Luther.
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Fassungskraft der Kinder herabzusteigcn. Er wollte, daß dieselben die ganze Summades christlichen Verstandes in zwei Stücke, als in zwei Säcklein fassen im Herzen,welches sind: Glaube und Liebe. „Des Glaubens Säcklein habe zwei Beutlein; indem einen Beutlein stecke das Stück, daß wir glauben, wie wir durch Adams Sündeallzumal verderbt, Sünder und verdammet sind, Röm. 5, 12. Ps. 51, 7. Im andernstecke das Stücklein, daß wir alle durch Jesum Christ von solchem verderbten, sündlichen,verdammten Wesen erlöset sind, Röm. 5, 18. Joh. 3, 16. Der Liebe Säcklein habeauch zwei Beutlein; in dem einen stecke dies Stücke, daß wir jedermann sollen dienenund wohl thun, wie uns Christus gethan hat, Röm. 13, 8.; in dem andern stecke dasStückleiu, daß wir allerlei Böses gerne leiden und dulden sollen, 1 Joh. 3, 16. Wennnun ein Kind beginnet solches zu begreifen, daß mans gewöhne, aus der PredigtSprüche der Schrift mit sich zu bringen und den Eltern aufznsagen, wenn mau essenwill über Tische, gleichwie man vorzeiten das Latein aufzusagen pflegete, und darnachdie Sprüche in die Säcklein und Beutlein stecken, ivie man die Pfennige und Groschenoder Gulden in die Taschen steckt. Als, des Glaubens Säcklein sei das gülden Säcklein;in das erste Beutlein gehe dieser Spruch, Röm. 5, 12: Von eines einigen Sündesind sie alle Sünder und verdammt worden; und der Ps. 51, 7: Siehe in Sündenbin ich empfangen, und in Unrecht trug mich meine Mutter. Das sind zween Rhei-nische Gulden in das Beutlein. In das andere Beutlcin gehen die Ungarischen Gul-den, als dieser Spruch, Röm. 4, 25: Christus ist für unsere Sünde gestorben und fürunsere Gerechtigkeit auferstanden; Item Joh. 1, 29: Siehe, das ist Gottes Lamm, dasder Welt Sünde trägt. Das Wären zween gute Ungarische Gulden in das Beutlein.
Der Liebe Säcklein sei das silberne Säcklein; in das erste Beutlein gehen die Sprüchevom Wohlthun, als Gal. 5, 13: Dienet unter einander in der Liebe. Matth. 25, 40:Was ihr einem ans meinen Geringsten thut, das habt ihr mir selbst gethan. Daswären zween silberne Groschen in das Beutlein. In das andere Beutlein gehe dieserSpruch, Matth. 5, 11: Selig seid ihr, so ihr verfolget werdet um meinetwillen. Hebr.
12, 6. Wen der Herr lieb hat, den züchtiget er, er stäupt aber einen jeglichen Sohn,den er aufnimmt. Das sind zween Schreckcnbergcr in das Beutlcin. — Und lasse sichhie niemand zu klug dünken und verachte solch Kinderspiel." Unter den Lehrern hielter diejenigen für die besten und nützlichsten, die die zehn Gebote, den Glauben unddas Vater Unser recht lehren. Er beklagte es, daß so wenige Prediger es recht ver-stehen und statt dessen „in Daniel, Hosea, Apokalypse und dergleichen schweren Büchernhochherfliegen."
Im Jahre 1529 schrieb Luther zuerst seinen großen, alsdann den kleinen Kate-chismus. In der Vorrede zum erstem sagt er: „Diese Predigt ist dazu geordnetund angefangen, daß es sei ein Unterricht für die Kinder und Einfältigen: darum sieauch von Alters her auf Griechisch heißet Katechismus, das ist eine Kinderlehre, soein jeglicher Christ zur Noth wissen soll; also, daß Wer solches nicht weiß, nicht könneunter die Christen gezählet und zu keinem Sacrament zugelassen werden. Gleichwieman einen Handwcrksmann, der seines Handwerks Recht und Gebrauch nicht weiß,auswirft und für untüchtig hält." lieber den Anlaß zum kleinen Katechismus sprichter sich in der Vorrede also aus: „Diesen Katechismum oder Christliche Lehre in solche 'kleine, schlechte, einfältige Form zu stellen, hat mich gezwungen und gedrungen dieklägliche, elende Noth, so ich neulich erfahren habe, da ich auch ein Visitator war."Darauf schildert er die erschreckende Unwissenheit des gemeinen Mannes und vielerPfarrherrn in der christlichen Lehre und beschwört die letzteren, sich ihres Amtes besseranzunehmcn, sich zu erbarmen über das Volk, das ihnen befohlen sei, und zu helfen,den Katechismum in die Leute, sonderlich in das junge Volk zu bringen. Dabei er-mahnt er zunächst den Text fleißig zu treiben, aber immer in einerlei Form, sodanndie Erklärung und erst, wenn der kleine Katechismus richtig gelehret und geübt sei, dengroßen vorzunehmcn, um reicheren und weiteren Verstand der einzelnen Stücke zu geben.