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Luther.
mation trieb dahin, daß Leute für die gelehrten Stände vorgebildet wurden, die imPredigtamt und weltlichen Regiment die Sache Christi vertreten und fördern könnten.Luther hatte es erkannt, daß Gott die Sprachen als das Mittel geschickt habe, dem
Evangelium wieder den Weg zu bahnen. Von diesem Gesichtspnncte aus empfahl er
den Rathsherrn aller Städte Deutschlands die Errichtung christlicher Schulen, die hauptsäch-lich auf Sprachunterricht gegründet allen Ständen ohne Unterschied offen stehen sollten,da es für jedermann nützlich sei, Latein zu verstehen. „Und wenn schon ein solcherKnabe, so Latein gelernet hat, darnach ein Handwerk lernet und Bürger wird, hatman denselbigen in Vorrath, ob man sein etwa zum Pfarrherrn oder sonst zum Wort
brauchen müßte: schadet ihm auch solche Lehre nichts zur Nahrung, kann sein Haus
desto baß regieren und ist über das zugerichtet und bereit zum Predigtamt, wo mansein bedarf." „Die Sprachen, sonderlich die lateinische wissen, ist allen nütze, auchKrieges- und Kaufleuten, auf daß sie mit fremden Nationen sich bereden und mit ihnenumgehen können."
Die Hauptschrift über die gelehrten Schulen ist jene Vermahnungsschrift Luthersan die Rathsherrn aller Städte Deutschlands, daß sie christliche Schulen aufrichtenund erhalten sollen (1524), die als der eigentliche Stiftungsbrief der Gymnasien zubetrachten ist. In derselben sprach L. so recht ans unmittelbar göttlicher Vollmacht,weil ihm „Gott den Mund aufgethan und ihn heißen reden". Seine Worte halltenwie ein Donner durch ganz Deutschland und weckten die schlafenden Gewissen. Erkonnte sich mit Recht rühmen, daß er nicht das Seine suche, sondern das Beste desganzen deutschen Landes nnd Volkes und daß sie, wo sie ihm hierin gehorchten, ohneZweifel nicht ihm, sondern Christo gehorchten, und wer ihm nicht gehorchte, nicht ihn,sondern Christum verachtete.
Die Grundlage aller höheren Bildung sollen die Sprachen sein, an die sich dieHistorien, die Musica und die Mathematica schließen. Dadurch soll dieJugend geschickt gemacht werden zu beidem, die heilige Schrift zu verstehen und weltlichRegiment zu führen. Die Sprachen sind hauptsächlich um des Evangeliums Willenda. „Wiewohl das Evangelium allein durch den heiligen Geist ist kommen und täglich
kömmt; so ists doch durch Mittel der Sprachen kommen und hat auch dadurch zuge-nommen, muß auch dadurch behalten werden. Denn gleich als da Gott durch die
Apostel in alle Welt das Evangelium lassen kommen, gab er die Zungen dazu. Und
hatte auch zuvor durch der Römer Regiment die griechische und lateinische Sprache soWeit in alle Lande ausgebreitet, auf daß sein Evangelium ja bald fern und weit Früchtebrächte. Also hat er jetzt auch gethan. Niemand hat gewußt, warum Gott die Sprachenhervor ließ kommen, bis daß man nun allererst stehet, daß es um des Evangelii willengeschehen ist. Darum hat er auch Griechenland den Türken gegeben, auf daß dieGriechen verjaget und zerstreuet die griechische Sprache ausbrächten und ein Anfangwürde, auch andere Sprachen mitzulernen. So lieb nun als uns das Evangeliumist, so hart lasset uns über den Sprachen halten; denn Gott hat seine Schrift nichtumsonst allein in die zwo Sprachen schreiben lassen, das Alte Testament in die ebräische,das Neue in die griechische. Welche nun Gott nicht verachtet, sondern zu seinem Worterwählet hat vor allen andern, sollen auch wir dieselben vor allen andern ehren. —— Und lasset uns das gesagt sein, daß wir das Evangelium nicht Wohl werdenerhalten ohne die Sprachen. Die Sprachen sind die Scheide, darinnen dies Messerdes Geistes stecket; sie sind der Schrein, darinnen man dies Kleinod traget. Sie sinddas Gefäß, darinnen man diesen Trank fasset; sie sind die Kemnat, darinnen diese
Speise lieget.-Ja, wo wirs versehen, daß wir, da Gott vor sei, die Sprachen
fahren lassen, so werden wir nicht allein das Evangelium verlieren, sondern wird auchendlich dahin gerathen, daß wir weder Lateinisch noch Deutsch recht reden oder schreibenkönnen." In diesen beiden, den Sprachen und dem Evangelium, sind dir Grund-züge einer Constitution der gelehrten Schule gegeben, auf welche sie sich immer wieder