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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehung.

diesen Forderungen muß das richtige Princip der weiblichen Bildung entsprechen. Wenndaher F. H. Ehr. Schwarz (Grundriß einer Theorie der Mädchenerziehnng") dieMütterlichkeit zum Princip der Mädchenerziehnng gemacht hat, so ist, falls dabeian die Pflichten einer wirklichen Mutter gedacht werden soll, diese Grundlage offenbarzu eng, weil'die Mutterliebe zwar die tiefste, wunderbarste und herrlichste Offenbarungdes weiblichen Lebens ist, aber nicht die einzige; zu unbestimmt ist sie aber, falls dieMütterlichkeit in jener Allgemeinheit der Anlage und des Begriffes gedacht wird, inwelcher sie sich als hülfreiches Dienen durch das ganze Wesen der Weiblichkeit hindurchzieht. Eben so leidet die Grundansicht A. Monods in seinen vorerwähnten Reden, diezu dem Besten gehören, was in neuerer Zeit über diesen Gegenstand geschriebenist, an dem Mangel einer abstracten und darum unbestimmten Allgemeinheit. Er-sieht die Aufgabe des Weibes darin, daß esLiebe in Demuth" üben soll. Aber solldas der Mann nicht? Gewiß soll er es, aber in der eigenthümlichen Lebensform desmännlichen Daseins. Nach bloßen Kategorien der Moral läßt sich die Aufgabe derGeschlechter nicht bestimmen, es muß immer der Factor der natürlichen Lebensformhinzugenommen werden, wenn der ethische Unterschied zur vollen Klarheit gebracht wer-den soll. Auch dem Manne ist kein höheres Gebot gegeben, als dasder Liebe in derDemuth," aber es sind andere Formen und Bedingungen, an welche sich für ihn dieErfüllung dieses Gebotes knüpft, als diejenigen, an welche das Weib gebunden ist.Alle diese Bedingungen weisen, wie gezeigt worden ist, das Weib in die heilige Stilledes Hauses und wird nur das Haus in der tiefen und universalen Bedeutung, die esfür die Menschheit hat, wird es zugleich in der ganzen ethischen Fülle und Innigkeit,welche das Christenthum dem Familienleben verliehen hat, aufgefaßt, so dürfte schwer-lich ein präciserer und umfassenderer Ausdruck für das Ganze der Mädchenerziehnnggefunden werden, als dieser, daß das Mädchen für das Haus gebildet wer-den solle. (Vgl. Palmer, Ev. Päd. 3. Ausl. S. 446.)

Von hier aus ergiebt sich sofort die Unrichtigkeit gewißer Bestrebungen und An-sichten auf diesem Gebiete, welche in ihrer Gesammtheit das Eigcnthümliche haben, daßsie die weibliche Begabung überschätzen, indem sie entweder den Unterschied derGe-schlechter in einer solchen Weise unnatürlich spannen, daß, im Gegensatz gegen die an-tike Anschauung, das Weib als die vollkommenere und reinere Erscheinung derMenschlichkeit angesehen wird, oder indem sie den Unterschied der Geschlechter aufdie äußerliche Sphäre des Geschlechtslebens beschränken, jede andere Ver-schiedenheit leugnen und darum auch die sittlichen Schranken, in welche das weiblicheLeben nach dem Zeugnis der Geschichte überall gestellt ist, nur durch die Macht desJrrthums in der Welt erklärlich finden. Beide Ansichten gehören dem modernen Gei-stesleben an, doch ist in Beziehung auf ihren ethischen Charakter ein wesentlicher Unter-schied zwischen ihnen. Jene Jdealisirung des Weibes, die namentlich in der von H. v.Veldekin eingeführten Minnepoesie ihren Ausdruck gefunden hat, stellt sich als eine ex-centrische Auffassung jener Idealität dar, welche die christliche Weltanschauung, wie überdas ganze Leben, so besonders über das Wesen der Weiblichkeit ausgegossen hatte. DerFrauencultus des Mittelalters steht, wie oft gezeigt worden ist, in innigster Beziehungzum Mariencultus. Wenn nun auch die Geschichte überall, wo eine solche Ueberschätzungdes Weibes stattgefunden, die innere Unnatur dieser Richtung deutlich genug offenbarthat, indem sie als die Kehrseite dieser hyperidealen Frauenverehrnng die crasse Sinn-lichkeit gezeigt hat, welche ein Reich der freien Liebe und eine souveraine Herrschaftder Frauen aufrichten möchte, um jedes anderen sittlichen Zwanges ledig zu werden,so darf doch nicht verkannt Werden, daß dieser überschwängliche Idealismus noch immereine Wurzel in der Idee hat und eine, wenn auch irrthümliche, Beziehung zur Wahr-heit in sich trägt. Es war doch eben das Geheimnisvolle, Ahnungsreiche und Unaus-sprechliche, das Herzgewinnende, Liebeathmende und an das Göttliche allzeit Erinnerndein dem Wesen des reinen, edlen Weibes, was germanische Innigkeit von jeher empfun-