Mädchenerziehung.
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bilden, nicht die trennenden, sondern die vereinigenden Potenzen cultiviren müße. Solldas Gefühl, der vorherrschend erregte Factor der weiblichen Seele, der aus derselbendem Erzieher und Lehrer schon immer willig entgegen kommt, zum religiösen G efühleerhoben werden, so ist eben nothwendig, daß dem Mädchen überall der Blick in dasgöttliche Walten aufgeschlossen, und in allen Gebieten des Lebens und Wissensdie religiösen Beziehungen zum Bewußtsein gebracht werden. Nicht daherin dem eigentlichen Religionsunterrichte, obwohl auch in diesem gewisse Unterschiede derBehandlung nöthig werden, auch nicht immer in einer extensiven Erweiterung desselben,ist die Bethätigung der Maxime, daß das Mädchen in der religiösen Lebensanschauungerhalten werden müße, zu suchen, vielmehr darich, daß bei allem, was das Mädchenlernt, der religiöse Gesichtspunkt in den Vordergrund gestellt und dieser, nicht auf ten-denziöse und einseitige Weise, sondern im Geiste echter Frömmigkeit festgehalten werde.Hier überall ist es nicht eine gefühlsmäßige, sentimentale und weichliche Darstellung,am wenigsten eine solche, die darauf ausgeht, gewaltsam die Empfindung zu erweckenund die Phantasie zu entzünden, welche irgend wie heilsam wirkt, sondern umgekehrtgerade eine einfache und klare Hervorhebung derjenigen Gesichtspunkte, welche die Wahr-heit des göttlichen Wortes in einem neuen Lichte wiedererkennen lassen. Alle Wissens-gebiete, und wir nehmen selbst das Rechnen davon nicht ganz aus, bieten eine Füllesolcher Beziehungen dar, die ein frommer Sinn, ohne die Wahrheit der Sache zu fäl-schen, in solchem Geiste aufzufassen und darzustcllcn weiß. Was oben von der Art derintellektuellen Bildung des Weibes gesagt worden ist, daß nämlich die allgemeinen Ge-setze, die Resultate der Wissenschaft, mit einem Wort, der ideale Inhalt des Wissensdem Weibe aufgeschlossen werden muß, tritt so in die innigste Uebereinstimmung mitder Aufgabe der religiösen Bildung, denn gerade an diesen idealen Inhalt knüpft sich amnatürlichsten die religiöse Betrachtung. Und wie mit dem Unterrichte, so verhält essich denn auch mit der Erziehung. Nicht die bloße Vermehrung der religiösen Uebungan sich ist es, welche hier das Beste thut, sondern ein tüchtiges Beispiel der Pflichttreue,die im Glauben wurzelt, und die Forderung, daß alles Thun unter dem höchsten Ge-sichtspunkte der heiligen Pflicht betrachtet und geübt werde. Wird so dem Geiste desMädchens im Denken und Leben ein heiliger Inhalt gegeben, und die religiöse Lebens-anschauung überall von vorn herein festgehalten, so wird das Gefühl sich dieses Inhaltesvon selbst bemächtigen und sich zum frommen Gemüthsleben verklären. Dadurch wirddenn das Weib der Mittelpunkt auch des christlichen Hauses und von ihm gerade gehtstill und unbemerkt recht eigentlich die religiöse Wirkung aus, die oben dem Hause derIdee nach zugeschrieben werden mußte. In dieser wichtigen und vollen Congruenz derweiblichen Bildung mit dem Wesen des Hauses wird auch das erst zur Wahrheit, wasvon den Frauen als den Erzieherinnen der Menschheit in unseren Tagen oftmit so hohen Worten gerühmt wird. Nur das fromme Weib kann diese ihre unendlichwichtige Wirksamkeit zu einer heilsamen machen. Je mehr aber die ungläubige Fraudurch die ihr anvertraute aber misverstandcne und misbrauchte Macht die stille Inner-lichkeit des Hauses und mit ihr die Keime der Frömmigkeit in ganzen Geschlechternzerstört, desto ernster haben wir uns anzuklagen, wenn wir der weiblichen Bildung nichtden hohen Ernst widmen, der ihr gebührt.
Alles, was über das Wesen des häuslichen und des öffentlichen Lebens und überden Parallelismus beider Lebensformen mit der Geschlechtsdifferenz gesagt worden ist,gewinnt aber für die Pädagogik eine besondere Wichtigkeit durch die sittliche Bedeu-tung, welche diesem Parallelismus als einer göttlichen Ordnung zukommt. Unter wel-chem Schema man sich jenen Gegensatz des substantiell gebundenen', centralen und em-pfindungsmäßigen Lebens innerhalb der Familie gegen das peripherische und bewußte,in der Allgemeinheit des Gedankens wurzelnde Leben der Oeffentlichkeit auch vorstellenmag: immer wird man sagen müßen, dem Weibe, welches eben für das Haus mitallen seinen geistigen und leiblichen Eigenthümlichkeiten geschaffen ist, sei es höchste Pflicht,