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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Luther.

nische und deutsche Sprache verderbte,daß die elenden Leute schier zu lauter Bestiengeworden sind, weder Deutsch, noch Lateinisch recht reden oder schreiben können, undbeinahe auch die natürliche Vernunft verloren haben."

Die Wiederbelebung der klassischen Studien führte für die Schulen und gelehrtenAnstalten einen neuen Tag herauf. In den Vorläufern der Reformation war bereitsdas Bewußtsein lebendig, daß die Besserung der Kirche von der Erziehung der Jugendausgehen müße. Durch die Brüder vom gemeinsamen Leben wurde auf Verbreitungder Bibel in der Muttersprache gewirkt, und der Humanismus, wenn er auch keinenVolksunterricht Hervorbringen konnte, bemächtigte sich doch der lateinischen Schulen undsuchte ihnen einen neuen Geist einzuhauchen. Es war eine gnädige Fügung Gottes,daß dieser Geist dem neugeborenen Evangelium dienstbar gemacht wurde, und daßLuther das auserwählte Werkzeug war, die Sprachen und das Evangelium zu einemunauflöslichen Bunde zu vereinen. Die Idee einer deutschen Volksschule lag Luthernoch fern. Er hatte, er Schulen empfahl, meist gelehrte Schulen im Sinne, indenen die klassischen Sprachen obenan standen. Als Ziel schwebte ihm immer dieBildung derjenigen vor, die Prediger werden wollten oder weltlich Regiment führen.Wenn auch so die Bildung ausschließlich noch durch das Lateinische bedingt blieb, sowurde doch durch Luthers Bibelübersetzung, den Katechismus und seine geistlichen Liederauch die erste Veranlassung zur Einführung eines neuen zeitgemäßen Volksunterrichtesgegeben, der seine Grundlage entschieden in der religiösen Bildung hatte, doch durchdie eben angedeuteten Hülfsmittel nicht bloß der Religion, sondern auch der Wissen-schaft und Kunst diente.

Das volksthümliche Element der Lutherschen Pädagogik lag somit recht ei-gentlich in dem Religionsunterrichte, der bald durch ihn eine neue Bedeutung undeine neue Gestalt gewann. Wie er alle Ordnung der Kirche und des Gottesdienstesnicht um deren willen stellen wollte, die bereits Christen sind, sondern am allermeistenum der Einfältigen und des jungen Volkes willen, welches soll und muß täglich in derSchrift und Gottes Wort geübt und erzogen werden, so hatte er auch die Jugendbesonders im Auge Lei den katechetischen Arbeiten, in die er die Hanptstücke des Christen-thums zusammenfaßte. Als die drei einfachsten Stücke des Christenthums hatte manvon Alters her die zehn Gebote, den Glauben und das Vaterunser betrachtet. NachdemLuther bereits 1516 17 über die zehn Gebote, 1517 in den Fasten über das VaterUnser gepredigt hatte, gab er 1518 dieAuslegung deutsch des Vater Unsers für dieeinfältigen Laien" heraus, darauf 1520 diekurze Auslegung des heiligen Vater Unsersvor sich und hinter sich" und endlich in demselben Jahre die bereits oben erwähnteKurtze Form die zehen Gebote, Glauben und Vater Unser zu betrachten." In derVorrede zu derselben schrieb er, daß es nicht ohne sonderliche Ordnung Gottes ge-schehen seidaß für den gemeinen Christenmenschen, der die Schrift nicht lesen mag,verordnet ist, zu lehren und zu wissen die zehen Gebote, den Glauben und das VaterUnser. In welchen dreyen Stücken fürwahr alles, was in der Schrift stehet und immergepredigt werden mag, auch alles Was einem Christen noth zu wissen, gründlich undüberflüssig begriffen ist. Und mit solcher Kürze und Leichte verfasset, daß niemandklagen noch sich entschuldigen kann, was ihm noth ist zur Seligkeit, denn drey Dingesind noth einem Menschen zu wissen, daß er selig werden möge. Das erste, daß erwisse, was er thun und lassen soll. Zum andern, wenn er nun stehet, daß er es nichtthun noch lassen kann, daß er wisse, wo crs nehmen, suchen und finden soll, damiter dasselbige thun und lassen möge. Zum dritten, daß er wisse, wie er es suchen undholen soll." Auch an andern Orten spricht er sich über die Wichtigkeit dieser dreiStücke auf das nachdrücklichste aus. Er wollte, daß dieselben auf den Kanzeln undin den Schulen, so wie daheim in den Häusern mit Kindern getrieben würden. Imden methodischen Vorschriften, die er darüber in seiner Schrift von der deutschen Messeund Ordnung des Gottesdienstes (1526) gab, zeigte er, daß er es verstand zu der