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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchencrziehung.

Bildung keineswegs aus, sondern fordert dieselbe vielmehr, da das Hausselbst der Träger der nationalen Idee sein soll. Am wenigsten ist es zuläßig, dasWesen der Häuslichkeit auf die Haushaltungskuust zu beschränken, denn diese ist selbstohne Bildung nicht denkbar. Ist doch die ganze Haushaltung in der Familie auchnur der individualisirte Ausdruck für das Verhältnis, welches der Geist des Volkeszur Natur, theils in Abhängigkeit von derselben, theils in Beherrschung derselben ein-nimmt. Aber dieses Verhältnis unterliegt der Entwicklung, die das ganze Volk durch-macht. Die Entdeckungen der Naturwissenschaften, die Vortheile des freieren Handels-verkehrs, die Fortschritte der Gewerbsthätigkeit und der gesammten Industrie üben aufdas Haus einen fortdauernden und unermeßlichen Einstuß, den zu würdigen, in seinengefährlichen Wirkungen abzuwehren, in seinen heilsamen zu benutzen, nur eine gebildeteFrau vermag. So hat z. B. das Spinnen und Weben, worin die deutsche Hausfraulänger als ein Jahrtausend ihren Reichthum und ihren Ruhm fand, für unsere Zeitdrese'Bedeutung nicht mehr, seitdem die Handarbeit gegenüber der Fabrikindustrie zurVerschwendung geworden ist; und es ist keine Frage, daß mit dem Zurücktreten dieserwichtigsten und allgemeinsten weiblichen Beschäftigung das gesammte häusliche Wirkender Frauen in ein gewißes Schwanken gerathen ist. Amalie Marschner (Der Erziehungs-beruf der Frauen S. 89) hat sehr gut die sittliche Wirkung dargestellt, welche mitdem Spinnrocken dem deutschen Hause verloren gegangen ist. Aber so wahr dies ist,so bleibt es noch immer eine sehr rühmliche und wichtige Eigenschaft einer tüchtigenFrau, die Qualität des Gewebes, welches sie kaufen will, beurtheilen, reine Leinwandvon gemischten Fabrikaten unterscheiden und den Werth derselben richtig schätzen zukönnen. Selbst das Spinnen und Weben sollte ihr nicht so ganz fremd sein, dennwas im großen und ganzen gilt, gilt noch nicht für jeden spcciellen Fall. Es giebtnoch Localitäten, es giebt noch mancherlei Zustände, in denen namentlich das SpinnenWohl angebracht ist, denn eine gute Wirthin Weiß, daß auch der geringste Erwerb, derunter gewißen Umständen möglich ist, in sittlicher und ökonomischer Hinsicht einenunschätzbaren Werth hat gegenüber der Unthätigkeit und Trägheit, welche ohne jenenErwerb eintreten müßte. Ganz ähnliche Veränderungen sind eingetreten in der Artder Ernährung, in allen Puncten der leiblichen Diät, in der Beleuchtung, in der Aus-stattung unserer Zimmer und Häuser, in den Mitteln, die Reinlichkeit derselben aufrechtzu erhalten, und in vielen anderen Puncten. Und bei den außerordentlichen Fortschrit-ten der Naturwissenschaften in unserer Zeit bringt jeder Tag ans diesem Gebiete etwasneues. Wenn es in alle dem, ganz so, wie auf den allgemeinsten Lebensgebieten, einegewiße Berechtigung des Alten und eine solche des Neuen, wenn es hier, ganz so, wieim Staatshaushalte, einen Schein und eine Wahrheit des Calculs, wenn es in jedemeinzelnen Hause, wie in jedem einzelnen Staate, einen Unterschied giebt zwischen dem,was nothwendiges Bedürfnis und was Luxus, was hier, ob es auch viel koste, dochsparsam, und was, ob es auch billig sei, doch verschwenderisch Wäre, so ergiebt sich,daß eben zur rechten Führung des Haushaltes neben gewißen sittlichen Eigenschaftenauch eine intellectuelle Bildung nothwendig ist, die durchaus nicht zu gering veranschlagtwerden darf, wenn man den unermeßlichen, Einfluß erwägt, den die verständige Hand-habung dieser Dinge auf das Wohl und "Wehe ganzer Familien und ganzer Genera-tionen haben muß. Aber auch die Art und Eigenthümlichkeit intellectuellerBildung der Frauen wird durch die wohlverstandene Bedeutung des häuslichenLebens und durch den häuslichen Berns des Weibes gegeben. Denn wie harmonischeGesammtbildung aller Kräfte dem Weibe überhaupt entspricht, so fordert auch dasHaus, welches den Schatz der Volksbildung bewahren soll, von dem Weibe im Unter-schiede von dem Manne hauptsächlich eine allgemeine Bildung. Lazarus (Das Lebender Seele 1. Band S. 35 f.) hat den Unterschied der allgemeinen Bildung von der(männlichen) Berufsbildung sehr trefflich auseinander gesetzt und gezeigt, wie jene all-gemeine Bildung etwas ganz anderes sei, als Vielwisserei einerseits und Philosophie