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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lykurg.

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Erziehung zur freien männlichen Gesinnung schienen sie den Spartanern unentbehrlich.Sie werden daher bei den verschiedensten kleinen und großen Vergehen angewandt, aberin sehr verschiedenen Abstufungen. Sämmtliche Erzieher hatten eine unbedingte Straf-gewalt, von dem Paidonomos bis herab auf die hülfeleistendcn Aufseher aus der Zahlder Jünglinge, und natürlich sämmtliche Bürger. Diese vollzogen jedoch die Strafenicht selbst, sondern ließen sie durch eigens dazu bestimmte Jünglinge, welche mit Peit-schen stets gegenwärtig waren und hießen, sofort nachdem das Vergehen

vorgekommeu war, vollziehen. Beschwerden über die erhaltene Strafe waren nicht ge-stattet, und wenn etwa ein Knabe sich bei seinem Vater beklagte, weil ein andererBürger ihn zu hart behandelt habe, erhielt er sicherlich noch eine tüchtige TrachtSchläge. Nie erlaubten sich auch die älteren Bürger über einen der vorturnendenJünglinge, der e-hkvkx, einen Tadel in Gegenwart der Knaben auszusprechen, falls der-selbe im Strafen zu weit gegangen war. Auch dieses geschah nur im geheimen, damitdie Auctorität des Jünglings nicht leide. So wurde der Strafe in jeder Weise ihrevolle Wirkungskraft gewahrt.

Wir unterscheiden die sittliche, leibliche oder gymnastische und intcllectuelle Bildung.Freilich gehören auch in der spartanischen Erziehung diese drei wesentlich zusammenund haben gemeinschaftlich in innerer Verbindung unter einander stehend das oben be-zeichnte Bildungsideal zu verwirklichen, das seine Principien der Politik entlehnt. Ammeisten wird die sittliche Bildung durch die politische Bedeutung dieser Erziehungbestimmt. Ihr liegen großartige Gedanken und beachtenswerthe Wahrheiten zu Grunde;aber freilich, wenn man den Maßstab reiner Sittlichkeit an die spartanischen Tu-genden legt, so werden auch sie nach dem scharfen, ccker wahren Ausspruch des Augustinuszu glänzenden Lastern sich Umsetzern Mit Recht sah man die Grundlage bürgerlicherSittlichkeit in der Bildung eines männlich festen Willens. Darin läßt sich einenegative und eine positive Seite unterscheiden. Der Wille beruht nämlich einmal aufder Herrschaft des Menschen über sich selbst. Das ist seine nach außen gerichteteSeite, welche abwehrt, was die Freiheit stört und den Menschen zum Sklaven einerunsittlichen Macht erniedrigt. Die positive Seite aber besteht in der Uebereiustimmnngdes Willens der Einzelnen mit den Forderungen der ihm übergeordneten allgemeinensittlichen Macht, in der Uebereinstimmung mit dem Gesetz. Für die Spartaner war esdas Staatsgesetz, der Wille des Staates. In Leiden Richtungen löste die spartanischeErziehung ihre Aufgabe vortrefflich. Die Herrschaft des Menschen über sich selbst be-steht vorzugsweise in der Herrschaft des Geistes über den Leib; darauf beruht wenig-stens die sittliche Freiheit, welche das Alterthum erstrebte. Die Herrschaft über denLeib besteht zunächst in der Herrschaft über die Glieder, so daß man über sie frei ver-fügen und sie sicher gebrauchen kann, wie ihre Natur es zuläßt. Diese Herrschaft wirddurch eine systematisch ausgebildete Gymnastik erworben. lieber sie weiter unten; hierist sie nur als Grundlage der Willensbildnng zu beachten. Das Gefühl der eigenenKraft beruht auf der Sicherheit der Herrschaft über die eigenen Körperkräfte; sie istdaher wirklich die physische Bedingung für einen starken Willen. Aber weiter giltes, die Neigungen, Begierden und Leidenschaften des Leibes im Zaum zu halten, zuunterdrücken oder in ruhige Bahnen zu leiten. Hiefür sorgt die Gewöhnung an diegrößte Einfachheit der Lebensbedürfnisse und Enthaltsamkeit in allen Genüssen (s. untenDiät.) Das Hervordrängen der eigenen Persönlichkeit und Individualität würde aberganz besonders unverträglich mit dem spartanischen Wesen erschienen sein. Man drangdaher mit Strenge auf bescheidenes, zurückhaltendes Benehmen der Jugend und diesessuchte man zu erzielen, indem man ihr die angemessene äußere Haltung vorschrieb.So wissen wir, daß Knaben und Jünglinge, wenn sie auf der Straße erschienen, ihreHände im Mantel halten, daß sie schweigend einhergehen und nach keiner Seite sichumsehcn, vielmehr auf ihre Füße blicken mußten. Eher, sagt ein Bewunderer dieserSitte, hätte man einen Stein reden hören oder ein ehernes Bild die Augen bewegen