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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehung.

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Hause bleibt, wie einst in Sparta, nichts weiter als eine beschränkte ökonomische Thä-tigkeit und die Erziehung der Kinder im eigentlichen Kindesalter, denn später übernimmtsie der Staat. Je mehr nun in einerZeit eine solche Ueberschätzung des öffent-lichen Lebens heroortritt, desto beschränkter und niedriger wird die Sphäre deshäuslichen Lebens gedacht. Und so identificiren auch in unseren Tagen die meistenvon denen, welche die Häuslichkeit zum Principe der Mädchenerziehnng machenwollen, die Häuslichkeit ohne weiteres mit der Haushaltungskunst. Sie dringenvor allem darauf, daß die Mädchen zu tüchtigen Wirtschafterinnen und allenfalls zuKinderpflegerinnen gebildet werden, und erwarten davon die Heilung des socialenNebels, an dem die Zeit leidet. Aber sie nehmen nicht war, wie sehr durch dieseganze Richtung das Haus seiner tieferen Bedeutung beraubt wird. Häusliches undöffentliches Leben sind gleichberechtigte Factoren im Leben desVolkesund müssen, jedes auf seine Weise, den ganzen Inhalt der nationalen Ent-wicklung zur Erscheinung bringen, das Haus in der Form des natürlich gebundenen,persönlich-gemüthlichen Verkehrs, die Oeffentlichkeit in der Form des gesetzlich bestimm-ten, allgemein-geistigen Lebens. Darum wird das häusliche Leben durch die Sittegetragen, denn diese ist nichts anderes, als der familienhafte und individuelle Ausdruckder Volkseigenthümlichkeit. Was aber zur Sitte werden soll, das muß aus den tiefstenLebensbedingungen, aus der Natur und der Geschichte eines Volkes hervorgegangensein, und alles, was von dieser Art ist, soll auch zur Sitte werden, und in dem Burg-frieden der Häuslichkeit sollen alle heiligsten Güter einer Nation recht geborgen werden,auch für den Fall, daß die Leidenschaften, die das öffentliche Leben oft bewegen, jeneGüter gelegentlich unsachten und verkennen. So dringen die religiösen und politischen,die künstlerischen und alle anderen Interessen des nationalen Lebens in das Haus underst dort ist die volle und rechte Häuslichkeit, wo diese Interessen in der ganzen Sittedes Hauses einen Ausdruck und eine Pflege gewonnen haben. In diesem Sinne istdann der paradoxe Satz W. H. Riehls (die Familie S. 61)daß das echte Fami-lienleben an sich schon eine Form des öffentlichen Lebens sei," zu verstehen, weil dasHaus zum Träger der Volksthümlichkeit geworden ist, und so erfüllt sich das WortI. I. Wagners, daß sich das Volk in seinen Familien selber anschaue. Blicken wirvon hier aus auf das Weib, welches die eigentliche Repräsentantin und die Trägerindes häuslichen Lebens ist, so ergeben sich daraus sehr wichtige Folgerungen für dasWesen der weiblichen Bildung. Denn zunächst soll dem Weibe kein nationaler odermenschlicher Vorzug vorenthalten werden, es soll Theil haben und Theil nehmen anallem, was einem Volke Gutes, Edles, Großes und Heiliges verliehen ist; denn es istdas Wesen des Hauses, daß es den ganzen Inhalt nationaler Entwicklung in seinerSitte abspiegele und bewahre; aber das Weib soll eben mit seiner Theilnahme in denSchranken der Sitte und des Hauses bleiben. Nur der Coefficient ist ein verschiedener,mit welchem die bewegenden Gedanken und Kräfte des Volkslebens in der Sphäre derHäuslichkeit und in der der Oeffentlichkeit erscheinen, an sich sind sie dieselben. Und dieGesundheit nationaler Entwicklung ist gerade an dieses Grundverhältnis gebunden.Findet sich die Betätigung eines Factors des nationalen Lebens vorzugsweise mir inder Oeffentlichkeit, in den Gotteshäusern, den Parlamenten, den Museen, den Clubbs,den Vereinen rc., dringt das Interesse dafür nicht in die Häuser und Familien, dasinnere Leben derselben gestaltend, so hat ein solcher Factor keine Wurzel im Volke.Mit Recht erwarten wir darum erst dann ein wahrhaft kirchliches Leben wiederkehrenzu sehen, wenn der häusliche Gottesdienst wieder hergestellt sein wird. Aber mit denpatriotischen, bürgerlichen, künstlerischen Interessen ist es dasselbe; sie wollen und sollenalle ihre tiefste Wurzel im Familienleben finden. Verhält es sich aber so, so muß auchdas Weib für diese Interessen Sinn, muß ein Verständnis derselben haben und für sieerwärmt sein. Der richtige Begriff der Häuslichkeit schließt daher die geistige

PSdag. EncyklopSdie. IV. Z2