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Mädchcnerziehung.
die Pflicht stehen, daß der allen Frauen gemeinsame natürliche Beruf nicht durch einenandern besonder», auch nicht durch einen künstlerischen Beruf, absorbirt werden dürfe.Keine Leistung und Wäre sie die vollendetste, kann einem Weibe zur Entschuldigunggereichen dafür, daß sie ihren natürlichen Pflichtcnkreis vernachlässigt; und da ein solcherniemals wirklich fehlt, wo man ihn nur zu suchen weiß, so wird die Ausbildung allergeselligen und künstlerischen Talente Lei dem Weibe immer nur den Zweck haben dür-fen, dasselbe nur noch tüchtiger zu machen für seinen natürlichen Beruf. Alle dieseTalente eines Weibes sollen dazu dienen, das Familienleben zu verschönern, zu ver-geistigen und zu veredeln, aber nicht dazu, an den Stätten der Zerstreuung Triumpheder Bewunderung zu erstreben. Die Frage, ob demnach dem Weibe die berufsmäßigeAusübung der Kunst überhaupt zu versagen sei, soll damit keineswegs entschiedenwerden. Im allgemeinen wird sie freilich zu bejahen sein, und die Lebensstellungeiner Malerin, Schauspielerin, Sängerin oder Dichterin wird immer nur als Ausnahmevon der Regel betrachtet werden müßen, als eine Ausnahme, die ihre letzte ethischeRechtfertigung nur in der Anlage findet, der aber so viel bedenkliches anhaftet, daßein natürlich und gesund empfindendes Weib, wenn es die Wahl hat, dem Glanzekünstlerischer Berühmtheit immer das stille Glück der Häuslichkeit vorziehen wird. EineKünstlerin wirkt nur so lange wohlthuend, als sie das Wesen der Weiblichkeit nicht ver-letzt und schon darin spricht sich auf das bestimmteste die Ueberordnung des natürlichenBerufes über den künstlerischen aus. Aber mit dieser ganzen Frage haben wir es hiereigentlich nicht zu thun. Der Fall, daß ein Mädchen zur Künstlerin erzogen werdensoll, ist nur ein vereinzelter; im allgemeinen gilt es nicht, Sängerinnen, Tänzerinnen,Dichterinnen rc. zu bilden, sondern fromme, wackere und verständige Mädchen undFrauen. Da frägt sich, was diese einseitige Pflege der Talente Werth sei für diesenhöchsten Zweck, und es ergiebt sich aus dem Vorhergehenden sehr klar, daß dieselbeeiner sehr gefährlichen, bedenklichen und im Grunde das Weib erniedrigenden Richtungder Zeit angehört, die zuletzt bei dem nur zu oft vorhandenen Mangel wirklicherBefähigung für diese Dinge und bei der oberflächlichen Art, sie zu treiben, auch dadurchsich hart genug bestraft, daß sie das Weib in den Augen des ernsten und tüchtigenMannes mehr herabsetzt als erhebt, und daß sich nur zu häufig erfüllt, was E. M.Arndt (in seinen Briefen an Psychidion über weibliche Erziehung, im siebenten Briefe)mit treffenden Worten darüber sagt: „Aber! Aber! Dies, was die Lust des Hausesund des Mannes Freude sein sollte, wird häufiger seine Plage. Denn bei wie wenigendringt es gleich lebendigen Quellen aus dem innigsten Triebe des Gemüthes hervorund will sich als eigenstes Leben entfalten! Bei den meisten ist es nichts als einModespiel, das sie in eine Menge halber Anklänge und falscher Reize lockt und ihrHerz zu einem rathlos umlaufenden Rade von Eitelkeiten und Wünschen macht. Daich so viel gesehen habe und alle Tage sehe, was diese ganze Spielerei und Tändeleiin der Welt bedeutet, so sage ich grade heraus, daß ich lieber wollte, daß die wirkli-chen Talente in den Weibern unentwickelt liegen blieben, wenn dadurch die halbenTalente und ihre Aefferei und Ziererei aus der Welt verschwinden könnte. Denn einsaurer Ostwind im Aprillenmond ist dem Menschen nicht unfreundlicher und unerquick-licher, als ein solches Lügenaffenspiel mit Talenten, das sich gar wohl Kunst nennen läßt."
Wenn in dem einseitigen Streben, die Entwicklung der sogenannten Talente zurHauptsache der Mädchenerziehung zu machen, neben andern Verkehrtheiten sich auch dieAbsicht verbirgt, den Mädchen zu der natürlichen Anmuth noch besondre Reize der An-ziehung zu geben, welche ihnen den Schritt in die Ehe erleichtern und sie für die Eheselbst geschickter machen können, so tritt diese Absicht auch ohne jene Beziehung auf diePflege der Talente bei vielen als der leitende Grundgedanke auf, aus welchem sie diegesammte Erziehung der Mädchen betrachten. Es gab vor etwa 30—40 Jahren inDeutschland eine ganze Literatur solcher Schriften, in denen die Pflichten des Weibesals Braut und als Gattin breit getreten wurden, und in Frankreich ist in neuerer