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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchcnerziehung.

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den und nun im Lichte des Glaubens unendlich schöner wiedererkannt hatte, was jenenabstracten Frauendienst hcrvorrief. Und so war es ja auch eine tiefere sittliche An-schauung vom weiblichen Leben, welche unfern Schiller bewog, die vollkommenere Erschei-nung des Menschen in der weiblichen Natur zu suchen. Gleichwohl muß auch gegendiese Anschauung protestirt werden. Dieser Cnltus des Weibes, den auch die zweiteclasfische Periode unserer Literatur gesehen hat und der dann in der romantischen Schulegelegentlich wieder bis zum Mariencnltus sich steigerte, ist, wie jeder andere, z. B. derdes Mittelalters, von einer poetischen Auffassung des Lebens ausgegangen. Schon da-durch wird er bedenklich, denn wenn die Poesie ihre volle Berechtigung innerhalb ge-wisser Grenzen hat, so darf sie doch nicht die leitenden Normen für das Leben aufstel-len wollen, aber noch bedenklicher wird er dadurch, daß die ganze Zeit, welcher dieserneue Cultns der Frauen angehörte, dem Christenthume viel ferner stand als jene Zeitdes Minnegesanges. Wäre es nicht eine unumstößliche ethische und religiöse Wahrheit,daß die sittliche Qualität des Menschengeschlechts eine und dieselbe ist, und daß keinesder beiden Geschlechter einen absoluten sittlichen Vorzug in Anspruch nehmen darf, wennnicht die Einheit der Gattung und mit ihr die Wahrheit der Offenbarung geleugnetWerden soll, so würde schon die Geschichte selbst den Beweis dafür liefern, wie unbe-rechtigt und verkehrt die Ansicht sei, daß das Weib sittlich höher steht als der Mann.Der hervorragende Einfluß der Frauen bezeichnet nicht die Perioden sittlicher Energieim Leben der Völker, und der überschwenglichen Huldigung der Frauen geht im großenund ganzen immer ein Verlust männlicher Würde und Tüchtigkeit zur Seite. Es giltauch von den Nationen, was von den Einzelnen gilt, daß dort die besten Frauen sind, wovon ihnen am wenigsten die Rede ist. Man kann jene Achtung vor dem Weibe, welchedurch die christliche Welt geht, durchaus würdigen und als einen der erfreulichsten Zügemoderner Cnltur betrachten, aber man wird sich die unzähligen Verirrungen in Lügeund Schein, in Eitelkeit und Oberflächlichkeit, in Sinnlichkeit und Roheit, die sich daranangeschlossen haben, nicht verbergen dürfen. Auf die volle Wahrheit der Sache zu drin-gen, thut um so mehr noth, als sich bereits eine stille Tradition von dem höhern sitt-lichen Werthe des Weibes aus jenen poetischen Erscheinungen des Frauencultns gebil-det hat. Achtet man auf die Zeichen der Zeih so ist cs nicht schwer zu bemerken, Wietief dieser Gedanke in vielen Frauen wurzelt. Ein seltsames, nicht ohne Geist geschrie-benes Büchlein von weiblicher Hand:Verheißung und Erfüllung" (Leipzig bei Hart-mann 1853) hat gezeigt, daß diese anspruchsvolle Selbstanschanung auch in deutschenFrauengcmüthern schon bis zu einer gewissen Theorie ausgebildet worden ist. Mitsolchen Theorien hängt dann auch die von Riehl bezeichnet« Erscheinung derUeber-weiblichkeit" zusammen, denn wenn einmal feststcht, daß die weibliche Natur als solchedie übergeordnete und höherstehende ist, so folgt von selbst, daß sie vor allen Dingenin ihrer Besonderheit gepflegt und daß die Weiblichkeit über die Menschlichkeit gesetztWerden muß, denn das wahrhaft Menschliche ist dann eben das Weibliche. Wenn in-dessen von allen solchen Ueberschwänglichkeiten immer gehofft werden kann, daß dasgesunde Leben des Volkes sie ans das rechte Maß der edlen Hochachtung vor der Würdedes WeibeS zurückführen werde, so ist dagegen jene andre Ansicht, welche den Unter-schied des Geschlechtscharakters auf die bloße Sphäre des eigentlichen Geschlechtslebensbeschränken und im übrigen das Weib völlig dem Manne gleichstellcn will, als einedurchaus gefährliche zu bezeichnen. Es wird an diesem Orte überflüssig sein, gegendie sogenannte Emancipation der Frauen ein Wort zu verlieren. Was unserer Zeit aneinigen Beispielen emancipirter Frauen zu sehen und zu lernen vcrstattet war, das hatdeutlich genug die ganze sittliche Roheit, ans welcher solche Bestrebungen stammen, auf-gedeckt und denselben zugleich den Stempel der Lächerlichkeit so gründlich aufgedrückt,daß diese Form derselben fürs erste als abgethan erachtet werden darf. Aber nicht diecrafsen Jrrthümer sind überhaupt die gefährlichen, sondern die abgeschwächten, die hal-ben. Von solcher Art sind die von Rob. König (Neber weibliche Erziehung von Hanna