Luther.
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gemein und hatte viel mehr Bedeutung als Keim neuer und weiterer Entwicklungen.Die Geschichte der Pädagogik bezeugt es, wie viele der köstlichsten Früchte aus diesenKeimen erwachsen sind und wie wir immer wieder bei allen principiellen Fragen überBildung und Erziehung auf das Zeitalter der Reformation und auf den schöpferischenGenius Luthers zurückgewiescn Werden.
Daß der Hausstand ein heiliger Stand sei, bewies niemand besser als Lutherdurch das eigene Beispiel. Am 13. Juni 1525 hatte er sich mit Katharine von Boraverheirathet. Seine Ehe war mit 6 Kindern gesegnet, in deren Besitz er sich reicherfühlte als alle päpstlichen Theologen auf der ganzen Welt. Er dankte Gott, daß erihm in seiner Käthe ein freundlich, gottesfürchtig und häuslich Gemahl geschenkt habe,die er theurer achten müße denn das Königreich Frankreich und der Venediger Herr-schaft. Hier im Kreise der Seinen entfaltete der sonst so gewaltige und oft harteMann als Gatte und durch seine kinderfreundliche Erscheinung das innigste und gc-müthvollste Wesen und lernte es immer besser verstehen, daß alle, die in das Himmel-reich kommen wollen, werden müßen wie die Kinder. An der Demuth und der gläu-bigen Hingebung der Kinder begriff er so recht das Wesen des Glaubens und warddes eigenen Standes in der Gnade und Vergebung der Sünden immer gewisser. Erlernte an ihnen, wie da, wo die Erlösungswilligkeit am größten, auch die Erlösungs-fähigkeit am sichersten ist. Wie ihm so im Anschauen der Kinder und ihres kindlichenTreibens oft die Ahnung höherer Dinge aufgieng, so machte ihn auch der herzlicheund innige Verkehr, in dem er mit ihnen stand, immer geschickter und fähiger zu demBerufe eines Erziehers und Seelsorgers seines Volkes. Wie er die Sprache der Kin-der verstand, das beweisen am besten die unvergleichlich lieblichen Briefe an seinenSohn Hänschen von den lieben Englein, die die frommen Kinder behüten und vondem Paradieses-Garten, so wie das schöne Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her",das ursprünglich ein Kinderlied ist. Den Höhepunct des Familienglückes im Luther-schen Hause, wie es sich am heiligen Weihnachtsabend um den Christbaum darstellte,hat der Maler Schwerdgeburth in einem viel verbreiteten überaus anziehenden Bilde,das auch als eine Predigt vom christlichen Hausstande gelten darf, zur Anschauunggebracht. Die Briefe, die Luther von verschiedenen Reisen an seine „liebe Käthe"schrieb, bekunden die herzlichste eheliche Liebe und Treue. Aber alle Tiefe seines gott-erfülltcn Gcmüthes offenbarte er bei dem Tode seiner geliebten Kinder Elisabeth (s-1528)und Magdalene (s- 1543) ebenso in seiner Trauer um den großen Verlust, wie indem Tröste, mit dem er sich und die Seinen aufrichtete. — In dem Hausgottesdienste,den Luther so eindringlich empfahl, gieng er mit dem eigenen Beispiele voran. DieHauspostille ist aus Reden entstanden, die er zu Hause für Kinder und Gesinde hielt.Im Jahre 1532 predigte er ein halbes Jahr nur zu Hause seinen Kindern und Gesindeum des Gewissens willen als ein Hausvater, der solches zu thun schuldig sei. Nochsind die Briefe vorhanden, die das innige Vertrauen bezeugen, durch das er mit denLehrern verbunden war, denen er auf der von ihm besonders hochgehaltenen Schule zuTorgau seinen Sohn Johannes anvertraut hatte. Wie er den Rector Marcus Crodelvorzüglich schätzte als einen Mann, der wenige seinesgleichen habe, namentlich inZranunatioa st oorrsotions inoruiu, und wie er es dankbar rühmt, daß sein Sohn esbei ihm besser habe, als im eigenen Hause, so hatte er auch ein aufrichtiges Freund-schaftsverhältnis zu dem dortigen Cantor Johannes Walther. Aber so mild und liebLuther gegen seine Kinder war und so schwer es ihn ankam, sie strenge zu strafen, soschonte er doch auch der Ruthen nicht, so oft es nöthig war, auch hiebei wie in seinemganzen Hausstande eingedenk, daß ein Bischof ein Mann sein soll, ver seinem HauseWohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe, auf daß andere Leute davon erbauet eingut Exempel nehmen und nicht geärgert werden. — Luther starb am 18. Febr. 1546.
Literatur: Gedike, Luthers Pädagogik oder Gedanken über Erziehung undSchulwesen aus Luthers Schriften gesammelt. Berlin 1792. Froböse, vr. Martin