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Locke.
ihm „die Kunst, seine Geschäfte in der Welt mit Geschicklichkeit und Vorsicht zn behan-deln," und wohl zn unterscheiden von der List, „welche nichts weiter ist, als der Affeder Klugheit, und ernstlich verhütet werden muß." „Die nächstfolgende gute Eigen-schaft, die ein Mann von Bildung haben muß, ist Lebensart. Der Mangel der-selben äußert sich auf zweierlei Weise. Einmal durch einfältige Verschämtheit unddann durch ungeziemende Nachlässigkeit und Unachtsamkeit im Betragen. Beides wirdvermieden, wenn man folgende Regel gehörig beobachtet: Habt Achtung für euch selbstund habt Achtung für andere (8 141)." Dadurch wird Ungeschliffenheit, absprechendesWesen, Widerspruchsgeist- vorlautes Unterbrechen anderer, welches der Jugend ganzbesonders übel ansteht, vermieden (§ 142—146).
Seine Bemerkungen über Kenntnisse und Unterricht eröffnet L. mit denWorten (§ 147): „Ihr wundert euch vielleicht, daß ich von Kenntnissen zuletzt rede,zumal wenn ich euch sage, daß ich sie für das unwichtigste Stück halte." In derThat enthält denn auch, was er über dieses „unwichtigste Stück" sagt, am wenigstenersprießliche Vorschläge und die meisten, welche zum Widerspruch auffordern. Es wirdhier als Unterrichtsgegenstand besprochen: Lesen (§ 1^7—159), Schreiben (160),Zeichnen (161), Französisch (162), Lateinisch (163—177), Geographie (179), Arith-metik (180), Astronomie (180), Geometrie (181), Chronologie (182 und 183), Ge-schichte (184), Ethik (185), Gesetzeskunde (186 und 187), Rhetorik und Logik (188),Stil (189), Naturkunde („natural pliilosoplip", von den Uebersetzern ganz gegenden englischen Begriff des Wortes und für Deutsche doppelt misverständlich durch„Naturphilosophie" wiedergegeben: § 190—194), Methodik und gelegentlich Griechisch(195), Tanzen (196), Musik (197), Reiten (198), Fechten (199 und 200), Handwerke(201—209), kaufmännisches Rechnen und Buchführung (210 und 211) und endlichdas Reisen (212—216). Schon diese Uebersicht zeigt zur Genüge, wie sehr L. dieWerthschätzung eines Unterrichtsgegenstandes in höchst äußerlicher, um nicht zu sagenplumper Weise von dessen unmittelbarer Anwendbarkeit im täglichen Leben abhängigmacht, wie er die Realien über Gebühr vor den Sprachen bevorzugt undnamentlich die bildende Kraft des Unterrichtes in den alten Sprachen völlig verkennt.Das Griechische wird nur ganz gelegentlich abgethan (§ 195): „Ich habe mich hier
gar nicht auf die Erziehung eines Gelehrten von Profession eingelassen, sondern bloßauf die eines Weltmannes, welchem bei dem dermaligen Zustande der Welt Lateinischund Französisch nach jedermanns Eingeständnis unentbehrlich ist. Wenn er zu reiferenJahren kommt und Lust hat, seine Studien weiter zn treiben und einen Blick in diegriechische Literatur zu thun, so kann er sich diese Sprache leicht selbst erwerben (!)."Noch verletzender ist die Art und Weise, wie er nicht etwa nur mit philiströser Seichtig-keit, sondern geradezu mit vornehmer Roheit über die Kunst abspricht, von derenWesen und Bedeutung er gar keinen Begriff zu haben scheint. Daß er der in denGelehrtenschulen seiner Zeit und namentlich seines Vaterlandes üblichen lateinischenVersemacherei keinen besonderen Werth beilegt, wird man begreiflich finden; unver-zeihlich aber ist, daß er überhaupt keine Stelle findet, um von Poesie zu reden,als die, welche von jener Versemacherei handelt, und daß der Landsmann Shake-speares und der Zeitgenosse Miltons sagen kann (§ 174): „Ich weiß nicht, wasfür Gründe ein Vater haben kann, zu wünschen, daß sein Sohn ein Poet werde,wenn er nicht etwa wünscht, daß er jedem anderen Beruf und jedem Geschäftdes Lebens absterbe. Und das ist noch bei weitem nicht das Schlimmste bei derSache. Denn wenn er nun wirklich ein glücklicher Reimer wird und es ihmgelingt, den Ruf eines schönen Geistes zu erlangen, so wünschte ich, man be-dächte, in welchen Gesellschaften und an welchen Oertern er wahrscheinlich seine Zeitund sein Vermögen obendrein verschwenden wird. Man hat noch sehr selten gesehen,daß einer Gold- und Silberminen auf dem Parnaß entdeckt hat." Noch toller gehtes über die Musik her (§ 197): „Ich habe unter Leuten von Talent und unter