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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
471
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Luther.

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/besinnen muß, wenn sie ihrer Aufgabe nicht untreu werden will und sich nicht ablösenvon ihrem geschichtlichen Grnnde. Nie ist so Tiefes und Schönes über diese Verbindungder Theologie und Philologie, des Christenthums und der Gelehrsamkeit geschriebenworden, wie in dieser Vermahnungsschrift Luthers. Nie ist aber auch das classischcAlterthum mit dem Evangelium so Hand in Hand gegangen, wie damals, als man.auf dem alleinigen Grund, der gelegt ist in Christus und den Propheten, die Sprachenals die Sänken des gereinigten Glaubens erhob und die alte Literatur als eineHülfs-macht aufrief, um den mittelalterlichen Klerus zu bekämpfen. Unter dem VorgängeLuthers verbreitete sich immer tiefer die Ueberzeugung, daß das Licht der alten Literaturbestimmt sei, in die Tiefen des göttlichen Wortes zu leuchten. Im weitern Verlaufseiner Schrift weist Luther nach, wie das Evangelium aus Unkenntnis der Sprachenverfallen sei, und wie wir es nun durch Kenntnis derselben wieder reiner haben alszur Zeit Hieronymi und Augustini. Einen besondern Werth legt er dem Studium derSprachen bei für die Vertheidigung des Evangeliums. Scharf tadelt er diejenigen,die sich des Geistes rühmen und die Schrift gering achten, so wie auch die BrüderValdenses, die die Sprachen verachten. Darauf weist er nach, wie das weltlicheRegiment ebenso wie das geistliche gelehrter Leute und guter Schulen bedarf. Auchhier sind es die Sprachen nebst den Historien, durch die die Männer gebildet werdenmüßen, die Land und Leute regieren sollen. Denn aus den alten Poeten und Historikernsollen sie die Geschichte und Sprüche aller Welt lernen,wie es dieser Stadt, diesemReich, diesem Fürsten, diesem Mann, diesem Weibe gangen wäre, und könnten alsoin kurzer Zeit gleichsam der ganzen Welt von Anbeginn Wesen, Leben, Rath undAnschläge, Gelingen und Ungelingen vor sich fassen, wie in einem Spiegel." Danebenempfiehlt erdie Musica mit der ganzen Mathematica" und rühmt die Griechen, dieihre Kinder darinnen erzogen, so dadurch wundergeschickte Leute worden, zu allerleihernach tüchtig.

Ueber die Bedeutung und den Nutzen der Geschichte spricht er sich an einer andernStelle (in der Vorrede zu Galentii Capellä Historie vom Herzog zu Mailand) nochausführlicher aus. Er sah in den Historien nichts geringeres denn eine Anzeigung,Gedächtnis und Merkmal göttlicher Werke und Urtheile, wie er die Welt, sonderlichdie Menschen erhält, regiert, hindert, fördert, strafet und ehret, nachdem ein jeglicherverdient Böses oder Gutes. Ihre Kenntnis hält er daher für die Erziehung um soWichtiger, da die Menschen durch Exempel härter bewegt werden und vom Bösen abge-halten, als durch bloße Worte und Lehre. Nimmt man dazu, daß durch die Refor-mation auch eine richtigere Würdigung der Creatur sich geltend machte und daß Luthergerade hierin mit seiner tiefen und frommen Auffassung vorangieng, so daß dadurchdie selbständige Bedeutung vorbereitet werden konnte, welche die Naturwissenschaftensich jetzt errungen haben, so sieht man, daß die Bahn gebrochen war für eine allseitigewissenschaftliche Bildung.

Seine Fürsorge für die Pflege und Erhaltung der neuen Bildung erstreckte sichauch auf die Gründung vonLibereien und Bücherhäusern, die er nach dem Vorbildeder Stifter und Klöster empfahl, ja für die er sich auf die Sammlungen der Schriftendes Alten Testamentes durch die Könige und Propheten in Israel berief.Erstlichsollte die heilige Schrift beide auf Lateinisch, Griechisch, Ebräisch und Deutsch, undvb sie noch in mehr Sprachen wäre, darinnen sein. Darnach die besten Ausleger unddie ältesten, beide Griechisch, Ebräisch und Lateinisch. Darnach solche Bücher, die zuden Sprachen zu lernen dienen, als die Poeten und Oratores, nicht angesehen, ob sieHeiden oder Christen wären, Griechisch oder Lateinisch. Denn aus solchen muß mandie Grammatica lernen. Darnach sollten sein die Bücher von den freien Künsten undsonst von allen andern Künsten. Zuletzt auch der Rechte und Arznei Bücher; wiewohlauch hie unter den Commenten einer guten Wahl noth ist. Mit den fürnehmsten abersollten sein die Chroniken und Historien, waserlei Sprachen man haben könnte; denn