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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchencrzichung.

üche Bedienung. Uebcr die Befähigung des Weibes zur Privatlchrerin ist niemalsgestritten worden, desto mehr über die zur öffentlichen Lehrtätigkeit. Die Gegenwartnrtheilt im allgemeinen günstiger darüber, als dies früher geschah. An der intcllec-tnellen Befähigung wird niemand zweifeln wollen, aber die sittliche und physische unter-liegt manchem Bedenken, namentlich da, wo sehr gefüllte Massen eine Kraftanstrcngnngfordern, welche der Weiblichkeit leicht Eintrag thun und die Gesundheit untergrabenkann. Jedenfalls wird in der Mädchenschule das weibliche Element des erziehendenEinflusses nicht entbehrt werden können, und da die Ueberfüllung der Massen, besondersin der Mädchenschule, an sich schon ein Fehler ist, so kann ans derselben auch über dieTauglichkeit der Lehrerinnen kein entscheidender Schluß gezogen werden. Immerhinbleibt auch die öffentliche Lehrerin ihrem weiblichen Berufe noch treu, denn die Öf-fentlichkeit einer Schule besteht nur darin, daß diese aus öffentlichen Mitteln erhaltenwird, nicht darin, daß die Thätigkeit der Schule eine öffentliche wäre und nur solcheBerufsarten, die ein wirkliches Hinanstreten in die Sphäre der Öffentlichkeit in sichschließen, widerstreben der Weiblichkeit.

Es wird, nachdem das Princip der weiblichen Erziehung so ausführlich dargcstelltworden, nur noch weniger ergänzender Andeutungen über die praktische Ausfüh-rung der Aufgabe bedürfen, da die wesentlichsten Beziehungen, auf welche es an-kommen dürfte, bereits in Obigem ihre Erledigung gefunden haben. Zunächst drängtsich die Frage auf, wo in der Erziehung der Mädchen mit der Berücksichtigung desGeschlechtscharakters der Anfang gemacht werden solle. Die Frage ist der-jenigen verwandt, ob und in welcher Weise sich der Unterricht der Mädchen von demder Knaben unterscheidet. Die extremen Ansichten werden sich an die im Obigen charak-terisirte Verkennung oder Uebertreibung der Geschlechtsdifferenz anschließen. Werdenbeide Momente, das der Uebereinstimmung und das der Verschiedenheit der Geschlechterrecht erwogen, so wird daraus in Erziehung und Unterricht ein solches Verfahren her-vorgehen, welches die höchsten und allgemeinsten Zwecke der menschlichen Bestimmungunverwandt im Auge behält, dieselben jedoch immer wieder in Beziehung setzt zu derdurch das Geschlecht gegebenen Form, in der sie von dem Individuum sollen erstrebtwerden. Es wird daher in der Erziehung wie in dem Unterrichte viele Puncte geben,an denen überhaupt kein Unterschied in der Behandlung des Knaben und Mädchenshervortritt, aber es wird keinen Punct geben, an welchem sich dieser Unterschied nichtgelegentlich mit größter Entschiedenheit als ein nothwendig zu beachtender geltend machenkönnte; aus jenem folgt nicht, daß eine verschiedene Behandlung überhaupt nicht ver-nünftig sei, aus diesem nicht, daß sie in jedem Augenblicke eintreten müße. Dem sitt-lichen und pädagogischen Takte des Erziehers und Lehrers ist auch hier ein weites Feldeinzuränmen. Aber wenn es natürlich ist, daß die Berücksichtigung des Geschlechts indem Maße zunehmen muß, in welchem das Individuum der eigentlichen Geschlechts-differenz entgegenreift, so entsteht die Frage, ob eS nicht eine Zeit giebt, in welcher,weil in ihr der Geschlechtscharakter noch gar nicht ausgesprochen ist, auch die päda-gogische Behandlung der Mädchen und Knaben vollkommen zusammenfalle. Wir pfle-gen die Altersstufe der Kindheit als eine solche Zeit der geschlechtlichen Indifferenzzu bezeichnen, und es haben daher viele (z. B. Rousseau) die Ansicht aufgestellt, daßin dieser Zeit (etwa bis zum 7. Jahre) ein Unterschied in der Behandlung der Mäd-chen nicht eintreten dürfe. Fenelon ist anderer Meinung, denn er fordert die Rücksichtauf die Lesondern Zwecke der Mädchenerziehnng schon im zartesten Kindesalter. Under hat Recht. Wenn von einer Indifferenz des Geschlechtes im Kindesalter geredetwird, so wird offenbar an die Indifferenz für das Bewußtsein des Kindes selbstgedacht, aber es soll damit nicht gesagt werden, daß das nengeborne Kind weder einKnabe noch ein Mädchen sei. Im gesunden Gefühle für die schon in jenem ersten Le-bensalter gesetzte geschlechtliche Individualität und also für die Nothwendigkeit ihrerpädagogischen Berücksichtigung unterscheidet das Volk auch in jener Zeit schon das Mäd-