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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehung.

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oder Wissenschaft andererseits. Sie ist durchaus nicht eine zufällig anfgehäufte Summefragmentarischer Kenntnisse, eben so wenig ist sie eine Erkenntnis der Principien desWissens, oder die geistige Beherrschung eines Wissensgebietes in der systematisch geord-neten Vollständigkeit seines Inhaltes und Umfanges; die allgemeine Bildung bestehtin der klaren Auffassung derjenigen leitenden Ideen und Gesetze, welchein den verschiedenen Wissensgebieten zur Erscheinung kommen. Freilich können dieseGesetze nicht anders erkannt werden, als so, daß sie an dem Concreten, Factischen undIndividuellen angcschaut werden; aber es genügt, aus der Menge des concreten Mate-rials nur diejenigen Erscheinungen hervorzuheben, an denen das betreffende Gesetz oderdie vorliegende Idee sich deutlich erkennen läßt. Von der Vollständigkeit des Inhalteskann abgesehen werden, ja es kann das concrete Material, an welchem ein allgemeinesGesetz anschaulich gemacht und znm Verständnis gebracht worden ist, in seinen Einzel-heiten dem Gedächtnisse später entschwinden; für die Intelligenz ist es entscheidend, daßdieses Gesetz erkannt ist, und daß mit der klaren Auffassung desselben das Interesseund Verständnis für eine Menge verwandter Erscheinungen gegeben ist. Wer aneiner Pflanze die wesentlichen Organe des Pflanzcnlebens einmal erkannt, wer an derGeschichte eines Staates die Gegcnbewegung der Parteien einmal mit Klarheit verfolgthat, der mag immerhin gelegentlich die factischen Einzelheiten, an denen er zu diesenAnschauungen gelangt ist, vergessen, für das Verständnis des Pflanzenlebens oder ge-schichtlicher Vorgänge hat er einen allgemeinen Maßstab gewonnen, der ihm nicht mehrentschwinden kann. Zur Auffassung dieser idealen Elemente der einzelnen Wissenschaftenist aber auch gerade die weibliche Natur in besonderem Grade befähigt, da die intellec-tuelle Potenz des Weibes weniger in der Form des logischen Denkens, als in einerinstinctiven Apperception der Dinge und ihrer Verhältnisse zu einander sich erweist.(Vergleiche was in dem ArtikelBildung" S. 661 und 662 über allseitige Bildunggesagt ist.)

Daß diese Seite und Form menschlicher Bildung aber die dem weiblichen Geschlechteeinzig eignende sei, darauf werden wir noch von einer andern Seite her mit Nothwen-digkeit gewiesen. Erwägen wir den physischen Unterschied der Geschlechter, so springtsofort der Umstand in die Augen, daß die Bildungspcriode des weiblichen Geschlech-tes gegen die des Mannes eine ungleich kürzere ist. Das Weib, physisch weit früherausgebildet als der Mann, hat in einem Alter, in welchem der Mann sich noch aufseinen Beruf vorbereitet, häufig schon eine Häuslichkeit zu verwalten und Kinder zuerziehen. Jene kurze Bildungsperiode, auf welche das weibliche Geschlecht von derNatur gewiesen ist, wird aber auch noch durch die gewaltsameren, das Blut- und Ner-venleben oft mächtig erschütternden organischen Prozesse des weiblichen Lebens gestörtund dadurch abgekürzt. Um so gewisser wird es Aufgabe sein, dem Mädchen die Re-sultate der Wissenschaft nahe zu bringen, ohne sie die langen Wege, ans welchen diesel-ben gewonnen Werden, gehen zu lassen. Und dahin drängt auch die Natur des mütter-lichen Berufes, der sich in jenen organischen Prozessen andeutet. Soll die Mutter dieErziehung der Kinder in einer solchen Weise leiten, daß schon in die zarten Seelen dieKeime der sittlichen und intellectuellen Bildung gesenkt werden, so muß eben in derMutter selbst der ideale Inhalt alles wissenswürdigen ein Leben gewonnen haben.An diesem Puncte laufen alle wesentlichen Richtungen des weiblichen Lebens zusammen.Auch was die Gattin dem Gatten entgegen bringen soll an geistiger Gewecktheit undFähigkeit, auf seine Bestrebungen einzugehen, ja sie zu ergänzen, ist eben dieses Inter-esse an den höheren Fragen des menschlichen Daseins überhaupt, dieses receptiveVerstehen, welches dem productiven Können entspricht, und, weit entfernt, die Liebe derGatten zu erkälten durch jene intellectuclle Gemeinschaft, auf Welche Vinet in seinemGutachten über die Töchterschule in Lausanne (Alex. Vinet über die AufgabeWeiblicher Bildung übersetzt rc. von vr. R. König S. 11) mit Recht einen so