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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchcncrziehmig.

mit welcher sie sich in der weiblichen Natnr nnr selten oder nie kund giebt; aber daßsie in dem Manne eben nur momentan, in gewitzen Intervallen und auf gewitzenHöhcpuncten des Glaubens, Lei der Frau aber in ununterbrochener Stetigkeitsich äußert, daß sich die Richtung des Mannes auf das Göttliche viel dauernder in demSuchen nach Erkenntnis, in der Begründung der Wahrheit für die Ueberzeugung, indem Ringen mit dem Zweifel, also in der intellektuellen Ausgestaltung des religiösenTriebes darstellt, als in der Stetigkeit religiöser Empfindungen, darin offenbart sich einebenso unleugbarer als bedeutsamer Unterschied der Geschlechter. Von dem Manne, dermit der Negation des Glaubens beginnt, läßt sich immer noch eher erwarten, daß ermit dem Glauben enden werde, als von der Frau, die in ihrer Jugend das Herz an dieEitelkeit der Welt gehängt und die religiöse Empfindung in ihrer Seele nicht hat aufkommenlassen. Jenen kann die Wissenschaft, die Erfahrung und der Ernst des Lebens zurWahrheit zurückführen, die er nun mit doppelter Innigkeit als das schwer errungeneResultat seines Strebens umfaßt, aber diese wird, nachdem sie die Kraft ihrer Empfin-dung ans die vergänglichen Güter verschwendet hat, auch wenn sie die Nichtigkeit der-selben erkannt, schwerlich das so geartete Herz noch einmal von den unwürdigen Gegen-ständen ihrer Neigung losreißen und mit ganzer Wärme dem Göttlichen zuwenden können.Der polarische Gegensatz der Geschlechter läßt sich also in Beziehung auf die Form,in welcher das religiöse Leben in ihnen waltet, dahin präcisiren, daß es dem Weibeeignet, continuirlich und eben darum in jeder Lebcnsäußerung von vornhereinreligiös bestimmt zu sein, dem Manne dagegen, bei aller Versenkung in die Welt derObjecte auf die Erkenntnis und Darstellung des Göttlichen als auf den letzten de-finitivenZweck aller praktischen und theoretischen Wirksamkeit gerichtet zu sein. Daßdie heilige Flamme frommer Gesinnung am häuslichen Heerde niemals verlösche, istSache der Frau, daß das Licht der ewigen Wahrheit alle Institutionen des öffentlichenLebens durchleuchte, ist Aufgabe des Mannes. Wenn nun immer wieder darauf hin-gewiesen werden muß, daß es sich hier nur um einen relativen Gegensatz handelt, inso-fern ja auch dem Weibe im Hause selbst eine Fülle von religiösen Zwecken unmittelbargegeben und eine mittelbare Einwirkung auf die allgemeinen Verhältnisse von unberechen-barer Weite eröffnet ist, insofern auch des Mannes Wirken für die Zwecke des ReichesGottes nur insoweit gelingen kann, als er selbst sich innerlich zu einem lebendigen Bau-steine am Tempel Gottes machen läßt, so wird doch für die Erziehung und den Unter-richt beider Geschlechter durch jenen relativen Gegensatz ein Anhalt gegeben, der nichtübersehen werden darf. Nur muß man diesen Unterschied nicht so ausdrücken, daß dasMädchenvorzugsweise" religiös gebildet werden solle, denn die Religion ist allermenschlichen Bildung gleich wesentlich, sondern, entsprechend dem eben dargestcllten Gegen-sätze, so, daß das Mädchen in der Substanz des religiösen Lebens, d. h. von vorn-herein und continuirlich in der religiösen Ansch auung festgeh alten werdenmüße, während dem Knaben zugemuthet werden darf und soll, von der religiösen Be-trachtrmg der Dinge auf kürzere oder längere Zeit zuweilen abzusehen, die Dinge selbstin der ganzen Breite ihrer Lebensentwicklung zu verfolgen und das in ihnen waltendeGesetz der Erscheinung zu suchen, damit eben dieses Gesetz ihn dann um so gewißer zurAnerkennung des Göttlichen zurückführe. Denn was von der Philosophie gesagt wordenist, daß eine tiefere Bekanntschaft mit ihr den religiösen Sinn nähre, während eine ober-flächliche denselben tödte, das gilt eben von allem Wissen, ja es gilt von allen Objectenmenschlicher Thätigkeit, weil überall der Erscheinung ein Göttliches zu Grunde liegt.Für die praktische Betätigung dieser Maxime in der Erziehung und im Unterrichtewäre es indessen eine irrige Folgerung aus allem Obigen, wenn bei Mädchen wesentlichdahin gearbeitet würde, das religiöse Gefühl als solches, bei Knaben dagegendahin, den religiösen Gedanken als solchen einseitig zu Wecken. X. Schund aus Schwar-zenberg (in seiner philosophischen Pädagogik S. 291) stellt mit Recht den Grundsatzauf, daß man die Geschlechter nicht im Widerspruche, sondern im Gegensätze zu einander