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Luther.
regieret werden, wo in den Häusern kein Regiment ist; ja, da weder Kind, Knecht nochMagd gehorsam ist? Item, ein ganz Land; was ist es anders, denn ein HaufenStädte, Märkte und Dörfer? Wo nun die Häuser übel regieret werden, wie kannein ganzes Land wohl regieret werden? Ja, da muß nichts anders draus werden,denn eitel Tyrannei, Zauberei, Morden, Dieberei, Ungehorsam. Denn ein Fürsten-thum ist ein Haufen Länder und Grafschaften, ein Königreich ein Haufen Fürsten-thümer, ein Kaiserthum ein Haufen Königreiche. Diese alle spinnen sich aus einzlichenHäusern. Wo nun Vater und Mutter übel regieren, lassen den Kindern ihren Muth-willen, da kann weder Stadt, Markt, Dorf, Land, Fürstenthum, Königreich nochKaiserthum wohl und friedlich regieret werden. Denn aus dem Sohne wird ein Haus-vater, ein Richter, Bürgermeister, Fürst, König, Kaiser, Prediger, Schulmeister :c.Wo er nun übel erzogen ist, werden die Unterthanen wie der Herr, die Gliedmaßenwie das Haupt. Darum hat Gott als am nöthigsten angefangen, daß man im HauseWohl regiere. Denn wo das Regiment im Hause Wohl und rechtschaffen gehet, istden andern allen wohl gcrathene Ursache, denn wir sehen, daß das ganze menschlicheGeschlecht daher kömmet. Denn es hat Gott also gefallen, daß aus Vater und Mutterdie ganze Welt herkomme."
Christliche Kinderzucht hält Luther für eine schwere und mit großer Verantwort-lichkeit verbundene Sache. Darum will er, daß ein jeglicher ehrlicher Mensch seinesKindes Seele mehr, tiefer, fleißiger ansehe, denn das Fleisch, das von ihm kommenist, und sein Kind nicht anders achte, denn als einen köstlichen ewigen Schatz, der ihmvon Gott besohlen sei zu bewahren, daß ihn der Teufel, die Welt und das Fleischnicht stehlen und umbringen. Denn er wird von ihm gefordert werden am Tode undjüngsten Tage, mit gar scharfer Rechnung. Mit ernster Mahnung zieht Luther hieherdas Heulen und Klagen derer, die da rufen werden Luc. 23, 29: O selig sind dieLeiber, die nicht Kinder geboren haben, und Brüste, die nicht gesäuget haben.
Die Aufgabe aller christlichen Kinderzucht faßt er in dem Worte des PaulusCphes. 6, 4 zusammen: „Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehetsic auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn." Bei Erklärung dieser Worte (mder Auslegung des 4. Gebotes) hebt L. zuerst hervor, daß es Pflicht der Eltern sei,ihre Kinder nicht mit Ungestüm zu erziehen, nicht zu Zorn und Kleinmüthigkeit zu reizen,damit der Kinder Gemüth, weil cs noch zart ist, nicht ganz in Furcht und Blödigkeitgerathe und erwachse in ihnen ein Haß gegen die Eltern. Durch Liebe werde weitmehr ausgerichtet, als durch knechtische Furcht und Zwang. Auch soll es den Weibern,die der Kinder warten, nicht gestattet sein, mit Larven und Schreckbildern und andernGaukeleien die Kinder zu fürchten zu machen. Vielmehr sollen die Kinder also erzogenwerden, daß sie eine gute Furcht haben mögen, daß sie die Dinge fürchten, die manfürchten soll. In der Aaferziehung „in der Zucht und Vermahnung zum Herrn" st'vncriSkl'« xcll vovSkv/« r-.usl'ou) sieht er die zwei Stücke, daß man sie soll lehren, waszu lehren ist, und strafen, wenn sie der Lehre nicht Nachkommen. Die Lehre hat esvor allem mit geistlichen Dingen zu thun, daß man sie erst Gott ergebe, dann welt-lichen Geschäften. „Das ist aber die Lehre Gottes, so du die Kinder lehrest erkennenden Herrn Christum, daß du sie lehrest, stets im frischen Gedächtnis haben, wie erfür uns gelitten hat, was er gethan und was er verheißen hat. Also war den KindernIsrael von Gott geboten, daß sie ihren Kindern und Nachkommen erzählen sollten dieWunder, die Gott ihren Vätern in Aegypten gethan hatte (Pf. 78, 4). Und wennsie nun solches wissen und noch nicht lernen Gott lieben, ihm danken und beten undChristo Nachfolgen, soll man weiter vornehmen die Strafe des Herrn; das ist, halteihnen vor das schreckliche Gericht Gottes und seinen Zorn über die Bösen. Dieseswill Gott den Kindern vielmehr vorgehalten haben, als der Menschen, das ist unsereeigene Strafe. Und das nicht ohne Ursache; denn daraus lernen sie allwege über sichzu Gott aufsehcn und nicht Menschen, sondern Gott fürchten. Dann sollte man sie