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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Luther.

Der Katechismus war Luthers Lieblingswerk. Er selbst sagt darüber in einemBriefe an Eapito: Vs tomis msorum lidrorurn äioxonsnäis s§o keiKiäior snm etssAirior, so czuoä Latnrninu kams xsrcitus muZis oupsrsm sos oinnss äsvsrutos.liullum snirn nAnoseo justum msum librnm, nisi körte äs svrvo erbitrio st Outsokis-nnnn, und ein andermal:Ich kanns nicht ausstudiren, noch auslernen, sondern lernedoch täglich darin und bete den Katechismus mit meinem Sohn Hansen und meinemTöchterlein Magdalcnen." Noch in seinen letzten von Eisleben kurz vor seinem Todegeschriebenen Briefen erinnert er seine Käthe, den Katechismus nicht liegen zu lassen.So in dem Briefe vom 7. Febr.:LieS du, liebe Käthe, den Johannen: und den kleinenKatechismmn, davon du sagtest: Es ist doch alles von mir in dem Buch gesagt."Voll des Lobes und Preises der Hauptstücke des Katechismus nennt er die zehn Geboteeine äootrina äootrirmrum, das Bekenntnis des Glaubens llistoria üistoriurum, dasVater Unser oratio orationunr und die Sacramente osrinronias osrimoniarnm. Auchin den Tischreden rühmt er den Katechismus als die beste und nöthigste Lehre in derKirche und mahnt, daß man nicht disputire von heimlichen und verborgenen Dingen,sondern einfältig beim Katechismo bleibe. Dort findet sich auch eine Zusammenstellungkurzer Sprüche des Katechismus, wie ihn Luther in seinem Hanse lehrete.

Der Katechismus Luthers, der bereits zu Mathesius Lebzeiten in mehr als 100,000Exemplaren gedruckt war, wurde bald in ganz Deutschland die Norm für den Religions-unterricht. Der Segen davon wurde überall sichtbar. Schon 1530 schreibt Luther anden Kurfürsten Johann:Es wächst gesund daher die zarte Jugend von Knäblein undMägdlein mit dem Katechismo und Schrift so wohl zugericht, daß mirs in meinemHerzen sanfte thut." Die Kätechismuslehre wurde ein Hanptbestandtheil des Gottes-dienstes und bald wurde es allgemein, daß die Nachmittagspredigt für den Katechismusbestimmt war. Bei den späteren Visitationsfragen wurde in der Schule zuerst ermittelt,ob der Küster auch der: Katechismus nebst Luthers geistlichen Gesängen und Psalmenfleißig in der Schule lehre. In dem von Melanchthon ansgearbeiteten Schulplane desVisitationsbüchleins (1528) wird fürden andern Hansen" ein Tag, Sonnabend oderMittwoch, zu christlicher Unterweisung bestimmt. Alle Kinder, eines nach dem andern,sollen das Vater Unser, den Glauben und die zehn Gebote hersagen: der Schulmeisterseinerseits soll bald das eine, bald das andere dieser Stücke richtig und einfältig er-klären und den Kindern Wohl einbilden, was noth ist recht zu leben, als Gottesfurcht,Glaube, gute Werke. Daneben soll der Schulmeister etliche in diesem Sinne ausgewähltePsalmen zu lernen geben, als den 112. 34. 128. 125. 127. 133. An diesem Tagesoll man noch Matthäum Aiummutios exponiren (aus dem lateinischen Texte), auchwohl die Briefe an Timothenm und die 1. Epistel Johannis, wenn die Kinder erwachsensind, oder die Sprüche Salomonis, aber keine anderen schwierigeren Bücher.

Ans diesem Plane ersieht man zugleich, in welchem Umfange die Erklärung derheiligen Schrift damals in den Schulen getrieben wurde. Zu dieser Auswahl, dienicht einmal für alle bestimmt war, kam nur noch die Lesung der Psalmen und einzelnerAbschnitte aus dem Neuen Testamente in den Wochengottesdiensten durch die Schüler.Man ist oft zu weit gegangen, indem man geglaubt hat, daß unmittelbar durch die' Reformation die Bibel das Lesebuch in der Schule und Familie geworden sei. DieUnterweisung in Gottes Wort war in jener Zeit hauptsächlich auf den Katechismusgestellt, den man auchder Laien Biblia" nannte. Von der Bibel selbst wurde vor-zugsweise das Neue Testament gebraucht, von dem Alten am meisten der Psalter unddie Sprüche Salomonis. Aber der große Grundgedanke war ausgesprochen und fandin immer weiteren Kreisen Geltung, daß die heilige Schrift in allen Schulen die vor-nehmste Lection sein müße. Es ist unschätzbar, welche Bedeutung die im Jahre 1532vollendete Bibelübersetzung Luthers für das Schulwesen hatte. Wie dadurch die Mutter-sprache eine Berechtigung in den Schulen bekam und durch sie der Grund für allgemeineBildung gelegt wurde, so wurde auch die Bibel allmählich ein Bildungselcment, welches