billigung gelten können. Das Sprechenlcrnen der Kinder und insbesondereder kleinen Mädchen sollte von vorn herein gewissenhafter befördert werden, als es sooft geschieht. Das leichtfertige Spiel, welches mit der durch das Wort an den Tagtretenden Seele getrieben wird, indem man sprachliche Unrichtigkeiten übersieht oderWohl begünstigt, und dem inhaltlosen Geschwätz eine Aufmerksamkeit schenkt, die esnicht verdient, rächt sich gerade bei dem Mädchen nur zu oft durch die Unfähigkeit, sichsprachliche Correctheit anzueignen und der losen Zunge sittliche Schranken zu setzen.Kinder sprechen viel mit sich selbst und mit den Dingen und Personen ihrer Umgebung,theils weil sie sich der erlangten Fertigkeit erfreuen, theilS weil ihre Phantasie allesum sie her belebt; es ist daher wichtig, daß diesem leichten Gezwitscher keine größereBedeutung beigelegt werde, als es hat. Der Knabe und der Jüngling lernt dieSchwere und die Schärfe des Wortes durch tausendfältige Uebung nnd Betrachtung,der Mann durch das Leben kennen; das Mädchen aber, dessen Rede nicht so geschultwird und darum unreflectirter und leichter dahinfließt, muß um so mehr schon alsKind in sprachliche Zucht genommen und gegen jede Frivolität im Mißbrauch derSprache gehütet werden. Die vorsichtigere Maxime in der Behandlung des weib-lichen Geschlechts wird eben in dieser Zeit nach allen Richtungen hin sich in der größe-ren Sorgfalt und in der besonderen Gewissenhaftigkeit kundgebcn, mit welcher allePflichten gegen das Kind überhaupt ins Auge gefaßt werden. Auch in der nächstenPeriode, welche die Entwicklung des Bewußtseins enthält, wird es sich größten-theils noch eben so verhalten. Hier ist die Wirkung ans das Gewissen nnd dieBelebung dieses ethischen Factors durch die Elemente der religiösen und sittlichenBildung die wesentliche Aufgabe. Die Grundlage für alle auf die Lösung derselbengerichtete Thätigkeit ist die Frömmigkeit der Eltern, insbesondere der Mutter, die demMädchen in allen Stücken nnd zu jeder Zeit so nahe steht. Das erwachende Bewußt-