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Mädchenerziehung.
der Person zur Person, alles ausschließen, was durch Belehrung oder praktische Maxi-men ein solches Verhältnis im voraus gestalten will. Mas so nach göttlicher Ordnungin der Unmittelbarkeit der Natur wurzelt, kann nur verdorben und zerstört werden,Wenn es zum Gegenstände absichtlicher Experimente gemacht wird. Und wo bleibendenn alle die Mädchen, die nicht heirathcn? Sollen sie wirklich angesehen werden alsWesen, die ihre Bestimmung verfehlt haben, als Wesen, in denen die Weiblichkeitnicht offenbar werden kann? Aber die Erfahrung lehrt es ja täglich, daß solcheWesen den segensreichsten Einfluß auf ihre Umgebung ausüben und daß sie diesoft thun in der weiblichsten Art. Die eigentlichen Wesensbestimmungen der Weib-lichkeit, die Häuslichkeit und die Mütterlichkeit sind keinem Weibe fremdund können auch ohne die Eingehung der Ehe von jedem Weibe geoffenbart undgeübt werden. Denn über der Natur und ihren Anlagen steht eben die ethischeBestimmung des Weibes, welcher die Natur nur dienen will, und wie so mancherHaushalt sein Bestehen hat in irgend einer wackeren Freundin des Hauses, so fängtauch die Mütterlichkeit nicht erst an, wenn das Weib geboren hat, sondern siewurzelt in dem ganzen Wesen des Weibes und geht mit ursprünglicher Energie weitüber die Schranken des natürlichen Lebens hinaus. Wenn die Geschichte so vieleMütter preiset, welche in den Herzen ihrer Söhne die Keime künftiger Heldengröße,Glaubensstärke und sittlicher Hoheit geweckt haben, so nennt sie neben den natürlichenMüttern auch geistige Mütter, die dasselbe gethan. Und wie wir ohne eine Monicakeinen Augustinus gehabt hätten, so hätten wir auch keines PH. I. Spener ohne seineTaufpathin, die Gräfin von Nappoltstein, und keines A. H. Franke ohne die ältereSchwester, welche Mutterstelle an ihm vertrat, uns erfreuen können. Warum endlichfällt es niemanden ein, den Mann für die Ehe zn erziehen, warum erscheint der Mann,der zur wirklichen Mannheit Leibes und der Seele herangereift ist, ench reif genug zurEhe, und jedes Bemühen, ihn für ein solches Verhältnis noch besonders vorzubereiten,geradezu lächerlich? Jsts nicht eben darum, weil wir nur zu sehr daran gewöhnt sind,das weibliche Leben an sich geringer anzuschlagen als das männliche, so daß wireben dem Weibe immer noch etwas lehren und mitgeben zu müßen glauben, che esein wirkliches Weib werden könne, weil wir uns das Weib gewißermaßen unfertigverstellen, und weil wir in der Ehe selbst den Mann nicht nur als das Haupt, daser ja nach dem Willen Gottes sein soll, sondern gleich als den ganzen Menschendenken, dem dann das Weib nur noch als ein Appendix nebenhergeht mit dem Auf-träge, gewisse Pflichten zu erfüllen, die es eben darum erlernen müße? An diesemganzen quantitativen Unterschiede des Geschlechtscharakters, der solchen Theorien znGrunde liegt, offenbart sich eben die heidnische Grundlage derselben, denn das Christen-thum kennt nur einen .qualitativen Unterschied, einen Unterschied der gleichberechtigtenGabe zwischen Mann und Weib.
Viel tiefer in der Wahrheit ist diejenige Ansicht gegründet, welche die Mädchen-erziehung vor allen Dingen auf die Häuslichkeit gerichtet wissen will. Wohl-verstanden enthält sie vielleicht die ganze Wahr heit der Sa che. Schleier-macher hat in dem belehrenden Aufsatze über die Gcschlechtsdifferenz (in der Psychologieaus Fr. Schleiermachers Nachlasse herausgegeben von George 1862 ) das eigentlicheVerhältnis zwischen Weib und Mann auf den Ausdruck gebracht, daß es im allgemei-nen dem zwischen Haus und Öffentlichkeit entspreche, und damit wird die Ansichtaller Völker und Zeiten auch am meisten übcreinstimmcn. Es kommt aber darauf an,wie dies Verhältnis zwischen dem häuslichen und öffentlichen Leben gefaßt wird undwelchen Inhalt man beiden Sphären vindicirt. Die gewöhnliche Ansicht ordnet daserstere dem zweiten in einer solchen Weise unter, daß das Haus, wie cs die logischeVoraussetzung der Stadt und des Staates ist, so auch seiner Dignität nach immerzurückstche nnd nur dazu diene, dem öffentlichen Leben die nöthigen Kräfte vorzubereitenund zu liefern. Aber bei diesem Staats begriffe kömmt es nicht zur Familie; dem