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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lorinser.

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satze zum Schutz der Gesundheit in den Schulen Kenntnis genommen, welcher sich indem ersten Stück der diesjährigen medicinischen Zeitung befindet, und mit dessen InhaltIch Mich in der Hauptsache einverstanden erkläre. Ich empfehle diesen GegenstandIhrer besonderen Aufmerksamkeit und fordere Sie auf, Mir in einem Bericht Ihre An-sicht vorzulegen und Vorschläge zu machen, wie dem Uebelstande zu begegnen sei. Berlinden 2. Febr. 1836. Man sieht aus dieser Cabinetsordre, daß sich der König mit allerEntschiedenheit ans die Seite des Anklägers stellte, die Behauptungen Lorinsers ohneweiteres als Thatsachen voraussetzte und Vorschläge verlangte, die geeignet seien, demHebel zu begegnen. Das Verfahren, welches der Minister Altenstein hierauf einschlng,war eben so würdig als weise. Altcnstcin war ein Mann, der das Unterrichtswesenmit Einsicht leitete und Vertrauen in die ihm untergebenen Lehrer setzte und ihre An-sichten und Erfahrungen, wie sichs gebührt, beachtete. Es gehörte daher auch mit zuseinen Gewohnheiten, daß er bei besonders wichtigen Entschließungen, die die Schulenbetrafen, die Gutachten der Lehrer einholte und darauf ein besonderes Gewicht legte.Dieses geschah z. B. im Jahre 1833, als die neue Abituricnteninstrnction, die 1834erschien, vorbereitet wurde; dieses geschah auch in dem vorliegenden Falle. Ehe etwasWeiteres erfolgte, wurden sämmtliche Provincial-Schulcollegicn aufgefordert, über Grundund Ungrund der Lorinserschen Anklagen die Gutachten nicht bloß der Directoren, son-dern auch der Lehrercollegien sämmtlicher Gymnasien einznziehen und über die auf dieseWeise so wie durch eigene Beobachtung gewonnenen Ergebnisse unter Einreichung derbetreffenden Gutachten ausführlich zu berichten. So kam die Sache vor dasjenigeForum, vor welches sie vorzugsweise gehört, vor das Forum der Lehrer; und diesemUmstande ist es besonders zuzuschreiben, daß der Lorinsersche Streit so fruchtbar fürdie Entwicklung der Gymnasialpädagogik geworden ist. Zunächst erschien eine Mengekleinerer Schriften besonders von preußischen Gymnasiallehrern, die sich im ganzennoch auf die Erörterung der Lorinserschen Beschuldigungen beschränkten und nur hierund da einen Anlauf ins allgemeine nahmen. Ich erwähne von denselben nur die vonKritz in Erfurt; Gotthold in Königsberg; Heinsius, Benary und Krcch in Berlin.Tie Verhandlungen in den Lehrcrconferenzen veranlassen aber viele Gymnasiallehrerauch abgesehen von diesem besonderen Streite die Einrichtungen der bestehenden Gym-nasien zu prüfen und über die letzten Zwecke der Bildung, so wie über die angemessenenMittel und Methoden, diese Zwecke zu realisiren, ebenso über das normale Verhältnisdes körperlichen Factors zum geistigen Leben sich aufznklärcn, Erfahrungen zu sammeln,auch die Geschichte der Erziehung und Bildung zu studiren und sich über alle dieseDinge öffentlich auszusprechen. So entstand infolge des Lorinserschen Streites eineförmliche Literatur der Gymnasialpädagogik, während früher außer einigen vortrefflichenAbhandlungen über die Gymnasialbildung z. B. von Beruh ardi und Spilleke kaumetwas gründliches und zusammenhängendes über diesen Gegenstand existirte, als etwaThierschs verdienstvolles Werk über die gelehrten Schulen, obgleich auch dieses Werkmehr eine beredte Apologie ist für die bildende Kraft der alten Sprachen und ihrerLiteratur, als eine aus einen: sicheren und wahren Grundgedanken entsprungene Gym-nasialpädagogik. Auch der Unterzeichnete verfaßte infolge dieser Anregungen im Jahre1837 die Schrift: Der Gymnasialunterricht nach den wissenschaftlichen Anforderungender Gegenwart, deren Grundanschauungen er bis auf den heutigen Tag bewährt ge-funden hat. Was nun aber den unmittelbaren Erfolg des Lorinserschen Streites fürdie preußischen Gymnasien betrifft, so ist darüber Folgendes zu berichten. Ans dendem Ministerium eingelieferten Gutachten und aus den über die von Lorinser erhobenenAnklagen geschriebenen Broschüren ergab sich das Resultat, daß die Gesundheit derGymnasialschüler durch Unterricht und Diseiplin der Anstalten nicht gefährdet werde.So wurde das Resultat von dem preußischen Unterrichtsministerium ausgesprochen undso ergab es sich auch aus den öffentlichen Verhandlungen, indem die über diese Ange-legenheit erschienenen Druckschriften, so weit sie zu meiner Kenntnis gekommen sind, sich