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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehung.

Moore" rc.) mit Recht getadelten Vorschläge, die von Julie Burow und sogar vonder Verfasserin derPerle der Tage", Barbara H. Farquhar, dahin gemacht wordensind, daß (I. Burow) man die unverheiratheten Damen zu Uhrmachern, Graveurs/Wundärzten rc. bilden und (Farquhar) den Frauen als Hüterinnen des Familienwohleseine gründliche Kenntnis der Arzneiwissenschaft ins Leben mitgeben solle. In allensolchen wohlgemeinten, aber unreifen Vorschlägen steckt doch eben das Princip der Eman-cipationsidee, in dieser aber die Entfremdung des Weibes von seiner Bestimmung unddie Entsittlichung des ganzen Lebens. Denn der eigentliche Grundirrthum der Eman-cipationsidee besteht darin, daß der Unterschied der Geschlechter nur als ein leiblichergefaßt und der geistige Unterschied ganz geleugnet wird. Hiemit ist aber dem natür-lichen Unterschiede seine ideale Bedeutung genommen und das ganze Verhältnis derGeschlechter der freien geistigen und also der sittlichen Sphäre entzogen. Wenn dieAusübung gewißer Gewerbe bloß darum dem Weibe zugänglich gemacht werden dürfte,weil sie der schwächeren leiblichen Organisation desselben entsprechen, so würden sichsehr viele Aemter und Geschäfte Nachweisen lassen, die füglich von Mädchen und Frauenkönnten versorgt werden, und in der Wirklichkeit geschieht dies auch, öffentlich und imgeheimen gar nicht so selten. In Frankreich wird in unzähligen Fällen die eigentlicheBuchführung kaufmännischer Geschäfte von Frauen besorgt, in England sind umfassendeVersuche mit Glück gemacht worden, gewiße Berufsthätigkeiten der Männer durch weib-liche Kräfte ansführen zu lassen, und in Deutschland ist wenigstens beim Telegraphen-dicnst unlängst damit bereits begonnen worden. Es hat überhaupt wohl niemals daran ge-zweifelt werden können, daß es den Frauen durchaus nicht versagt sei, an den männ-lichen Berufsthätigkeiten gelegentlich einen selbstthätigen Antheil zu nehmen. Wittwengerathen oft genug in eine Lage, welche sie gradezu zwingt, sich vorübergehend oderauf längere Zeit solchen Thätigkeiten zu unterziehen, und die weibliche Thronfolge, wosie besteht, hat nicht immer das schlechtere Regiment hervorgerufen. Aber zwischen die-sen Ausnahmezuständen und zwischen einem solchen Zustande, in welchem die gleicheBetheiligung beider Geschlechter an den öffentlichen Thätigkeiten zur Regel gemachtwerden sollte, besteht ein tiefer sittlicher Unterschied. Jene Fälle sprechen die immerWieder einznschärfende Wahrheit aus, daß in letzter Instanz alle Geschlechtsdifferenzdurch die allgemein menschliche Anlage überwunden werde, aber wo diese Differenz be-harrlich und principiell ignorirt würde, da müßte die Verachtung und Herabwürdigungdes Weibes das nothwendige Resultat einer so abstracten Lebensansicht sein, wie La-zarus (a. a. O. S. 34. 59) von seinem Standpuncte aus wahr und treffend gezeigt hat.Das humane Interesse an dem weiblichen Leben culminirt in der Forderung, daß das-selbe in seiner Besonderheit, also in seiner Bestimmung für das Haus geschützt, aberdiese Bestimmung selbst in ihrer unendlichen Bedeutung für die Entwicklung der Mensch-heit anerkannt werde. Dieser Forderung scheint zwar zu widersprechen, daß gerade dasChristenthum zuerst es war, welches dem weiblichen Elemente in der Gemeinde, alsodoch immer in der Sphäre der Oeffentlichkeit, einen Beruf durch das Diakonissenamtaufschloß. Gestützt auf diese Erscheinungen der ersten Kirche hat man in unfern Tagenvielfach dem Weibe eine den kirchlichen Zwecken dienende Thätigkeit für das Allgemeinezu seinem Lesondern Lebcnsberufe gemacht und die Sache nicht selten so dargestellt, alsob eben die Kranken- und Armenpflege an sich eine weibliche Pflicht sei, der darumdurch Frauenvereine, Jungfrauenvereine, Nähvereine, Erziehungsvereine rc. im allge-meinen, durch Besuche der Armen und Kranken, durch seelsorgerische Gespräche mitihnen, durch Vorlesen aus der heiligen Schrift (Bibelfrauen in England) rc. im beson-dern entsprochen werden müße. Wie viel segensreiches durch solche Bemühungen ge-wirkt worden ist, bedarf keiner Erwähnung. Aber es kann der Mißbrauch und dieUnklarheit, die auch auf diesem Gebiete sich kundgeben, nicht übersehen werden. Wirhaben Frauen gesehen, welche durch aufopfernde Thätigkeit dieser Art einen gewißenRuhm erworben und ihre Zeit in den Hütten der Armen, in Gefängnissen und Kran-