Mädchencrziehung.
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kein muß die religiöse Hebung als feste Lebensordnung schon vorfinden. Das Gebetder Mutter für das Kind wird so allmählig zu einem Gebete mit dem Kinde, dennda das menschliche Herz, also auch das kindliche, seinem Wesen nach religiös ist, soentfaltet sich in demselben überall, wo es in die Substanz des religiösen Lebens ein-getancht wird, ein gefühlsmäßiges Verständnis für dasselbe. Verhält es sich doch ebenso mit den Gefühlen des Kindes gegen die Eltern. Lange ehe das Kind darüber zureflectiren vermag, was Vater und Mutter ihm sind, blickt es schon mit Liebe undDank, Anhänglichkeit und Vertrauen auf dieselben hin. So soll sich auch das religiöseGefühl entfalten; es soll mit der ganzen Natur des Kindes schon zusammeuwachsen,ehe dieses noch von dem Wesen Gottes die ersten Begriffe erlangt hat. Wenn diesfür alle Kinder gilt, so gewinnt es nach dem, was oben über die religiöse Erziehungder Mädchen gesagt worden, für diese eine noch höhere Bedeutung. An der Hand desGlaubens soll das Mädchen von Anfang an, wo die Pforten des Bewußtseins sichihm öffnen, ins Leben geführt, an der Hand des Glaubens soll es durch dasselbegeführt werden. Identisch mit diesen ersten religiösen Einwirkungen ist die Erweckungdes Gewissens und von der Energie desselben ist jede Art sittlicher Entwicklung ab-hängig. Das Wesen des Gewissens ist das Gefühl einer höchsten, letzten, absolutenAuctorität. Aber in den Kindern ist das Gewissen, ebenso wie die Vernunft, zunächstnur als Anlage vorhanden und entbehrt der für den sittlichen Menschen nöthigenEnergie noch völlig. Darum sind Vater und Mutter sein Gewissen und ihnen kommtes zu, an sich selbst und an dem Kinde jene Energie des Gewissens zu offenbaren.Je mehr die Eltern dies thnn, desto mehr werden sie dem Kinde zunächst selbst dieabsolute Auctorität sein, weil ihre Forderungen mit dem zusammenfallen, was indunkler Tiefe das eigene Gewissen dem Kinde sagt, und je gewissenhafter Eltern sichzu Werkzeugen des göttlichen Willens machen, desto größer wird die Ehrfurcht desKindes vor ihnen dann auch bleiben. Ans dieser Betrachtung ergeben sich als dieersten und nothwendigsten sittlichen Forderungen an das Kind: die der Wahrheit unddes Gehorsams, jene, um die Ilebereinstimmung des Kindes mit seinem Gewissen,diese, um die Unterwerfung seines Willens unter die absolute Auctorität hervorzurufen.Da, wo das Selbstbewußtscin sich entfaltet, beginnt die eigentlich sittliche Erziehungim Unterschiede von der sittlichen Gewöhnung. Schon in dieser ersten Periode bis zumsechsten Lebensjahre mäßen die häuslichen Tugenden, welche das Weib dereinstschmücken sollen, begründet und geübt werden. Die feste Lebcnsordnung des Hausesund das Spiel müßen auf gleiche Weise dazu benutzt werden, diese Tugenden anzn-bauen. Wesentlich für das Gelingen dieser Absicht ist, daß die Mutter selbst zugleichmit dem früh erwachten Kinde anfstehe und es des Abends selbst zur rechten Zeit zuBette bringe. An diese ersten und letzten Tagesstunden knüpfen sich so viele Gelegen-heiten, an Ordnung und Reinlichkeit zu gewöhnen und auf das Gemüth zu wirken,daß eine rechtschaffene Mutter sich dieselben nicht entgehen lassen darf. Das Ankleidensollte, wo es irgend möglich ist, so lange von der Mutter besorgt und später beauf-sichtigt werden, bis das kleine Mädchen damit allein fertig zu werden'gelernt hat. Inden Kleidern wie in den Spielsachen muß darauf gesehen werden, daß das kleineMädchen seine Sachen sauber und rein halte, und daß cs dieselben nach dem Gebrauchestets selbst wieder an ihren bestimmten Platz trage. Schon vor dem sechsten Jahrekann dieses der Mutter kleine Hülfleistungen thun, kann etwas bestellen, holen, fort-tragen, ordnen oder suchen. Die Kinder thun dergleichen überhaupt gern, und fühlensich beglückt, wenn es ihnen gelingt, solche Aufträge zur Zufriedenheit auszuführen,besonders äußert sich die weibliche Natur oft schon früh in auffallender Weise durchfeine Beobachtung dessen, was die Mutter thut, und durch geschäftigen Eifer, es nach-zuthun. Im Umgänge mit kleineren Geschwistern, oder mit der Puppe, ist das kleineMädchen von 4—6 Jahren oft schon das kleine Hausmütterchen, welches alle Händevoll zu thun hat, um allen Bedürfnissen zu entsprechen. Die verständige Mutter wird