Luther.
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ebenso der Erweiterung alles Wissens diente, wie es geschickt machte für ein Verständnisder Dinge auf allen Gebieten des geistigen Lebens. In dem poetischen Gehalte derheiligen Schrift fand die Poesie und Gesangeskunst gleichmäßig Nahrung und Befriedigung.Der reiche Liederquell, der daraus hcrvorgieng in dem evangelischen Kirchengesange,hauptsächlich dem Choräle, hatte von Anfang an eine volksthümliche Bedeutung, indemdiese Lieder anfangs mehr in Häusern und Werkstätten, auf Märkten und Felderngesungen wurden, als in den Kirchen. Die Lutherischen Kirchenlieder, deren er 37dichtete, wurden ein Gegenstand des Lernens in den Schulen, wo der Schulmeisterverpflichtet war, die christlichen Gesänge zu lehren. In der „ersten und alten Vorredeüber die geistlichen Lieder" sagt er, daß er gern wollte „daß die Jugend, die dochsonst soll und muß in der Musica und andern rechten Künsten erzogen werden, etwashätte, damit sie der Buhllieder und fleischlichen Gesänge los würde und an derselbigenStatt etwas heilsames lerncte und also das Gute mit Lust, wie den Jungen gebühret,eingienge. Auch daß ich nicht der Meinung bin, daß durchs Evangelium sollten alleKünste zu Boden geschlagen werden und vergehen, wie etliche ALergeistliche vorgeben;sondern ich wollte alle Künste, sonderlich die Musica gern sehen im Dienste des, dersie gegeben und geschaffen hat."
Das waren hauptsächlich die Elemente, die von Luther in Bewegung gesetzt diedeutsche evangelische Volksschule geschaffen haben, zu der die evangelische Ideevom allgemeinen Priesterthum immer kräftiger hindrängte, so sehr auch bei Luther nochdie Gelehrtenschule mit ihrer ausschließlich lateinischen Bildung überall im Vordergründestand. Wie sehr das Lateinische als nöthig zur Bildung für jedermann erkannt wurde,geht daraus hervor, daß Luther diese Sprache selbst von den Mädchenschulen nichtausschloß. In der Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation sagt er darüber:„Und wollte Gott, eine jede Stadt hätte auch eine Mägdelein-Schule, darin des Tagesdie Mägdelein eine Stunde das Evangelium hörten, es wäre zu deutsch oder lateinisch."Daß aber Luther die Bedürfnisse des Volkes schärfer ins Auge faßte, als Melanchthon,geht daraus hervor, daß während dieser in seinem Schulplanc der Mädchen nicht einmalErwähnung thut, Luther schon im Jahre 1527 in einem Briefe an Else von Kanitzschrieb: „Ehrbare, tugendsame Jungfrau Else, ich habe euer lieben Muhmen Hannevon Plausig gebeten schriftlich, daß sie euch wollte zu mir schicken eine Zeit lang: dennich gedacht euch zu brauchen, junge Maigdlein zu lehren und durch euch solch Werkandern zum Exempel anzufahen. Bei mir sollt ihr sein zu Haus und Tisch." Nochfrüher (1523) hatte er in der Leisnizer Kastenordnung vorgesehen, daß eine ehrliche,betagte, untadelige Weibsperson als Lehrerin gehalten werden sollte. Auch hatte erMädchenschulen in seiner Schrift an die Rathsherrn (1524) als allgemeines Bedürfnisanerkannt und empfohlen, da die Welt, auch ihren weltlichen Stand äußerlich zu halten,nicht bloß feiner und geschickter Männer, sondern auch der Frauen bedürfe, die Wohlziehen und halten können Haus, Kinder und Gesinde. Damit solche Frauen ausMägdlein werden, sei es nöthig, daß man die Mägdlein recht lehre und aufziehe. „EinMägdlein kann ja so viel Zeit haben, daß sie des Tages eine Stunde zur Schule geheund dennoch ihres Geschäftes im Hause Wohl warte; verschläfts und vertanzt es, undverspielet es doch wohl mehr Zeit."
Welchen Werth man dem Lateinischen beilegte, sieht man auch daraus, daßLuther der Jugend zu nutz selbst einen Theil des lateinischen Gottesdienstes Leibehaltcnwissen wollte. In der „deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstes" schreibt er:»Denn ich in keinem Wege will die lateinische Sprache aus dem Gottesdienst lassengar wegkommen; denn es ist-mir alles um die Jugend zu thun. Und wenn ichs ver-möchte, und die griechische und ebräifche Sprache wäre uns so gemein als die lateinische,und hätte so viel feiner Musica und Gesangs, als die lateinische hat; so sollte maneinen Sonntag um den andern in allen vier Sprachen, Deutsch, Lateinisch, Griechischund Ebräisch Messe halten, singen und lesen." Das unmittelbare Bedürfnis der Refor-