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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lykurg.

trieb ist Wohl kaum in den Jesuitenschulen so sehr in den Dienst der Erziehung gestelltworden, wie es in Sparta geschah. Der Grund dafür ist leicht zu finden. Manwird durch dieses Mittel stets die günstigsten Erfolge erzielen, wo es nicht auf densittlichen Werth der Handlung, nicht auf die zu Grunde liegende Gesinnung, nichtauf die Stellung der handelnden Person zur Gottheit ankommt, sondern lediglich aufden Werth oder besser den Nutzen der Handlung für eine Gemeinschaft, also wie inSparta für den Staat. Das Streben nach Auszeichnung vor anderen (o-^v «yr-arkiik-v xaü lEtyoxov ttUcav) war ohnehin jedem Hellenen als nationales Erb-

theil angeboren; in Sparta wurde es ganz besonders gepflegt. Der Ehrgeiz war hierein Stachel nicht bloß für die Jugend, sondern für alle Bürger bis zum höchstenGreisenalter. Ehren, hohe Ehren auf der einen Seite erwarteten den Guten undBraven; Schande, schmachvolle Demüthigungen den Schlechten und Feigen. Im Diensteder Erziehung aber wurde der Ehrtrieb systematisch erregt. Um mit dem Einfachstenanzufangen, trat schon in den Wettgesängen an gewißcn Festen der ehrgeizige Sinnder verschiedenen Altersstufen hervor. Bezeichnend ist das von Plutarch überlieferteBeispiel. Die Alten sangen:

Wir waren Männer einst voll Muth und Kraft;die Männer antworteten:

Wir aber sind es; hast du Lust, erprob es nur;

und die Knaben:

Wir aber werden künftig noch viel besser sein.

Ferner bei den Hebungen der Knaben und Jünglinge sprachen die anwesenden Bürgerüber die vorkommenden Leistungen stets Lob oder Tadel aus. Um aber dem Lobeund dem Tadel einen noch größeren Stachel zu geben, ließ man bei den öffentlichenSpielen, in welchen die männliche Jugend ihre Kraft und Geschicklichkeit zeigen sollte,von Mädchen und Jungfrauen das Lob in ehrenden Liedern und den Tadel in bitternSpottgedichten auf die Sieger und die Unterliegenden singen. Die Sieger wurdenaußerdem nach allgemein hellenischer Sitte durch Preise (Kränze) geehrt; man kanndaher jene Spiele mit den Concursprüfungen der Franzosen vergleichen; die Prämieaber für den Sieger bestand lediglich in der Ehre, die man nur in einem äußerenZeichen sichtbar machte. Vielleicht noch mächtiger wurde der Ehrgeiz, wenigstens derMassen durch folgende Einrichtung angespornt. Aus den tüchtigsten Jünglingen wurdendrei als Hippagretai ausgewählt. Jeder von ihnen wählt wieder hundert aus derZahl der Jüngeren aus, indem er ausdrücklich in jedem Falle den Grund angiebt,warum er gerade diesen wählt und jenen verschmäht. Die Verschmähten haben danndie Aufgabe in stetem Kampfe und Wetteifer mit den Auserwählten wo möglich ihreEhre wiederherzustellen; diese aber sollen sich als die Besten bewähren. Dabei achtenbeide Parteien auf alles, wodurch der Gegner sich eine Blöße giebt oder einen Verstoßgegen Sitte und Gesetz sich zu Schulden kommen läßt. Oft entbrennen erbitterte Ring-kämpfe unter ihnen, zu welchen anwesende Bürger noch anfeuern. Damit aber dieLeidenschaft nicht schädlich werde und jeder sie beherrschen lerne, muß der Wettkampfsofort aufhören, sobald ein Bürger unter die Kämpfenden tritt und Halt gebietet. Auchdas Freundschaftsverhältnis, zwischen ältern Bürgern und Heranwachsenden Jünglingen,welches das Gesetz empfahl, wovon später die Rede sein wird, nutzte man als Mittelzur Erregung des Ehrtriebes aus. Für einen jungen Menschen war es eine Schande,wenn ihn nicht ein älterer Mann zu seinem Liebling erkor. Natürlich, wo die Ehre soviel galt, mußte auch jeder Tadel und jede Schmach um so bitterer empfunden werden.Schmach traf aber jeden unerbittlich, der träge war und kein Streben nach Auszeich-nung verrieth oder gar weichlich und feige sich benahm.- Als zweites Mittel diegute Zucht zu erhalten, Vergehen abzuwehren und wieder gut zu machen, diente dieStrafe. Sie bestand vorzugsweise in Schlägen; nur in seltenen Fällen kam Ent-ziehung des Essens vor. Schläge aber spielten eine große Rolle in Sparta. Für die