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Mädchenerzichung.
sität, Weil die weibliche Natur ein näheres, unmittelbareres Verhältnis zu Gott hatund eben darum eine innigere und beharrlichere Gemeinschaft mit Gott eingehcn muß,als die männliche, wenn sie ihre Bestimmung erfüllen und sich selbst genügen soll; soist die sittliche Qualität des Weibes ohne Zweifel die höhere, denn sie steht dann Gottabsolut näher als der Mann. Nun sollte man zwar meinen, daß im letzteren Falle esgerade der Mann wäre, in dessen Erziehung der religiöse Factor betont werden müßte,da es ja darauf ankäme, seiner natürlichen Unfähigkeit und Schwachheit in dem wesent-lichsten Puncte der Bildung auf besondere Weise zu Hülfe zu kommen, daß hingegengerade in der weiblichen Erziehung in diesem Puncte weniger zu thun wäre, weil dieweibliche Natur selbst durch ihre größere Empfänglichkeit für das Göttliche und durchihre nähere Verwandtschaft mit demselben dem Einflüsse der Erziehung überall schonwilliger entgegen komme. Und doch wird der Forderung, daß die Bildung der Mädchenvorzugsweise eine religiöse sein soll, gerade diese letzte Begründung gegeben. Es wird(vgl. z. B. Carus, Psyche S. 258) darauf hingewiesen, daß das Weib, vermöge einesgewissen Vorwaltens des unbewußten Lebens fester und unwandelbarer an dem Gött-lichen haften bleibe, als der Mann, daß das regere und lebendigere Gefühlsleben derweiblichen Seele auf ein tieferes Walten des göttlichen Geistes in ihr weise rc. Dementsprechend werden dann auch oft solche Aussprüche gehört, daß ein Weib ohne Reli-gion ein Ungeheuer sei und alle Vorzüge seiner Natur einbüße, daß dagegen an demirreligiösen Mann noch immer mancherlei geschätzt werden kann, wie z. B. seine Gesetz-lichkeit, Pflichttreue, Ordnung u. s. w. Aber diese Behauptungen lassen sich bei nähererBetrachtung nicht halten. Der oft bemerkten Empfänglichkeit der Frauen für religiöseEindrücke steht gegenüber dieselbe Empfänglichkeit für Eindrücke anderer Art. Wenn dieKirchen vorzüglich von Frauen besucht werden, so bilden diese auch in den Theatern,Concerten und bei allem, was das Geräusch und der Wechsel des Lebens zu hören undzu sehen giebt, die entschiedene Mehrzahl. Die wahrhaft fromme Frau ist aber ebenso selten, als der wahrhaft fromme Mann. Tausende von Frauen stehen, was ihrreligiöses Leben betrifft, auf einem Standpuncte, der an Unsicherheit und Kraftlosigkeitdes Glaubens von dem zur Schau getragenen Jndifferentismus der Männer kaum über-troffen wird, ohne daß ihnen der Vorwurf hervorragender Pflichtvergessenheit immergemacht werden darf, oder daß sie sofort zu Ungeheuern gestempelt werden dürften.Wenn denn freilich die Wirksamkeit solcher Frauen doch des tieferen Segens entbehrt,so muß behauptet werden, daß das Wirken des irreligiösen Mannes nicht weniger diesesSegens ermangelt. Auch er reißt mit der einen Hand nieder, was er mit der anderndurch die legalen Tugenden seiner Handlungsweise erbaut. Es ist eben hier kein Unter-schied; in diesen tiefsten und fundamentalsten Beziehungen des Menschen zu Gott sindsie eben allzumal, Männer und Weiber, einander gleich. Nur die Form, in welcherdas religiöse Leben dem einen und dem anderen Geschlechte zugänglich ist und inne-wohnt, kann eine verschiedene sein. Aber gerade durch diese Verschiedenheit wirddie Berechtigung der Forderung, daß die Mädchenbildung vorzugsweise eine religiösesein müße, in gewißem Sinne begründet.
Blicken wir noch einmal auf die Parallele zurück, die zwischen dem Hause und demWeiblichen Leben auf der einen, zwischen der Oeffentlichkeit und dem männlichen Wirkenauf der andern Seite gezogen worden ist, so leuchtet ein, wie sehr der psychologischeCharakter der weiblichen Natur mit dem Wesen des häuslichen Lebens übereinstimmt.In beiden ist das Gemüth das Grundelement des ganzen Lebens. Die Glieder derFamilie werden am stärksten zusammengehalten durch das Gefühl und zwar durch dasauf dem Naturzusammenhange ruhende Gemeingesühl der Zusammengehörigkeit. Dahersteht das häusliche Leben unter dem Gesetze der Liebe, und es kann in der Familiekeine Thätigkeit, keine Wirkung des einen auf den anderen, nicht einmal eine Differenzder Familienglieder unter einander, gedacht werden, die das Moment der Liebe ganzausschließen dürfte. In dem öffentlichen Leben dagegen herrscht der Gedanke in seiner