Locke.
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Geschäftsmännern- so selten einen Mann wegen vorzüglicher Geschicklichkeit in derMusik loben oder schätzen hören, daß ich glaube, ihr unter allen Dingen, die auf dieListe der Geschicklichkeit kommen können, den letzten Platz anweisen zu müßcn." Gärt-nern, Drechseln und Schreinern, ja Parfümiren und Lackiren soll der junge Gentle-man lernen, um in solchen nützlichen Beschäftigungen von geistiger Arbeit und demErnst des Lebens sich zu erholen; aber Musik zu treiben, das ist nicht AoutlsmanILo,ganz wie heute noch der stolze Sohn Albions über seine musikalische Dickohrigkeit sichmit der feinen Beobachtung beruhigt, daß nur sklavische Völker musikalisch sind. Inallen diesen Beziehungen ist L. weit mehr, als Rousseau, der Vorläufer und Lehrerder Philanthropisten geworden, wenn auch selbst diese cs für nöthig hielten, seine garzu paradoxen Behauptungen über den Unwerth der Kunst einigermaßen zu ermäßigen.
Nicht viel günstiger kann man über L.s Bemerkungen über die Unterrichts-methode urtheilen. Die Forderung zwar, daß man von Kindern nur das verlangensoll, wozu sie Lust haben, hat er selbst durch das Eingeständnis, daß der Zögling ler-nen muß, auch gegen seine Neigung seiner Pflicht zu folgen, auf das rechte Maßzurückgeführt (vgl. § 73 mit § 75). Aber von dem Werthe des „spielenden Unter-richtes" hat er doch eine viel zu gute Meinung, und wenn er, namentlich in Beziehungans Lese- und Schreibunterricht, einzelne recht brauchbare Rathschläge ertheilt, so bleibtder Hauptfehler seiner Methodik immer der, daß er das Interesse für einen Unterrichts-gegenstand immer nur auf die Ueberzeugung des Zöglings von dessen äußerlicher An-wendbarkeit und Nützlichkeit zu gründen weiß. Darum tritt auch der Sprachunterrichtin den Dienst des Realismus: er soll vor allem historische, geographische, physikalischeKenntnisse abwerfen. Und wenn in dieser Rücksicht L. an Comenius erinnert, dessenNamen ja in England einen guten Klang hatte, so schließt er sich, um es nur möglichstrasch zu einem äußerlichen Verständnis der zu erlernenden Sprache zu bringen, anRatichs Methode des Sprachunterrichtes an und wird zugleich ein Vorläufer Hamil-tons. Wie das Französische am leichtesten sich lernt, Weil es durch Sprechen gelehrtwird, so wäre es das Natürlichste, daß man auch die alten Sprachen auf diese Weiselehrte. „Wenn aber ein solcher Mann nicht zu haben ist, der> gut Latein spricht, soist nichts besseres zu thun, als dieser Methode bei dem Unterrichte so viel möglich sichzu nähern, welches dadurch geschehen wird, daß man irgend ein leichtes und unter-haltendes Buch nimmt, etwa Aesops Fabeln oder dergl. und die englische Uebersetzung,die so wörtlich sein muß als möglich, dergestalt zwischen die Zeilen schreibt, daß überjedes lateinische Wort das entsprechende englische zu stehen kommll Diese laßt ihnalle Tage lesen und wieder lesen, bis er das Lateinische völlig versteht; und dannlaßt ihn zu einer andern Fabel fortgehen, aber nicht unterlassen, diejenige, die er schonWeiß, öfters zu wiederholen, um sie in seinem Gedächtnis zu erhalten." Von derGrammatik ist außer Declination und Conjugation vorläufig nichts zu lernen. Von derMethode, welche das innere Leben des Gegenstandes entbindet und dadurch mit demInteresse für die Sache selbst das geistige Leben des Zöglings erweckt und seine geistigeKraft übt, hat L., wie alle pädagogischen Utilitarier, keinen Begriff.
Im Schlußparagraph seines Buches (217) sagt L.: „Ich schließe hiemit diejenigenBemerkungen über Erziehung, - welche sich mir bei einigem Nachdenken über diese Sachedargeboten haben. Ich wünsche aber nicht, daß man sie als eine vollständige Abhand-lung über diesen Gegenstand ansehen möge. . . . Jedes Menschen Seele, so wie seinGesicht hat ihre Besonderheiten, die ihn von allen andern Menschen unterscheiden, undes giebt schwerlich zwei Kinder, die genau nach derselben Methode behandelt werdenkönnen. Ueberdem erfordern der Prinz, der Edelmann und der junge Mann aus demMittelstände, meiner Meinung nach, ganz verschiedene Exzichungsarten. Weil, ich aberhier bloß einige allgemeine Betrachtungen in Hinsicht ans die Hauptzwecke der Erziehungangegeben und diese für den Sohn eines angesehenen Mannes bestimmtPävag. (Lncyklopädie. IV. 29