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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Luther.

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weisen, mit den Thieren, die ihre eigenen Jungen fressen und verderben ihre eigenenFrüchte. Von dieser Vernachlässigung der Kinderzucht komme es allein her, daß soungezogen und wild Volk unter den Deutschen und Christen ist, dergleichen man keinein der Welt findet. Insbesondere straft er die Gleichgültigkeit, mit der die Schul-bildung vernachlässigt wird. Niemand will Kinder anders erziehen, denn auf Witz undKunst zur Nahrung. Der gemeine Mann denkt nicht, daß er Gott und der Weltschuldig, so er einen geschickten Sohn hat, ihn in die Schule zu thun und studiren zulassen.Mein lieber Geselle, ruft Luther, hast Du ein Kind, das zur Lehre geschicktist, so bist Du nicht frei, dasselbige aufzuziehen, wie Dichs gelüstet, stehet auch nichtin deinem Willküre, damit zu fahren, wie du willst Du bist Gott schuldig, seine beideRegiment zu fördern. Gott bedarf eines Pfarrherrs, Predigers, Schulmeisters inseinem geistlichen Reich, und du kannst ihm denselbigen geben und thust es nicht: siehe,da raubest du nicht einen Rock den Armen, sondern viel tausend Seelen aus dem ReichGottes und stoßest sie in die Hölle, so viel an dir ist: denn du nimmst die Personweg, die dazu tüchtig wäre, solchen Seelen zu helfen." Da die Eltern selbst nichtsgelernt hatten und die Nathsherrn in den Städten die Schulen zergehen ließen, hattedie Jugend niemand, der für sie sorgete. Mit heiligem Eifer wandte sich daher derReformator der Aufbesserung der Schulen zu, in denen er Pflanzgärtlein für dieKirche ebenso wie für alles sittliche Wesen im menschlichen Leben sah und die er fürdas unentbehrlichste Mittel erkannte,beide Regiment Gottes", das geistliche wie dasWeltliche, zu fördern.

Um Luthers tief eingreifende Wirksamkeit auf diesem Gebiete einigermaßen würdigenzu können, bedarf es eines kurzen historischen Rückblickes. Der Gedanke einer christ-lichen Volksbildung hatte schon einmal in Karl d. Gr. einen kräftigen Träger gefunden.Kam es damals auch nicht zur Gründung eigentlicher Volksschulen, so entstanden dochin den Dom- und Klosterschnlen Anstalten zur Vorbereitung guter Geistlichen. DieGrammatik wurde am Lateinischen gelehrt, die Musik für die Zwecke des Gottesdienstesgeübt. Neben dem Glauben und dem Gebete des Herrn wurden in einzelnen dieserSchulen die 7 freien Künste im kirchlichen Geiste betrieben. Aber im 13. Jahrhundertwaren alle diese Schulen in tiefen Verfall gerathen. Wohl hatten damals auch einzelneStädte ihre Schulen, die unter geistlicher Aufsicht standen, entweder lateinische Schulenzur Vorbereitung für den Priesterstand oder sogenannte Schreibschulen, in denen Deutschgelehrt wurde. Wie es aber in allen diesen Schulen aussah, erfährt man am besten,wenn man die Klagen Luthers über die Beschaffenheit derselben hört.Ja, was hatman gelernt in hohen Schulen und Klöstern bisher, denn nur Esel, Klötze und BlöckeWerden? Zwanzig, vierzig Jahre hat Einer gelernet und hat doch weder Lateinischnoch Deutsch gewußt. Ich schweige das schändliche, lästerliche Leben, darinnen dieedle Jugend so jämmerlich verderbet ist." Er bezeugt aus eigener Erfahrung, daß diearme Jugend wie in der Hölle und im Fegfeuer gemartert worden seiüber denOasualidus und illeinporalidus" und daß ein Knabe zwanzig oder dreißig Jahre überdem Donat und Alexander gelernet und dennoch nichts gelernet.Ja, wie leid istmirs jetzt, daß ich nicht mehr Poeten und Historien gelesen habe, und mich auch die-selben niemand gelehret hat. Hab dafür müßen lesen des Teufels Dreck, die Philo-sophos und Sophisten mit großer Kost, Arbeit und Schaden, daß. ich genug habedaran auszufegen." Er klagt, daß dadurch mit der Zeitdahingefallen ist alle Künsteund Sprachen, und anstatt rechtschaffener Bücher die tollen, unnützen und schädlichenMönchsbücher Lakliolioou, kAoristg., Orasoista, Imdz-'riukllus, Oormi seouro und der-gleichen vom Teufel eingeführet ist, daß damit die lateinische Sprache zu Boden istgegangen und nirgend eine geschickte Schule, noch Lehre, noch Weise zu studiren ist übriggeblieben." Da die Lehrer selbst unwissend waren, war es dahin gekommen, daß man inden hohen Schulen und Klöstern nicht allein das Evangelium verlernte, sondern auch latei-Päda'g. Cncyklopädie. IV. ZO