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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lorinftr.

Luther.

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lich und zusammenhängend zu denken, derselben Fertigkeit, das Gedachte richtig, klar,gewandt und angemessen auszusprechen, endlich derselben Vertrautheit mit den allge-meinen Verhältnissen des natürlichen und menschlichen LebenS; so wird auch für allesolche eine gemeinsame Bildungsanstalt gefunden werden können, auf welcher dieses Zielder allgemeinen Bildung erreicht wird. Wenn eine solche gefunden sein wird, erst dannwird nach meinem Dafürhalten das höhere Bildungswesen in unserem Volke concentrirtsein und erst dann wird das deutsche Nationalleben auch von dieser Seite als ein einigesund kräftiges sich darstellen können.*) vr. Dcinhardt.

Lübeck, s. Hansestädte.

Lügt, s. Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit.

Lüsternheit, s. Mäßigkeit.

Luther, Martin, wurde am 10. Novbr. 1483 zu Eisleben geboren, wohinseine Eltern von Möhra gezogen warem Sein Vater Hans Luther war ein ehrlicherBergmann, seine Mutter Margaretha geb. Lindemann eine gottesfürchtige und frommeFrau. Von Eisleben zogen die Eltern bald wieder weg nach Mansfeld, wo der Vaterin den Rath kam. Beide, Vater und Mutter, zeigten in der Zucht Strenge und Ernst.Luther sagt selbst, daß seine Eltern ihn so hart gehalten hätten, daß er darüber garschüchtern worden sei. Die Mutter stäupte ihn einmal uni einer geringen Nuß willen,daß das Blut floß. Auch sein Vater stäupte ihn einmal so sehr, daß er ihn floh undihm gram ward, bis er ihn wieder zu sich gewöhnte.Ihr Ernst und gestreng Leben,das sie mit mir führten, verursachte mich, daß ich danach in ein Kloster lief undMönch wurde; aber sie meintens herzlich gut." In der lateinischen Schule, in dieihn der Vater mit herzlichem Gebet brachte, lernte der Knabe fleißig und schleunigseine zehn Gebote, den Kinderglauben, das Vaterunser neben der Grammatik undchristlichen Gesängen. Im 14. Jahre kam er nach Magdeburg in die Schule, welchedamals vor vielen anderen weit berühmt war. Daselbst gieng er nach Brot und sang

vor den Bürgerhäusern. Im folgenden Jahre bezog er die Schule zu Eisenach. Als

er auch dort eine Zeitlang sein Brot vor den Thüren ersang, nahm ihn Frau Cotta,eine andächtige Frau, zu sich an ihren Tisch, weil sie um seines Singens und herzlichenGebetes willen in der Kirche sehnliche Zuneigung zu ihm trug.Darum, sagte er spätereinmal, verachte mir nicht die Gesellen, die vor der Thür panom proptor ckoum sagenund den Brotreihen singen. Ich bin auch ein solcher Partekenhengst gewest. Das

sind die rechten, die in geflickten Mänteln und Schuhen gehen und das liebe Brot vor

den Thüren sammeln, das werden oft die beste, gelehrteste und vornehmste Leute.O verzaget nicht! ihr guten Gesellen, die ihr jetzt in die Current gehet, andere for-mulirt und mit im Chore seid, manchem unter euch ist ein Glück bescheeret, dahin ihrjetzt nicht gedenket, allein seid fromm und fleißig." Da sich auf der Eisenacher Schuleschon vis inAsnil aoerrima et imprimis eiogusntiain illonea zeigte, sandten ihnseine Eltern 1501 auf die hohe Schule zu Erfurt, wo er die freien Künste mit großemErnste und besonderem Fleiße studirte und eine Zeitlang nach dem Willen seines Vatersder Rechtsgelehrtheit oblag. Er versäumte keine Lection und wenn man nicht öffentlichlas, hielt er sich auf der Universitäts-Bibliothek auf. Alle Morgen fieng er sein Lernenmit Gebet an, getreu seinem Sprüchwort:fleißig gebetet ist über die Hälfte studiret."Außer der Dialektik, Physik und Ethik studirte er fleißig die römischen Klassiker undbekam zum erstenmale eine vollständige lateinische Bibel in die Hand. Noch am Endedes Jahres 1505, in welchem er Magister geworden war, wurde er aus frommemBedürfnis undmit schrecklicher Erscheinung vom Himmel gerufen" ins Kloster getriebengegen den Willen seines Vaters, der in dem Schrecken einen teuflischen Betrug sah

*) Ueber die in diesem Artikel berührten verschiedenen Fragen vergleiche man die verwandtenArtikel, wie Aufgaben, Concentration, Gymnasium, Körperliche Erziehung II-, Lectionsplan,Lehrplan, Leibesübungen rc. D. Red.