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Mädchenerziehung.
in der Sphäre, in den Schranken des Hauses zn verharren. Alle Sittlich-keit des Weibes, sofern eben die besondere durch das Geschlecht bestimmte Form desSittlichen in Betracht gezogen werden soll, läßt sich znrückführen auf die Forderung derHäuslichkeit. Im Alterthnm wurde dieses Gesetz des Weibes besonders als Pietätgedacht, als Hingebung an die substantielle Einheit der Familie. In der Erhaltung undAnerkennung der Familienglieder, in der Sorge für sie, in der Heilighaltung der Ge-meinschaft mit ihnen wurde die höchste Pflicht des Weibes gesehen, und es ist von Be-deutung, daß diese sittliche Forderung an das Weib von Sophokles und Euripides nichtan der Gattin und Mutter, sondern an der Schwester zur Anschauung gebracht wird,weil dadurch die Nothwendigkeit jener Forderung über alle Interessen der individuellenNeigung erhoben wird. Aber weil die antike Lebensanschauung die sittliche Freiheit derFrauen nicht anerkennt, so erinnert jene Forderung der Pietät, die dem Weibe gestelltWar, auch mehr an den Druck und an die persönliche Rechtlosigkeit, welche die Frauenan das Familien-Jnteresse wies, als an einen inner» Vorzug und Reichthum der weib-lichen Natur. Dieser Vorzug konnte erst durch das Christenthum sichtbar werden, inwelchem auch alle Beziehungen des Familienlebens erst zu ihrer vollen Geltung gelangten.Wiese (über die Stellung der Frauen im Alterthum und in der christlichen Zeit S. 11)hebt mit Recht hervor, daß der geschichtliche Anfang des Christenthums die heiligeFamilie sei und bezeichnet die Wirkung des Christenthums auf die alte Welt treffendmit den Worten: Zwischen die Trümmer der verfallenden Staatswelt baute die christ-liche Familie ihre Hütten." Heiligung der Familienverhältnisse ist noch immer das erste,Womit die neuen Schöpfungen des Christenthums im Leben der Völker beginnen. Ja,man kann sagen, das Christenthum hat erst die eigentliche Bedeutung des Fami-lienlebens für die Menschheit offenbart und hat eben dadurch, daß es alle Beziehungender Familienglieder unter einander durch die ganze Innerlichkeit des christlichen Lebensvertiefte, reinigte und heiligte, dem äußern Staatsinteresse, dem in der alten Welt dasganze Leben unterworfen war, das Uebergewicht genommen und der Oeffentlichkeit und ihrenKräften gegenüber das Haus und mit ihm das Gemüth des Menschen in ihr volles Rechteingesetzt. Darin hat auch das seine Wahrheit, was über die Herrschaft des weiblichenPrincipes, welche durch das Christenthnm in die Welt gekommen ist, oft gesagt wird;denn die Erhebung des Weibes war eben die Bedingung für die Erhebung des Hauses.Aber eben darum hat das Christenthum die Schranken des Hauses, in welche schon dieNatur das Weib gestellt hatte, nicht aufgehoben, sondern sie um so fester aufgerichtet,je vollgenügender nnd reicher die Welt ist, die es dem Weibe innerhalb des christlichenHauses aufgeschlossen hat. Die antike Pflicht der Pietät, der nur die Bewahrung derFamilieneinheit oblag, ist im Christenthum unendlich erweitert und in Beziehung gesetztzu den höchsten Aufgaben der Menschheit. Es gilt für das Weib nicht weniger alsfür den Mann, das Reich Gottes zu bauen, und daß das Weib berufen ist, demselbenHerrn zu dienen, wie der Mann, das ist eben seine Freiheit und Erhebung. Aber wennalles Wirken für die ewigen Zwecke des Himmelreichs ein Dienen ist, insofern es EinHerr ist, durch dessen Kraft nnd zu dessen Ehre alles in diesem Reiche geschieht, so istdoch dieser Dienst, sofern er als Wirkung des Menschen auf den Menschen betrachtetwird, nothwendig wiederum an diesen Gegensatz des Herrschens und Dienens gebunden.Nothwendig, denn dg es sich bei der Darstellung und Durchführung der göttlichen Ge-danken in der Menschheit darum handelt, daß diesen Ideen als dem allgemeinen allesbesondere Leben unterworfen werde, so muß die Entwicklung der Menschheit gebundensein an die Energie einer zwiefachen Function, von denen die eine darauf gerichtet ist,die Idee zur allgemeinen, d. h. zur herrschenden zu machen, die andere darauf, sich ihrselbst als empfängliches Organ darzubieten, ihr zu dienen. Diese Functionen, die dasganze Leben der Menschen durchdringen und welche daher auch in jedem einzelnen wirk-sam Werden, sind auf principielle und habituelle Weise an den Gegensatz der Geschlechtergeknüpft, wie schon der psychologische Unterschied der vorherrschenden Spontaneität auf