Mädchenerzieljung.
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keilen so oft angestrebt wird, so wie die in unserer Zeit immer weiter um sich greifendeRichtung auf Virtuosität in denselben, deutet ziemlich bestimmt darauf hin, daß mandie Mädchen mit diesen Fertigkeiten schmücken will, damit sie eben durch diese Vorzügeglanzen, gefallen und fesseln mögen. Es soll auch keiner Mutter verdacht werden, wennsie ihrer Tochter einen braven und wackern Mann wünscht, verdenkt es doch DoctorLuther keinem Mädchen, daß es den lieben Gott um einen solchen bittet; wenn aberso viele Mütter und mit ihnen auch viele Väter es so ganz vergessen haben, daß esnoch etwas besseres giebt, was ein liebenswürdiges und verständiges Weib kennen undbesitzen soll, als diese Vorzüge, wenn so viele Eltern bei der Erziehung der Töchter sowenig nach dem wahren Glücke derselben und so viel nach dem Urtheile der Menschenfragen, wenn sie das, was die Muße erheitern und schmücken soll, zur Hauptsache desLebens machen: so beweisen sie dadurch nur, daß ihnen die würdige Ansicht von demWesen nnv der Aufgabe des Weibes fehlt. Diese ganze Richtung der weiblichen Er-ziehung, wo sie in der hier angedeuteten Einseitigkeit auftritt, ruht auf der Ansicht, daßdaS Weib vornehmlich gefallen, daß es durch äußere Vorzüge gefallen solle, daß es sichdort zur Geltung bringen müße, wo nicht der Ernst des Lebens, sondern das Bedürf-nis der Erholung die Menschen zusammenführt, daß das Weib also nicht zur Gefährtindes Mannes im vollen Sinne des Wortes, sondern nur zur heitern Genossin in seinenRuhestunden, zum anmuthigen Spielzeug seiner Laune dienen solle. — Wie herab-Würdigeud diese Ansicht für das weibliche Geschlecht ist, ebenso gefährlich ist diese ein-seitige Pflege der Talente für die Entwicklung edler Weiblichkeit. Denn wenn es beidiesen Dingen schon ihrer Natur nach doch wesentlich darauf ankommt, daß die Anlagender Mädchen zur Schau gestellt werden, da namentlich alle künstlerische Thätigkeit dochzuletzt ihre volle Befriedigung nur in der Wirkung auf andere findet, so wird geradedadurch die weibliche Natur ans das empfindlichste in ihrem Wesen gefährdet und ver-letzt. Dazu kommt noch etwas anderes. Mad. Guizot stellt in ihren von der Akademiegekrönten „I,ottro3 cko kfainitto sue IRänoation 2 Vol. 1847" die Regel auf, in demWeibe dürfe kein Talent so vorherrschen, daß dadurch die übrigen Kräfte und Neigungenganz absorbirt werden. Der Ausgangspunct für diesen Satz ist die durchaus richtigeVoraussetzung, daß der Reiz edler Weiblichkeit in der von dem Gcmüthe getragenen,harmonischen Gesammtbildnng aller geistigen Kräfte besteht. Wird diese Harmoniedurch irgend eine einseitig hervortretende Kraft zerstört, so wird eben mit dieser Schön-heit der Seele (s. d. Art. Geschlechter S. 829) auch die Weiblichkeit selbst aufgehoben.Auch werden nur zu leicht Interessen, z. B. die der Häuslichkeit, getödtet, ohne welcheein Weib nicht gedacht werden kann. Der Neigung des weiblichen Gemüthes zurllebertreibung und Leidenschaftlichkeit, die aus dem Borwalten des Gefühles und derPhantasie so leicht sich entwickelt, kommt nichts so sehr entgegen, als die Pflege derkünstlerischen und geselligen Talente, und es erwachsen auf diesem Boden die aller-traurigsten Entartungen des weiblichen Lebens. Man pflegt milder über die ästhetischverbildeten Frauen zu urthcilen, als über die gelehrten. Aber vielleicht mit Unrecht.Jene werden allerdings liebenswürdiger erscheinen, als diese, aber diese werden in denmeisten Fällen tüchtiger und ihrem wahren Berufe treuer bleiben als jene. DennWenngleich auch die gelehrte Frau sich in eine falsche Sphäre verirrt hat, so athmet siedoch die gesunde Luft des Gedankens und wird ebendadnrch zur nüchternen Auffassungchrer Pflichten immer wieder znrückgefnhrt und vor vielen Selbsttäuschungen bewahrt,denen die künstlerisch gerichtete in dem schwindelnden Idealismus ihres Strebens ver-fällt. Von der allgemeinen Regel, daß die Frau sich nicht in die Besonderheit irgendeines menschlichen Berufes begeben dürfe, darf auch zu Gunsten der Kunst keine Aus-nahme gemacht werden. Da nach dem Zeugnis der Geschichte alle Virtuosität derFrauen immer nur in der Technik liegt, und sie nirgends durch die Bedeutung derProduction in die Entwicklung der Kunst eingegriffen haben, so bleibt auch für diejeni-gen, welche durch entschiedene Begabung zur Pflege dieser Talente aufgefordert werden,