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Locke.
Lorinscr.
hatte, den ich mir, da er noch sehr jung war, als ein unbeschriebenes Stück Papier,oder als ein Stück Wachs verstellte, das man nach Gefallen bilden und formen kann,so habe ich wenig mehr als diejenigen Hanptstücke berührt, die ich bei der Erziehungeines jungen Mannes aus dieser Classe im allgemeinen für nothwendig achtete. Undich habe jetzt diese meine gelegentlichen Gedanken in der Hoffnung bekannt gemacht,daß ... - sie vielleicht doch denjenigen hie und da ein Licht anzünden können, derenSorgfalt für ihre lieben Kinder sie kühn genug macht, gegen die gewöhnliche Regel,bei der Erziehung derselben lieber ihre eigene Vernunft zu Rathe zu ziehen,als sich auf eingeführke Gewohnheiten blindlings verlassen zu wollen."Diese Hoffnung L.s hat sich erfüllt. Es ist sein großes Verdienst, daß er dem Ge-biete der Erziehung auf energische Weise das Nachdenken der Gebildeten zugewandthat, wenn er auch dabei, als ein Kind seiner Zeit, in aufklärerischem Neuernngsstrebendas gute Alte unterschätzte, über der körperlichen Erziehung und der VerstandesbildungPhantasie und Gemüth vernachlässigte und infolge seiner gesellschaftlichen Stellung seinInteresse der eigentlichen Volksbildung nicht zuwandte. Um gleiches Aufsehen, wieRousseau, zu machen, dazu waren seine Forderungen nicht einseitig und paradox genug.Aber ihre größere Besonnenheit sichert ihnen eine größere fortwährende Anwendbarkeit,und ich wüßte kein Buch, welches die alltäglichen Unarten der Erzieher in der That inBezug auf die äußere Behandlung der Kinder schärfer erkennen lehrte, und zu ihrer Be-seitigung zweckmäßigere Rathschläge gäbe, als dies L.s Schrift, namentlich in ihremzweiten Abschnitt, thut. G. Baur.
Logik, s. Philosophische Propädeutik.
Lorinscr. Der sogenannte Lorinsersche Streit, welcher sich im I. 1836 ent-spann, hat seinen Namen von dem Medicinalrath Lorinscr, der ihn durch eine zuerstin der medicinischen Zeitung des Vereins für Heilkunde in Preußen Jahrgang 1836Ntr. 1 veröffentlichte Schrift „Zum Schutz der Gesundheit in den Schulen" anrcgte undin den Gang brachte. In dieser Schrift wird zunächst von dem Gesundheitszuständeder ganzen gegenwärtigen Generation der Menschen im allgemeinen ein ziemlich trost-loses Bild entworfen, sodann aber die Beschuldigung ausgesprochen, daß es, um diesekrankhaften Anlagen des Körpers und der Seele zu steigern und, wo sie noch nichtvorhanden sind, hervorznrnfen, in der That kein wirksameres Mittel gebe, als diejenigen,welche man heut zu Tage auf den meisten deutschen Gymnasien in Anwendung bringe.Diese Mittel bestehen aber nach Lorinsers Meinung in der Vielheit der Unterrichts-gegenstände, in der Vielheit der Unterrichtsstunden und in der Vielheit der häuslichenArbeiten. Das erste diene vorzüglich zur Verwirrung und Abstumpfung des Geistes;das zweite halte die naturgemäße Ausbildung des Körpers zurück und durch das drittewerde vorgebeugt, daß diese beiden Wirkungen nicht außer der Schule wieder aufge-hoben werden. Beweise für diese harten Beschuldigungen sucht man in der Schriftvergebens. Sie trägt überhaupt nur einen denunciatorischen Charakter und von wissen-schaftlicher Ruhe, Gründlichkeit und Unparteilichkeit ist in derselben keine Spur zu finden.Daß sie aber dessenungeachtet eine ungemeine Bewegung zunächst unter den Gymnasial-lehrern Preußens hervorbrachte, davon lag der unmittelbare Grund in dem Umstande,daß sie von dem Könige Friedrich Wilhelm III. beachtet, gebilligt und dem preußischenKultusministerium zu besonderer Berücksichtigung empfohlen wurde; der zweite undtiefere Grund aber darin, daß das Gymnasialwesen sich in einer Krisis befand (freilichnoch immer sich befindet), die so zu sagen nur auf einen kleinen Anlaß wartete, um mitGewalt hervorzubrechen und die lebendigsten Erörterungen und Streitigkeiten hervorzu-rufen. Wir sprechen zuerst davon, welche Entwicklung die Sache in Preußen nahm.Kaum war nämlich die Lorinsersche Schrift erschienen (nach einem allgemein verbreitetenGerüchte wurde sie dem Könige von Preußen direct zugesendet), so wurde an denMinister von Altenstein, der damals an der Spitze des preußischen Unterrichtswesensstand, eine Cabinetsordre erlassen, die wörtlich also lautete: Ich habe von einem Auf-