Druckschrift 
4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
463
Einzelbild herunterladen
 

Luther.

463

allein gewöhnen zu der Eltern Furcht, so käme es dazu, daß sie endlich auch in denDingen, die Gott angenehm, sich vor den Menschen fürchten, und würden also klein-müthig werden. Darum soll man die Kinder also ziehen, nicht daß sie ihre Elternfürchten, sondern daß sie wißen, daß sie Gott erzürnen, wenn sie ihre Eltern nichtfürchten." Was die Lehre betrifft, so fordert er, daß keiner sollte ein Vater werden,er hätte denn gelernt, daß er seinen Kindern kann predigen die Gebote Gottes unddas Evangelium, daß er fromme Christen zöge, also daß ein Vater eigentlich ein Bischofund Pfarrherr seines Hauses sein soll. Er hält es für die Schuldigkeit eines jeglichenHausvaters, daß er die Woche zum wenigsten einmal seine Kinder und Gesinde Um-frage und verhöre, was sie von Religion wissen oder lernen, und wo sie es nicht können,mit Ernst dazu halte. Insbesondere verlangte er, daß die Eltern ihren Kindern etlichesonderliche Gebetlein verordnen und sprechen lasten, wenn sie zu Tisch oder Bette gehenwollen, in welchen sie die Sünde bekennen und Gott beide, ihre eigene und gemeineGefahr und Noth, vortragen und um Errettung und Linderung Litten. Von denöffentlichen Predigten in den Kirchen erwartete er für die Jugend wenig, da die Kindernicht viel davon lernen und behalten. Darum wollte er, daß die Eltern in den Häuserndasselbige, das sie in der Kirche von den Predigern gehört haben, ihre Kinder undGesinde fleißig lehren und darüber verhören. Das Strafamt der Eltern hielt erfür ein Werk der göttlichen und christlichen Liebe. Eltern sollen ihre Kinder auch mitRuthen und Schlägen züchtigen, ans daß etwas gutes ans ihnen werden möge, gleichwie das deutsche Sprüchwort lautet: Je lieber Kind, je schärfere Ruthen. Wenn maneinen Sohn, der voll Untugend ist, vermahnt, und wo es nicht helfen will, mit ernst-lichen Worten strafet, ja auch Ruthen und Knittel aufträgt, daß der Sünde und Unartin der Zeit gewehret werde, das heißt Barmherzigkeit gcübet. Müßen doch zuweilendie Aerzte ein Bein oder Arm abnehmen, auf daß der Leib errettet werde. Warumwollte man hier zürnen, da es nicht um das zeitliche Leben, sondern um daS ewige,und nicht um den Leib, sondern um die Seele zu thun ist. Darum istsein Werkder Barmherzigkeit, das Gott belohnen will, wo böse Kinder und Gesind im Hauseist, daß man einen eichenen Butterwecken in die Hand nehme und schmiere ihnen dieHaut damit voll. Solches ist eine geistliche Salbe wider der Seelen Krankheit, dieda heißt Ungehorsam gegen Vater und Mutter." Ein solches Zürnen der Eltern sollaber kein böser Zorn sein, sondern ein Zorn der Liebe, ein freundlicher, väterlicherZorn, wie die mit einander zürnen, die sich lieb unter einander haben. Welcher Zorndazu dient, daß die Liebe hernach desto hitziger und ganz neu wird. Darum lobteLuther die Eltern, die, wenn sie die ungehorsamen Kinder nach Verdienst gestrafet haben,ihnen darnach wieder gute Worte geben und sie also gleichsam wieder versöhnen. Dennsolche Unbeständigkeit diene für die Kinder, daß sie darum nicht, weil sie sich vor derRuthe fürchten, auch den Eltern feind werden. Kurz und treffend sagte er über dasVerhältnis der Strenge zur Milde: Man muß also strafen, daß der Apfel bei derRuthe sei. Wie sich die Eltern bei Ausübung ihres Strafamtcs vor allzu großerStrengigkeit und Erbitterung zu hüten haben, so sollen sie auch nicht durch falscheNaturliebe sich verblenden lassen, daß sie ihre Kinder hätscheln und verzärteln, indemsie das Fleisch derselben mehr achten denn die Seelen.Eltern, die ihre Kinder allzu-sehr lieben, lassen ihnen den Muthwillcn, die thun nichts anderes, als daß sie dieselbenhassen. Sie erziehen einen Bösewicht, den sie einmal zum Nabenstein begleiten müßen,und der seinen eigenen Eltern die Nasen abbcißet. Darum spricht der weise Mann,Sprüchw. 13, 24: Wer der Ruthen schonet, der hastet sein eigen Kind, wer aber seinKind lieb hat, der stäupet es vielmal. Jteni 22, 15: Es ist in eines jeglichen KindesHerzen thörlich Vornehmen; aber die Ruthe mag das alles austreiben. Item SalomouCap. 33, 14: Schlägst du dein Kind mit Ruthen, so wirst dn seine Seele von derHöllen erlösen."

In dem Gebote der Schrift, daß Kinder ihren Eltern gehorsam sein sollen- in