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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lykurg.

heit sich aneignen, wie sie wohl der Krieger in Feindesland nöthig hat. Mit Unrechthat man dieser Einrichtung den Vorwurf gemacht, daß sie ein unsittliches Mittel fürsittliche Zwecke verwende. Denn in Wahrheit ist der Begriff des Diebstahls dadurchaufgehoben, daß das Gesetz, welches hier die Sünde macht, für die vorgeschriebenenFälle suspendirt wurde.*) Kein Spartaner ist dadurch zu einem Diebe geworden, zueinem Näscher auch nicht, weil die Erlaubnis des Stehlens sich auf bestimmte einfacheLebensmittel beschränkte. Wir kennen nicht alle Vorschriften, welche die Lebensweise derJugend regelten. Wie sehr sie aber ins einzelne gierigen, läßt sich daraus erkennen,daß cs z. B. verboten war, während der Dunkelheit auf irgend einen Gang ein Lichtmitznnehmen. Am weitesten ins Extrem gegenüber der Weichlichkeit anderer Völkerverlor sich die spartanische Erziehung, indem sie den Körper systematisch an Ertragunggroßer Schmerzen zu gewöhnen suchte und dazu eine allgemeine Geißelung (öicezt-esrlywars)der Knaben am Feste der Artemis Orthia benutzte. Sie dauerte den ganzen Tag;Wer am längsten aushielt, ohne das geringste Zeichen von Schmerz blicken zu lassen,erhielt als Bomonikas einen Preis. Bekanntlich gaben manche unter den Schlägenihren Geist auf, ohne vorher eine Miene verzogen zu haben.

Den größten Theil des Tages verbrachte die spartanische Jugend in den Gymnasienmit körperlichen Nebungeu. Diese waren für die verschiedenen Altersclassen in ver-schiedenen Abstufungen geregelt. Mit Recht betrachtete man auch die leibliche Ausbildungals ein allmählig zu entwickelndes Ganzes. Erst mit der Vollendung des Wachsthumssollte das Ziel erreicht sein, darum schonte man die Kräfte in früheren Jahren undwar des letzten Erfolges um so sicherer. Im eigentlichen Turnen übte man insbe-sondere das Laufen, Springen, Ringen, Diskos und Speerwerfen; sorgfältig mied manalles, was über das Blaß hinauszugehen und nur einem Virtuosenthum zuzustrebenschien, und schloß daher den Faustkampf und das Pankration ganz aus. Man wollteKrieger, nicht Athleten bilden; jener wirkt als Glied eines Ganzen von seinemPlatze aus, dieser gibt seiner Person eine selbständige Bedeutung. In Spartawirkten daher immer viele zusammen; auf militärische Ordnung, Zucht und Gliederunghielt man strenge. Die Waffenübungen waren daher ebenfalls nur nach demwirklichen Gebrauch im Kriege abgemessen und sollten zur taktischen Bildung desEinzelnen dienen. Dagegen ließ man die Hoplomachie, welche seit dem peloponnesischenKriege im übrigen Hellas anfkam, in Sparta nicht zu. Alle diese Uebungen warendie Hauptfreude der spartanischen Jugend, die ja andere Genüsse gar nicht kennenlernte. Eben deshalb trieb man sie aber auch mit einer gewissen Fröhlichkeit. Siewurden zu mannigfachen Spielen verbunden, in welchen Gewandtheit und Kraftzur Anwendung kam. Die älteren Spartaner erkannten darin eine Hauptaufgabe, dieTurnspiele der Jugend zu ordnen, zu leiten und zu beleben; in den gymnastischenSpielen prodncirten sie sich auch öffentlich. Besonders beliebt waren die Ballspiele**)in vielfacher Abwechslung, auch mit Tanz verbunden. Für die Erwachsenen war dasedelste Vergnügen das sog. Kriegsspiel, welches auf der Insel Platanistas bei Spartavorgenommen wurde, und dann die Jagd, die man auch als Vorspiel des Krieges an-sah. Dem Spartaner war aber dafür war er Hellene auch der Sinn für an-muthige Schönheit, ein künstlerisches Bedürfnis, eingeboren. Dies erhielt in denTänzen Befriedigung, welche mit Mimik verbunden wurden. Die Bewegungen ver-anschaulichten einen Gedanken; der Leib diente der Seele unmittelbar zum Ausdruckinnerer Bewegungen. Darin liegt zugleich der pädagogische Werth der Tanzkunst.

Das Gesetz selbst kann natürlich unsittlich genannt werden, insofern es das Eigenthumder Periöken oder Heloten auzntasten erlaubte. Doch sind wir zu wenig darüber unterrichtet,um ein solches Urtheil mit Grund fällen zu können.

**) Eine Classe der klpei'xx, welche dem Mannesalter am nächsten stand, führte daher denNamen SPvnykks.