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Mädchcnerzichung.
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lichen Unterricht in seinen Schwächen anzugreifen, und diese, wo sie vorhanden, ans,Zu-decken, sondern man läßt sich die Vortheile desselben gefallen; aber man geht innerlichviel weiter, man zerstört die nnterrichtlichen und erziehlichen Zwecke durch geringschätzigesUnheil, durch Widerstand gegen jeden Ernst der Forderung, durch Verleugnung jedesbestimmten Principes für die Erziehung der Mädchen. Fenelon in seinem noch immersehr lesenswerthen Büchlein „Us I'öckuoatiou ckes llttos" beginnt mit der Klage überdiese Gewissenlosigkeit. „Nichts," sagt er, „wird mehr vernachläßigt, als die Erziehungder Mädchen. Gewohnheit und Laune der Mütter entscheidet in dieser Angelegenheitüber alles. Die Erziehung der Knaben gilt für eine der wichtigsten Angelegenheitendes öffentlichen Wohles, und wiewohl man in derselben nicht weniger Fehler macht, alsin der der Mädchen, so hegt man doch wenigstens die Ueberzengung, daß große Er-leuchtung dazu gehöre, um einen glücklichen Erfolg darin zu erzielen." — „Für dieMädchen dagegen, meint man, sei es genug, Wenn sie lernen, dereinst die Wirthschaftzu führen und ihren Männern zu gehorchen re." Daß dieses Urtheil noch heute inWeitem Umfange Geltung hat, bedarf keiner Versicherung. Noch immer giebt es viele,selbst in den gebildeten Ständen, welchen die Erziehung der Mädchen eine Sache ist,die sich von selber mache, und die eines ernsten Nachdenkens nicht Werth sei. Auchheute beruft man sich gern auf die naheliegende Bestimmung des Mädchens für diehäuslichen Geschäfte und für die Ehe, um jede weitere Serge abzuschneiden. Aber mitdiesem häuslichen Berufe selbst ist es dieser Gesinnung keineswegs Ernst, sonst würdeerkannt werden, daß eben diese Seiten des weiblichen Berufes eine sehr ernste Rücksichtauf die Erziehung der Mädchen fordern. Es ist eben die niedrige Ansicht von derweiblichen Natur überhaupt, die sich in diesem Urtheil geltend macht, und die es mitder Heranbildung der Mädchen zu Hausfrauen dann eben so leicht nimmt, wie mit derganzen Erziehung derselben; es ist die gemeine Denkungsart, die schon Nabencr injenem Briefe eines EdelmanneS bezeichnet hat, der den Professor um einen Hauslehrerbittet und in der Beschreibung seiner Familie sagt: „Das älteste Mädchen ist zwölfJahre. Sie soll noch ein bischen Katechisten lernen, und hernach will ich dem kleinenNickel einen Mann geben, der mag sehen, wie er mit ihr zurechte kommt."
Sehen wir ab von den rohen und niedrigen Erscheinungen dieser Art, so bietetdoch die Gegenwart weit verbreitete Richtungen dar, welche auf verwandten, wenn schonnicht so offen eingestandenen Anschauungen beruhen. Dahin gehört diejenige Erziehungder Mädchen, welche es hauptsächlich ans die Pflege der sogenannten Talente abge-sehen hat, zu denen dann in erster Linie die Musik (Klavierspiel, Gesang), ferner dasZeichnen, Malen, Tanzen, das Sprechen fremder Sprachen re. gerechnet wird. Manwird keins dieser Gebiete der weiblichen Bildung überhaupt verschließen wollen, janoch mehr, sie werden vielleicht alle für die höheren Stände als relativ nothwendigeangesehen werden mllßen und der hcrvortretendcn Anlage wird auch hier eine Berech-tigung einzuräumen sein. Auch giebt es dafür, daß die weibliche Bildung so oft vor-zugsweise in dieser Richtung gesucht wird, manchen ErklärungSgrund. Hanna Morein den von I>r. R. König übersetzten Abschnitten aus den „ossuz's on various subjoots"führt mit Recht an, daß gerade der Unterricht in diesen Gegenständen durch leicht be-merkbare Fortschritte etwas ermunterndes für alle Theile hat, daß dergleichen äußer-liche Vollkommenheiten schneller zu Stande kommen, und daß es in diesen Fertigkeitenmehr continuirlich vorwärts gehe, als dies, womit sie diesen Unterricht an jener Stellevergleicht, mit der sittlichen und religiösen Entwicklung, und wie wir hinzufügen können,mit dem eigentlich wissenschaftlichen Unterrichte der Fall ist. Immerhin mag also, dadoch die Menschen so oft ihr pädagogisches Urtheil auf das gründen, was in die Sinnefällt, auch der Umstand, daß diese Gegenstände des Unterrichts doch gewisse, einemjeden sichtbare und hörbare Resultate zu liefern pflegen, die Vorliebe für die Pflegederselben Hervorrufen; aber der tiefste und allgemeinste Grund dieser Vorliebe ist ernicht. Die Einseitigkeit und die Rastlosigkeit, mit welcher die Ausbildung dieser Fertig-