Mädchcnerziehung.
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chen durch die Kleidung vom Knaben. Versuche, die gemacht worden sind, diesen Unter-schied durch übereinstimmende Kleidung zu verbergen, haben sehr widerwärtige Resultategezeigt. Das Mädchen ist schon von seiner Geburt an als solches theils durch denzarteren und leichter verletzbaren Organismus, theils durch frühzeitig sich knndgebcndeNeigung und Gemüthsart, ein anderes als der Knabe, und die Berücksichtigung seinerweiblichen Eigenthümlichkeit vom ersten Augenblicke seines Lebens an eine Pflicht derEltern. Diese Pflicht würde um so dringender werden, wenn die Bemerkung, welcheMadame Necker de Saussure in der Vorrede zu ihrem Werke 4,'scknoation proZi-ss-sivs on Mucks äu sours äs 1a vis macht, daß diejenigen Anlagen, welche über dieBildung des Charakters entscheiden, in dem Individuum auch zuerst hervortreten, sichdurch weitere Beobachtungen bewähren sollte; denn wie wesentlich gerade für das Weibdie richtige Entwicklung des Charakters von vorn herein ist, das ist im ersten Theiledieses Artikels näher begründet worden. Freilich ist die specielle Darstellung dessen,wie diese erziehliche Berücksichtigung der weiblichen Individualität in jener frühestenLebensperiode im einzelnen sich gestalten solle, darum besonders schwierig, weil geradedieser Periode das psychologisch-pädagogische Interesse im ganzen noch viel znj wenigzngewandt worden ist. Mehr als die von Schleiermacher aufgestellte Regel, daß beider Erziehung der männlichen Jugend die kühne, bei der der Weiblichen die vorsichtigeMaxime den Erzieher leiten solle, wird sich im allgemeinen schwerlich sagen lassen;doch fehlt es durchaus nicht ganz an speciellcn Zügen ans der Entwicklungsgeschichtedes Kindes, welche diese allgemeine Regel durch belehrende Beispiele und Winke prak-tisch machen. Namentlich hat Madame Necker de Saussure in ihrem oben genanntenWerke-— und es bildet dies einen der größten Vorzüge dieses Buches, weil gerade andiesem Punctc die weibliche Erfahrung so wichtig ist, — in Capitel 2 (Geburt und dieersten Monate), 3 (Anlagen, die im ersten Jahre cnltivirt werden müßen), 4 (Anfangdes zweiten Jahres) und 5 (weitere Folgerungen) eine Reihe der feinsten und treffend-sten Bemerkungen über die erziehliche Behandlung dieser Zeit gegeben. Was hiererwähnt wird, bezieht sich zwar auf das Kind überhaupt, aber es lassen sich mancheVorschriften für die Berücksichtigung der weiblichen Natur daraus sehr wohl ableiten.Wenn die Verfasserin z. B., nachdem sie in Capit. 2 das allmählige Hervortreten derpsychischen Erscheinungen beschrieben und namentlich das frühe Ansdämmern des Be-wußtseins durch den Umstand bewiesen hat, daß das Kind, sobald auf sein Schreieneinigemal Befriedigung des zu Grunde liegenden Begehrens cingetreten sei, diesemSchreien sehr bald einen imperativen Charakter gebe, daran die wichtigen Folgerungenknüpft, daß Leidenschaft nicht durch Leidenschaft, sondern durch eine feste und ruhigeBehandlung zu überwinden sei, und daß der kindlichen Unstetigkeit nicht durch Dar-bietung von zu vielen und zu verschiedenartigen sinnlichen Eindrücken Vorschub gethanWerden dürfe (vgl. d. Art. Erste Kindheit S. 950 ff.); wenn dann weiter von ihr gefor-dert wird, daß Beruhigung der anfdämmernden Leidenschaft und Abwendung der die-selben hervorrufenden Anlässe zu den heiligsten Pflichten gegen das Kind gehöre, daßman den Kindern jene stille Heiterkeit erhalten soll, zu welcher sie so viele Neigunghaben, daß man sie mehr mit Sachen als mit Personen beschäftigen soll: so sinddies goldene Regeln, deren Berücksichtigung zwar jedem Kinde heilsam werden muß, dieaber dem weiblichen Geschlechte gegenüber mit besonderer Strenge und Gewissenhaftig-keit festgehalten werden sollten, weil demselben alle Leidenschaftlichkeit des Wesensüberhaupt ferner bleiben soll, als dem männlichen. Zu den wichtigsten Beförderungs-mitteln dieser Gemüthsruhe gehört eine feste Lebensordnung, welche allen Func-tionen des kindlichen Daseins gegeben werden muß, und von der bei dem weiblichenGeschlechte um so weniger abgewichen werden darf, je mehr alle Befriedigung und alleWirksamkeit desselben dereinst in der Gewöhnung an eine solche Lebensordnung und inder gewissenhaften Aufrechterhaltung derselben aufgehen soll. Gegen den Anfang deszweiten Jahres, Wo die spielende Thätigkeit des Kindes beginnt, ist es von besonderer